Umweltdachverband an LH Niessl: Umweltverträglichkeitsprüfung für B50 "Umfahrung Schützen" gefordert!

- Offener Brief an den Landeshauptmann des Burgenlandes: Stoppen Sie den Bau der B50 - dieses Projekt gefährdet die Zukunft der Region

Wien (OTS) - Auswirkungen auf potenzielles Natura 2000-Schutzgebiet "Nordöstliches Leithagebirge" nicht geprüft, Probleme bei Grundwasser und Luftgüte übersehen
- Negative Auswirkungen auf archäologisch bedeutsame Güter befürchtet

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Niessl,

das Westufer des Neusiedler Sees ist eine der bedeutendsten und attraktivsten Natur- und Kulturlandschaften in Mitteleuropa. Das Land Burgenland entschloss sich Anfang 2010, das ASFINAG-Projekt S31 in Form des adaptierten Landesstraßenprojekts B50 "Umfahrung Schützen am Gebirge" weiterzuführen; am 1. Juni 2013 will man nun mit dem Bau beginnen. Der Umweltdachverband kritisiert heftig, dass für dieses Projekt KEINE Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt wurde, obwohl die Trassenführung mehrere wertvolle Umweltschutzgüter gefährden würde. Nur ein UVP-Verfahren stellt sicher, dass die Auswirkungen auf Menschen, Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume sowie Boden, Wasser, Luft und Klima, Landschaft, Sach- und Kulturgüter festgestellt und Maßnahmen geprüft werden, durch die schädliche Auswirkungen des Vorhabens auf die Umwelt verhindert werden, und gewährleistet die geforderte Beteiligung der Öffentlichkeit, insbesondere von Nachbarn, Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen. Auch wenn es noch so oft verneint wird, ist die Umfahrung Schützen de facto auch der von vielen Seiten gewünschte erste Schritt eines Lückenschlusses zu einem hochrangigen Straßennetz am Westufer des Neusiedler Sees.

Für das B50-Umfahrungsprojekt ist daher eine UVP-Pflicht aus folgenden Gründen unumgänglich:

1. Potenzieller Eingriff in das Umweltschutzgut Wasser und Boden

Der Projektbereich weist eine besondere Sensibilität bezüglich Grundwasser und Oberflächengewässer auf. Gerade der Eintrag von Chlorid, welches üblicherweise im Winterdienst über die Salzstreuung ins Straßenwasser gelangt und von dort aus in Oberflächengewässer (und möglicherweise auch ins Grundwasser) abgeleitet wird, ist aus Umweltsicht äußerst kritisch zu sehen und wurde bislang nicht geprüft.

2. Potenzieller gravierender Eingriff in wertvolle Lebensräume in mehreren Schutzgebieten

Der Bau der B50 würde einen schwerwiegenden Eingriff in besonders wertvolle Lebensräume bedingen. Das Westufer des Neusiedler Sees weist eine Vielzahl an Schutzgebieten mit höchster Naturqualität auf. Besonders hervorzuheben ist das potenzielle Natura 2000-Gebiet "Nordöstliches Leithagebirge", das kostbare Fauna und Flora wie z. B. Pannonische Flaumeichenwälder, Hirschkäfer und Eichenbock sowie bedeutende Bestände von Ziegenmelker, Schwarz-, Blut- und Mittelspecht, Wachtelkönig u.v.m. beheimatet. Eine Erweiterung dieses Natura 2000-Gebiets steht - nicht zuletzt aufgrund des Pilotschreibens der EU-Kommission an Österreich im Dezember 2012 -an. Das Land Burgenland ist verpflichtet, in potenziellen Natura 2000-Gebieten keine Eingriffe zuzulassen und muss negative Beeinflussungen ausschließen. Dies wurde bislang ebenfalls nicht geprüft.

3. Potenzielle Gefährdung für das archäologisch bedeutsame Gebiet Schützen

Unmittelbar an der Bernsteinstraße, einer bedeutenden Nord-Süd-Route, die schon seit der Urzeit unterschiedlichste europäische Völker verband, gelegen, stellt die Landschaft um die Gemeinde Schützen ein archäologisches Schlüsselgebiet dar. Der kürzliche Fund dreier Kinder-Sarkophage auf der geplanten Trasse belegt den archäologischen Wert des Gebiets. Unzählige weitere archäologisch bedeutsame Fundstellen sind zu erwarten. Wissenschaftliche Untersuchungen könnten ein zusammenhängendes Bild der Siedlungsdichte von Schützen ergeben und dessen bedeutende Lage an der Bernsteinstraße klären.

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Niessl,
angesichts der offenkundigen Fehler und Rechtswidrigkeiten, die rund um dieses Projekt bereits aktenkundig sind, sowie des unmittelbar bevorstehenden Vertragsverletzungsverfahrens in Sachen Natura 2000 gegen die Republik Österreich, fordern wir Sie auf, sich vom Verbau einer wertvollen Kulturlandschaft zu distanzieren und sich endlich von diesem naturschutzfachlich unsäglichen und regionalwirtschaftlich unsinnigen Projekt zu verabschieden, um einer nachhaltigen umweltverträglichen Regionalentwicklung den Vorzug zu geben. Wir fordern daher einen sofortigen Baustopp für die B50 "Umfahrung Schützen"!

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Heilingbrunner, ehrenamtlicher Präsident Umweltdachverband Michael Proschek-Hauptmann, Geschäftsführer Umweltdachverband

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Umweltdachverband
Dr.in Sylvia Steinbauer
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (++43-1)40113/21
sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at
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