ÖGB-Jugendkongress: ÖGJ fordert Fachkräftemilliarde

Wirtschaft soll Lehrlinge ausbilden, statt über Fachkräftemangel zu jammern

Wien (OTS/ÖGB) - Die Wirtschaft beklagt sich lautstark, dass sie keine geeigneten Fachkräfte finden kann - aber sie bildet immer weniger Lehrlinge aus. "Seit den 1980er Jahren hat die Wirtschaft die Lehrstellen um ein Drittel zurückgeschraubt. 80 Prozent der Betriebe, die ausbilden könnten, weigern sich. Deshalb müssen wir die Finanzierung neu organisieren und gleichzeitig die Qualität in der Lehrlingsausbildung verbessern", begründet Michael Trinko, Bundessekretär der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), den Leitantrag, der heute vom ÖGB-Bundesjugendkongress einstimmig beschlossen wurde. ++++

Das ÖGJ-Konzept für eine Fachkräftemilliarde sieht vor, dass alle Unternehmen, die ausbilden könnten, in einen Topf einzahlen, aus dem die tatsächlich ausbildenden Firmen gefördert werden. "Zieht man hier das Modell der Gewerkschaftsjugend heran und nimmt 1 Prozent von der Bruttolohnsumme (nur Vollzeitbeschäftigte) 2009 (75.625.407.000 Euro), wären 756.254.070 Euro zur Verfügung gestanden. Dies hätte für 2009 eine Mehreinnahme von gut 600 Millionen Euro bedeutet", heißt es in dem beschlossenen Leitantrag. Rechnet man die Teilzeitbeschäftigten mit, kommt man auf eine Milliarde Euro für die Fachkräfte-Aus- und Weiterbildung - Mehreinnahmen von 850 Millionen Euro im Vergleich zum derzeitigen Modell, wonach die Betriebe in den Insolvenzfonds Geld für die Lehrstellenförderung einzahlen. Geld aus der Fachkräftemilliarde soll dann an jene (derzeit gerade 20 Prozent der) Unternehmen fließen, die Lehrlinge ausbilden. Außerdem sollen aus der Fachkräftemilliarde die Plätze in überbetrieblichen Ausbildungsplätzen finanziert werden, die derzeit der Bund (über das AMS) finanziert. Ersparnis für die SteuerzahlerInnen: 150 Millionen Euro pro Jahr.

ÖGJ fordert Qualitätsoffensive in der Lehrausbildung

"Abseits davon schaffen viele Lehrlinge die Lehrabschlussprüfung nicht oder treten erst gar nicht zur Prüfung an, da sie dafür seitens des Betriebes nicht gut genug vorbereitet werden. Betrachtet man die oben angeführten Zahlen, zeigt dies eines ganz klar: Es müssen viel mehr Lehrstellen geschaffen werden und die Qualität der Lehrausbildung muss verbessert werden", so der Kongressbeschluss. "Das Problem: Die duale Berufsausbildung ist der einzige Bereich im gesamten Bildungssystem, wo es nicht die geringste Spur von Qualitätssicherung gibt. Jeder Betrieb bildet aus, wie er möchte -die einen vorbildlich, die anderen nur in Kaffeekochen und Wurstsemmeln holen", begründet Trinko.

Das ÖGB-Konzept für eine Fachkräftemilliarde und mehr Qualität in der Lehre:

+ Auskoppelung der Lehrstellenförderung aus dem Insolvenz-Entgelt-Sicherungsfonds.
+ Finanzierung der Lehrstellenförderung durch 1 Prozent der Jahresbruttolohnsumme durch die UnternehmerInnen.
+ Aufteilung der Mittel auf Förderung der Ausbildung und Beschäftigung von Jugendlichen (60 Prozent) sowie Förderung von Weiterbildung von ArbeitnehmerInnen (40 Prozent).
+ Förderungsvergabe und Entwicklung von Qualitätsmerkmalen in der dualen Ausbildung durch ArbeitnehmerInnen- und ArbeitgebervertreterInnen.
+ Einrichtung eines Qualitätskompetenzzentrums, das neben der Basisförderung speziell auf die Branchen abgestimmte Förderungen vergibt, die zur beitragen.
+ Auch die Kosten der überbetrieblichen Ausbildung sollen aus der Fachkräftemilliarde finanziert werden.

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