Presserat: "Kurier"-Wohnbeilage verstößt nicht gegen Medienethik

Wien (OTS) - Der Senat 2 des Presserats hat jüngst aufgrund einer Mitteilung eines Lesers die Wohnbeilage des "Kurier" vom 30.10.2012 nach medienethischen Kriterien bewertet. Konkret hat der Senat überprüft, ob in der Beilage ausreichend zwischen redaktionellen Beiträgen und Werbung abgegrenzt wurde bzw. Einflussnahmen von Wohnbaugenossenschaften auf redaktionelle Inhalte erfolgten.
Der Senat konnte im vorliegenden Fall keinen Verstoß gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse feststellen und hat das Verfahren eingestellt.
Der "Kurier" übermittelte dem Senat eine detaillierte Stellungnahme, deren Tenor folgender war: Die Wohn-Beilage des "Kurier" sei ein von der Redaktion gestaltetes Sonderbuch. Der Inhalt der Beilage hänge davon ab, welche Wiener Bauprojekte oder sonstige Wohnthemen gerade aktuell seien. Der redaktionelle Inhalt der Beilage werde frei gewählt und recherchiert. Bei den Recherchen seien die Autoren der Beiträge zwar in erster Linie von jenen Informationen abhängig, die der jeweilige Bauträger geben könne. Die Beiträge seien dennoch rein redaktionelle Produkte.
Bezahlt werden lediglich die - im themenbezogenen Umfeld platzierten und als solche offenkundigen - Inserate an den unteren Seitenrändern.

Der Senat stufte die Ausführungen des "Kurier" als glaubwürdig ein.

Im vorliegenden Fall führte der Gesamteindruck der Beilage -insbesondere die Wechselwirkung/Querverbindung zwischen Inseraten und wohlwollenden, teilweise korrespondierenden Inhalten - zur Überprüfung durch den Senat. Dies legte zumindest die Vermutung nahe, es könnte sich bei den redaktionellen Beiträgen um nicht gekennzeichnete bezahlte Anzeigen handeln.

Für die Wechselwirkung/Querverbindung findet der "Kurier" in seiner Stellungnahme jedoch durchaus überzeugende Begründungen. Tatsächlich bietet die verfahrensgegenständliche Beilage ein gutes Service für Wohnungssuchende. Dass bei der Illustration der Artikel oft auf Bildmaterial der Bauträger zurückgegriffen werden müsse, erscheint dem Senat nachvollziehbar.

Aus einer positiven Wohnbauberichterstattung kann laut Senat nicht automatisch geschlossen werden, dass sie bezahlt ist.

Da sich der Verdacht, die verfahrensgegenständliche Beilage könnte gegen den Ehrenkodex verstoßen, nicht erhärtet hat, sondern der "Kurier" mit seiner Stellungnahme vorhandene Bedenken ausräumen konnte, war das Verfahren einzustellen.

Dessen ungeachtet hält der Senat fest, dass eine für Leser klar erkennbare Unterscheidbarkeit zwischen entgeltlichen und unentgeltlichen Veröffentlichungen/Einschaltungen aus medienethischer Sicht erforderlich ist.

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND EINER MITTEILUNG EINES LESERS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der beiden Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.
Im vorliegenden Fall hat der Senat 2 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers ein Verfahren durchgeführt (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob ein Artikel den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, hat die Medieninhaberin des "Kurier" Gebrauch gemacht.
Die Medieninhaberin des "Kurier" hat sich der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats unterworfen.

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Andreas Koller, Sprecher des Senats 2, Tel.: 01-53153-830

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