TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Umsturz in Tirol ist abgeblasen", von Alois Vahrner

Ausgabe vom 29. April 2013

Innsbruck (OTS) - Die ÖVP trotzte allen schlechten Umfragen und Kampfansagen der in Rekordzahl angetretenen Herausforderer. Trotz eines historischen Tiefstwerts der Volkspartei ist Landeshauptmann Günther Platter letztlich Wahlsieger.

Das vielerorts erwartete Tiroler Politbeben blieb aus. Der ÖVP, die nach dem 2. Weltkrieg ununterbrochen den Landeshauptmann stellt, drohte laut Umfragen ein Absturz auf 35 Prozent oder sogar noch darunter - und dann möglicherweise der Rauswurf aus der Regierung, wie es der Volkspartei in Innsbruck durch die Ampelkoalition bereits passiert ist. Gleich mehrere Herausforderer witterten daher auch auf Landesebene die Chance, mit einer Anti-ÖVP-Koalition sogar den/die Landeshauptmann/frau zu stellen - und plakatierten dies auch.
Das ist nach dem gestrigen Wahlergebnis alles Schall und Rauch. Die ÖVP verlor zwar erneut leicht und rutschte mit unter 40 Prozent auf ihr schlechtestes Ergebnis. Alles ist freilich relativ: Vor allem wegen der zehn Konkurrenzlisten und der schlechten Umfragen hatte selbst in der ÖVP niemand mit einem solchen Ergebnis gerechnet. Auch nicht der von allen Seiten heftig attackierte LH Günther Platter, der gestern zum klaren Wahlsieger avancierte. Die Ablöse-Diskussionen, die Platter bei einem kräftigen Stimmenverlust unweigerlich gedroht hätten, sind wie weggeblasen. Platter, der in der abgelaufenen Legislaturperiode etwa mit dem Hypo-Debakel in Italien sowie parteinternen Affären um Jagden und Switak zu kämpfen hatte, sitzt seit gestern fester im Sattel denn je.
Die Wahlkampagne der ÖVP kostete Millionen, sie war aber professionell. Vor allem die Warnung vor einem angeblich drohenden politischen Chaos und "italienischen Zuständen" hat offenbar gezogen.

Wie schon nach der letzten Landtagswahl ist die ÖVP in der angenehmen Position, sich genüsslich seinen Koalitionspartner aus vier potenziellen Partnern aussuchen zu können. Wobei nur Rot und Grün realistisch übrig bleiben - weil mit der schwächelnden FPÖ auch imagemäßig kein Staat zu machen ist und die Bedingung von Vorwärts, nur eine Koalition ohne Platter zu wollen, zum Knieschuss wurde.
Die ÖVP unter Günther Platter wird weiter in Tirol das Sagen haben, aber sie hat eben weiterhin nur 16 von 36 Mandaten und damit keine absolute Mehrheit. Bei den Agrargemeinschaften etwa wird Platter daher nicht umhinkommen, entschiedener als bisher vorzugehen. Letztlich wird er auch versuchen müssen, die ÖVP-Zersplitterung zu beenden. Gestern traten mit ÖVP, Vorwärts, Liste Fritz, Für Tirol und Team Gurgiser gleich fünf bürgerliche Listen an - und kamen auf einen Stimmenanteil von insgesamt 61 Prozent. Die stärkste Opposition macht sich in Tirol noch immer die ÖVP selbst.

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