WKÖ-Präsident Leitl: Qualifizierte Zuwanderung sichert Arbeitsplätze und Wohlstand

WKÖ unterstützt Forderung nach weiteren Maßnahmen zum Ausbau der Rot-Weiß-Rot-Karte und fordert Masterplan

Wien (OTS/PWK287) - Seit Einführung der Rot-Weiß-Rot-Karte wurden 3.128 positive AMS-Gutachten erstellt, zu den Top-Herkunftsländern zählen Bosnien, Russland, Kroatien, die USA und Serbien. "Durch die Rot-Weiß-Rot-Karte konnte die Zahl der qualifizierten Zuwanderer im Vergleich zum vorherigen System bereits verdoppelt werden. Allerdings hat dieses neue Zuwanderungsmodell sein Potenzial noch nicht ausreichend entfaltet", stellt WKÖ-Präsident Christoph Leitl nach fast zwei Jahren seit Wirksamkeit der Rot-Weiß-Rot-Karte fest. Nun gelte es, aufgrund der Erfahrungen der letzten zwei Jahre an einzelnen Schrauben zu drehen, um das System weiterzuentwickeln.

So sei es erstaunlich, dass nur knapp ein Zehntel (331) der Rot-Weiß-Rot-Karten für ausländische Studienabsolventen erteilt wurden, obwohl diese mit ihren hohen Qualifikationen wesentliche Zielgruppe dafür seien und darüber hinaus sogar bereits in Österreich leben. Ein wesentlicher Grund dafür liege darin, dass ausländische Bachelor-Absolventen noch immer von der Rot-Weiß-Rot-Karte ausgeschlossen seien. Leitl: "Ich unterstütze die Forderung von Staatssekretär Sebastian Kurz, die Rot-Weiß-Rot-Karte für Bachelor-Absolventen zu öffnen, damit diese ihre arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen in den österreichischen Arbeitsmarkt einbringen können".

Verfahrensdauer verkürzen
Rückmeldungen der Betriebe zeigen, dass der Vollzug der Rot-Weiß-Rot-Karte noch nicht reibungslos funktioniert. Es bestehen zum Teil noch Unklarheiten bei den Behörden, die zu Fehlentscheidungen führen können. Ein besonderer Kritikpunkt betrifft die Verfahrensdauer: Die im Gesetz normierten 8 Wochen Verfahrensdauer werden vielfach - vor allem in Ballungszentren -nicht eingehalten. "Hier müssen wir dringend gegensteuern, die Verfahrensdauer ist ein wesentliches Kriterium für die Attraktivität eines Zuwanderungssystems, die gesetzlichen Vorgaben sind einzuhalten", so Leitl.

Die langfristige Budgetprognose des Bundesministeriums für Finanzen, die im April 2013 veröffentlich wurde, bestätigt die weitreichende Bedeutung der Zuwanderung für unseren Staatshaushalt:
So ist die Erhöhung der Beschäftigtenzahl neben der Eindämmung der Gesundheitskosten der zweite wesentliche Faktor in Hinblick auf den Abbau der Staatsschulden. Bei einem Rückgang der Erwerbstätigen von 4,2 Millionen 2012 auf 3,88 Millionen 2050 würde die Schuldenquote von derzeit 72,5% auf 93,3% steigen. Kann durch anhaltend hohe Zuwanderung die Zahl der Erwerbstätigen in hohem Maß aufrecht erhalten werden, so könnte die Schuldenquote bis zum Jahr 2050 auf 41,5% gesenkt werden. Erforderlich dafür wäre eine jährliche Nettozuwanderung von 39.000 Personen. Im Jahr 2011 lag die die Nettozuwanderung bei 35.604, ab 2017 wird sie gemäß Prognose der Statistik Austria durchwegs unter 30.000 liegen. "Es braucht einen Masterplan, um die ersten erfolgreichen Schritte, die durch die Etablierung der Rot-Weiß-Rot-Karte gesetzt wurden, weiter auszubauen und Österreich als attraktives Zielland für qualifizierte Zuwanderer zu etablieren", so Leitl.

Dazu gehören neben der Weiterentwicklung der gesetzlichen Regelungen auch Maßnahmen, damit Österreich am Atlas von international mobilen Menschen verstärkt wahrgenommen wird. So hat die WKÖ auf ihrem weltweiten Auftritt im Internet nun den eigenen Bereich "Working in Austria" eingerichtet (www.advantageaustria.org/migration), der auf 28 Sprachen über die Zuwanderungschancen nach Österreich informiert.

Darüber hinaus wurden durch die Außenwirtschaft Austria in einer ersten Analyse Nicht-EU-Länder identifiziert, die für die Zuwanderung nach Österreich von besonderem Interesse sind und wo gezielt über die Möglichkeiten der Rot-Weiß-Rot-Karte informiert werden sollte. Dabei wurde insbesondere beleuchtet, durch welche Qualifikationen sich die jeweiligen Herkunftsländer auszeichnen, inwieweit MINT-Abschlüsse (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) im Herkunftsland eine Rolle spielen und ob die Arbeitskräfte unmittelbar am österreichischen Arbeitsmarkt einsetzbar sind. Es stellte sich im Zuge dieser Analyse heraus, dass vor allem Serbien und Bosnien aufgrund der großen Anzahl an MINT-Absolventen sowohl im akademischen Bereich als auch bei Fachkräften besonders interessant sind, um dort die Rot-Weiß-Rot-Karte stärker zu kommunizieren.

Um sämtliche Aktivitäten stärker zu koordinieren, sollte dieser Masterplan für qualifizierte Zuwanderung - ähnlich wie der Nationale Aktionsplan für Integration - auf politischer Ebene erarbeitet und koordiniert werden. "Wenn wir es schaffen, uns - neben den Maßnahmen zur stärkeren Aktivierung des bereits im Inland befindlichen Arbeitskräftepotenzials - auch bei der qualifizierten Zuwanderung gut aufzustellen, werden wir die demographischen Herausforderungen bewältigen können. Wir müssen hier aber rechtzeitig agieren, um nicht den Anschluss an andere Länder, die sich bereits intensiv mit diesen Fragen befassen, zu verlieren." so Leitl. (PM)

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