Industriegruppe Pflanzenschutz zum Thema Bienenschutz: Sachliche Diskussion dringend nötig!

Wien (OTS/PWK285) - Im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion über Bienenschutz und die Rolle des Saatschutzes mit Neonicotioniden kommt es nun in der öffentlichen Kommunikation zu Falschbehauptungen. Diese Aussagen sind nicht fundiert und lenken von den realen Fakten ab. Für eine sachgerechte Diskussion, die den Bienenschutz wirklich voran bringt, ist eine wissenschaftliche Basis für die Bewertung unerlässlich. Dies macht auch eine Richtigstellung der Falschbehauptungen notwendig:

- Neonicotinoide mit dem Pflanzschutzmittel DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) zu vergleichen, heißt Äpfel mit Birnen zu vertauschen. Hier wird auf das in vielen Köpfen abgespeicherte negative Image von DDT gesetzt, um Stimmung gegen eine moderne Saatguttechnologie zu machen. Richtig ist: Neonicotinoide haben ein völlig anderes Rückstandsverhalten und reichern sich nicht an. Für Säugetiere ist die Stoffgruppe völlig unproblematisch. Dies ist gerade der Vorteil der Neonicotinoide.

- Neonicotinoide wirken sehr spezifisch auf die Nervenzellen von Insekten, aber nicht auf die von Säugetieren oder des Menschen. Wer öffentlich mit dem Begriff Nervengift ohne weitere Erklärung hausieren geht, nimmt billigend eine völlig andere und falsche öffentliche Wahrnehmung in Kauf.

- Die Bewertung der Europäischen Sicherheitsbehörde (EFSA) beschränkte sich auf die Literaturstudie aktuell verfügbarer Laborarbeiten. Die Bewertung erfolgte nach einer Richtlinie, die von verschiedenen, auch amtlichen Experten kritisiert wurde und die noch nicht validiert ist. Dabei wurden neuere Studien überwiegend nicht bewertet, beispielsweise weil sie nur auf Deutsch und nicht in englischer Sprache vorliegen. Darüber hinaus wurden die nachweisbaren Erfolge, die in der Paxis durch Einführung von risikomindernden Maßnahmen erreicht wurden, nicht berücksichtigt. Auch die Ergebnisse des MELISSA-Projektes wurden nicht einbezogen. Damit treffen die Rückschlüsse aus dem EFSA-Bericht für die Situation in Österreich nicht zu.

- Ganz allgemein steht der Begriff "Bienensterben" im Zusammenhang mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Ursachen. Die wichtigste Ursache für Überwinterungsverluste von Bienenvölkern ist der Befall durch die Varroa-Milbe. Im Winter 2011/12 haben Imker in Österreich etwa 100.000 Bienenvölker verloren. Gerne wird versucht, die Überwinterungsverluste in Zusammenhang mit den Neonicotinoiden zu bringen. Dafür gibt es weder wissenschaftliche Beweise noch nachvollziehbare Hinweise aus der Praxis. Im Gegensatz dazu liegen die im MELISSA Bericht erwähnten Wirkstoffnachweise beispielsweise im Jahr 2012 bei etwa 0,1% der beobachteten Bienenvölker.

- Ähnlich wie die Imker mit der Varroa-Milbe müssen die Landwirte mit einem eingeschleppten Schädling kämpfen. Dem Maiswurzelbohrer. Die Einführung einer Fruchtfolge ist als alleinige Maßnahme für österreichische Verhältnisse nur bedingt geeignet. Sie ist übrigens als erste Maßnahme in den USA bereits gescheitert. Landwirte berichten uns, dass sie ihre kleinbäuerliche Betriebsstruktur ohne einen entsprechenden Maisanteil nicht halten können und damit ein massiver Strukturwandel in der Landwirtschaft einhergehen wird.

Um eine produktive Landwirtschaft zu erhalten, werden wir auch in Zukunft auf moderne Technologien angewiesen sein. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig eine sorgsame Diskussion im Sinne einer balancierten Nutzen-Risiko-Debatte zu führen. Die ins Feld geführten Schlagworte und Falschbehauptungen werden vielleicht kurzfristig medial nutzen - sie unterlaufen aber einen seriösen Bienenschutz und schädigen unsere Landwirtschaft. (us)

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