Wiener Arbeitsmarkt: Geringqualifizierte und Bildungsferne verstärkt fördern

Caritas und AMS Wien: Gerade in Krisenzeiten ist Bildungs- und Qualifikationsoffensive das Gebot der Stunde für eine erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik. Bund gefordert.

Wien (OTS) - Geringqualifizierte Frauen und Männer haben es besonders schwer, am Arbeitsmarkt unterzukommen. "Das gilt zu jeder Zeit, vor allem aber in Zeiten der Krise", sagte Caritasdirektor Michael Landau bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Gemeinsam mit AMS Wien-Landesgeschäftsführerin Petra Draxl wies Landau darauf hin, dass es gerade auch im fünften Jahr nach Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise gelte, Schwerpunkte in den Bereichen Bildung, Weiterbildung und Qualifikation zu setzen. "Denn je geringer die formale Bildung, desto höher auch das Risiko, von Einkommensarmut betroffen zu sein - und es auch zu bleiben", so Landau. Bildungsarmut werde in diesem Land jedoch noch immer vererbt. "Hier braucht es endlich mehr Chancengerechtigkeit!"

In Wien haben derzeit 55 % der Arbeitslosen maximal Pflichtschulabschluss. Bereits drei Viertel (76%) der Unter-25-Jährigen in Wien, die schon länger als ein Jahr arbeitslos sind, haben keinen höheren Abschluss als jenen einer Pflichtschule in der Tasche. AMS Wien-Chefin Petra Draxl: "Der zweite Arbeitsmarkt ist für uns unendlich wichtig, weil die Sozialökonomischen Betriebe die Möglichkeiten und die Erfahrung haben, Menschen behutsam wieder ans Erwerbsleben heranzuführen. Wir werden uns nun noch stärker damit beschäftigen müssen, welche zusätzlichen arbeitsplatznahen Qualifikationen die SÖBs unseren Kundinnen und Kunden vermitteln können, die am ersten Arbeitsmarkt gebraucht und nachgefragt werden."

Derzeit sind in der Bundeshauptstadt so viele Menschen wie nie zuvor in Beschäftigung, doch gleichzeitig befindet sich auch die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordhoch: Im März waren knapp 120.000 Menschen arbeitslos gemeldet oder in Schulung - davon waren 36.299 Frauen und Männer länger als ein Jahr auf Jobsuche. "Deshalb haben wir uns im Rahmen des Qualifikationsplans Wien 2020 gemeinsam mit der Stadt Wien und den Sozialpartnern zum Ziel gesetzt, so vielen Menschen wie möglich zu einem qualifizierten Abschluss zu verhelfen -denn Bildung ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit", erklärt Draxl.

Mehr Schule und mehr Kindergarten
Aus Sicht der Caritas liegt ein zentraler Schlüssel, um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, in einer umfassenden Reform des Bildungssystems. "Mit unseren Projekten für langzeitarbeitslose Menschen können wir vielfach nur die Folgen einer fehlgeleiteten Politik lindern, die Ursachen für diese Entwicklungen muss die Politik selbst bekämpfen", sagte Landau. Neben flächendeckenden Ganztagsschulangeboten brauche es vor allem auch einen verpflichtenden, gebührenfreien Kindergarten ab dem vierten Lebensjahr. Und um zu verhindern, dass Jugendliche ihre Schulkarriere frühzeitig beenden, müsse auch ein effektives Frühwarnsystem gegen Schulabbruch konzipiert werden, forderte der Caritasdirektor.

Landau begrüßte aber auch ausdrücklich den Weg, der in Wien mit dem Qualifikationsplan 2020 eingeschlagen wird. AMS Wien und Gemeinde wollen damit den Anteil der Personen mit maximal Pflichtschulabschluss in den nächsten Jahren erkennbar reduzieren. "Sofern das Modell Erfolge zeichnet, würden wir uns wünschen, dass das Projekt, bei dem sich die öffentliche Hand und Private die Ausbildungskosten solidarisch teilen, nicht nur in Wien, sondern in ganz Österreich Schule macht" appellierte Landau.
Die Caritas der Erzdiözese Wien und das AMS Wien verbindet mittlerweile eine 23 Jahre währende Zusammenarbeit. Gemeinsam gelang es in dieser Zeit knapp 5.000 Menschen im Rahmen von Beschäftigungsprojekten zu unterstützen. Aktuell bietet die Caritas in Wien und Teilen Niederösterreichs rund 370 Arbeitsplätze für langzeitarbeitslose Frauen und Männer in sieben Beschäftigungsprojekten. Am Dienstag eröffneten Landau und Draxl gemeinsam die fünfte "Jobmeile" der Caritas im Carla Mittersteig. Bei dieser Jobmesse bieten mittlerweile 45 Aussteller Informationen für bis zu 1.000 Jobsuchende.

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Pressesprecher AMS Wien
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