Lunacek: "EU-Kommission stärkt mit Saatgutverordnung einseitig Agrar- und Chemiekonzerne"

Grüne: Ausnahmen reichen nicht, teure Zulassungsverfahren drängen Regionalanbieter in Nische

Wien (OTS) - "Die Vorlage der EU-Kommission für ein neues, europaweites Saatgutrecht ist ein Schlag ins Gesicht all jener Züchterinnen und Züchter, die sich seit Jahren um mehr Artenvielfalt im Acker-, Obst- und Gemüseanbau kümmern. Ohne Beschluss des Europäischen Parlaments wird es keine Neuregelung der Saatgut-Zulassung in Europa geben - wir Grüne werden uns gegen jede Bevorzugung von Konzerninteressen stellen. Die Landwirtschaft braucht keine Einheits-Pflanzen, sondern Vielfalt. Denn mit der Vereinheitlichung des Rechts, das die gegenseitige Anerkennung des nationalen Rechts ablösen soll, werden teure europaweite Zulassungsverfahren nötig. Das schwächt gerade die vielen innovativen mittelständischen Zuchtunternehmen, die sich diese Verfahren nicht werden leisten können. Der Vorschlag der Kommission stärkt vor allem die Konzerne, die ein Interesse an einem engen Saatgutspektrum haben, das allein auf hohen Output gezüchtet ist. Es profitieren die Erzeuger von Hybrid-Saatgut und jene Unternehmen, die nun mit Rückendeckung der Kommission globale Märkte bedienen und dabei ein "Rundumsorglos-Paket" mit Saatgut, Dünger und Pestiziden anbieten. Verprellt werden jene, denen es um die Erzeugung regionaler Sorten und von Saatgut für den ökologischen Markt geht. Ihnen werden zwar Sonderrechte zugestanden, womit sie jedoch in eine Nische abgedrängt werden. Dort gehören sie aber nicht hin, denn auch kleine Erzeuger benötigen den vollen Zugang zum Markt. Folgt man den Plänen der Kommission soll ihnen dieser künftig verwehrt bleiben", kommentiert Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament und Europasprecherin der österreichischen Grünen, die heute von EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg präsentierten Vorschläge der EU-Kommission für ein vereinheitlichtes Saatgutrecht in Europa.

Lunacek: "Es stellt sich die Frage, warum wir überhaupt ein europaweit gültiges Saatgutrecht brauchen. Die Grüne Fraktion im Europaparlament ist gegen die Zentralisierung, denn sie zerstört im Saatgutbereich die schöpferische Kraft kleiner Unternehmen und Initiative. Es ist absurd, wenn wir einerseits Biodiversitätsziele formulieren und auf der anderen Seite Pflanzenvielfalt torpedieren."

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