Egon Schiele identifizierte sich mit heiligem Franziskus

Wiener Kunstwissenschaftlerin: Maler stellte sich oft mit Mönchsgewand, Tonsur und Wundmalen dar

Wien, 06.05.13 (KAP) Der durch die jüngste Papstwahl wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückte heilige Franz von Assisi diente vor 100 Jahren schon Egon Schiele als "Role Model". Darauf hat die an der Akademie der bildenden Künste Wien lehrende Kunstwissenschaftlerin Elisabeth von Samsonow in einem "Kathpress"-Gespräch aufmerksam gemacht.

Die Gestalt des heiligen Franziskus habe zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gerade auch in Kunstkreisen höchstes Interesse geweckt -auch beim damals als Skandalmaler angefeindeten Schiele, der sich selbst oft im Mönchsgewand, mit Tonsur und Wundmalen dargestellt habe. Trotz der kirchlichen Ablehnung seiner damals als Pornografie empfundenen Gemälde habe sich Schiele durchaus als religiöser Mensch empfunden, der freilich auch im Eros Heiligkeit entdeckte, sagte Samsonow. Neben Querbezügen zum Asketisch-Monastischen finde man bei Schiele auch immer wieder Dreiecke als Symbole für die christliche Trinität, die auf einer "metatheologischen" Ebene freilich auch als Synthese von These und Antithese zu verstehen seien.

Die seit 1996 als Professorin für Sakrale Kunst nach Wien berufene Geisteswissenschaftlerin verfasste zuletzt im Passagen-Verlag das Buch "Egon Schiele - Sanctus Franciscus Hystericus", das dieses bisher wenig beachtete "religiöse Kapitel" in der Künstlerbiografie Schieles beleuchtet. Sie selbst habe deutliche Hinweise auf die Affinität des Malers für den Bettelmönch lange Zeit "übersehen", merkte Samsonow an - obwohl sie als studierte Theologin das geeignete Rüstzeug dafür hatte.

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