Foglar: ÖGB greift ÖGJ-Forderung nach Fachkräftemilliarde auf

ÖGB-Jugendkongress - AK-Kaske: Nach Fachkräften zu rufen, aber selbst keine auszubilden, ist unanständig

Wien (OTS/ÖGB) - "Nur wer sich einbringt, kann auch etwas verändern", sagte ÖGB-Präsident Erich Foglar in seiner Eröffnungsrede beim 33. Bundesjugendkongress des ÖGB. "Mitmischen in der Arbeitswelt, das ist die Aufgabe der jungen GewerkschafterInnen, und das ist der ÖGJ sehr erfolgreich gelungen." Als Beispiel für das "Mitmischen" nannte der ÖGB-Präsident die von der ÖGJ entwickelte Fachkräftemilliarde: "Eure Idee wurde zu einer Forderung des gesamten ÖGB und ist im Leitantrag zum ÖGB-Bundeskongress enthalten, weil ihr damit ein ganz wichtiges Thema aufgegriffen habt: die gute berufliche Zukunft der Jugend." Denn Österreichs Lehrlingsausbildung gelte in Europa als Musterbeispiel, so Foglar, dennoch gebe es auch Schattenseiten:
"Betriebliche Lehrstellen gehen zurück, Jugendliche in überbetrieblichen Lehrwerkstätten werden mehr, und die Wirtschaft klagt dann über hausgemachten Fachkräftemangel." Hier setze die Fachkräftemilliarde an.

Gute Ausbildung und ein guter Arbeitseinstieg seien, so Foglar, besonders wichtig für junge Menschen. "Ein erfolgreicher Bildungsabschluss und ein erfolgreicher Arbeitsstart sind die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Arbeitsleben. Daher muss auch bei der Qualität der Lehrlingsausbildung einiges verbessert werden, damit die Jugendlichen auch wirklich das lernen, was sie lernen sollen."

Neben Fragen der Ausbildung und des Berufseinstieges für jungen Menschen hob Foglar auch die klare Haltung der ÖGJ gegen jede Art von Rechtsextremismus, Antisemitismus, Wiederbetätigung und Diskriminierung hervor: "Die Aktionen der Gewerkschaftsjugend - von Kampagnen gegen Rassismus über Seminare bis zur jährlichen Teilnahme vieler junger GewerkschafterInnen an der Befreiungsfeier im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen - sind Garant für das Fortbestehen dieser Haltung." Gerade in krisenhaften Zeiten sei dieses Engagement besonders wichtig, denn die Gefahr sei groß, dass man da den falschen Propheten folge.

Kaske: Qualitäts-Check für alle Betriebe, die Lehrlinge ausbilden

AK-Präsident Rudi Kaske kritisierte ebenfalls die fehlenden Lehrstellen: "Nach Fachkräften zu rufen, aber selbst keine auszubilden, das ist unanständig. Hier muss von der Wirtschaft mehr getan werden." Zugleich gibt es auch bei der Qualität der Ausbildung in vielen Betrieben Verbesserungsbedarf. Kaske kritisierte die fehlende Qualitätskontrolle: "Salopp gesagt: dass ein Betrieb einmal die Ausbildungsberechtigung bekommt und sie dann für die nächsten hundert Jahre ohne Überprüfung der Qualität behält, das ist kein Zukunftskonzept. Hier gehört angesetzt, hier gehört etwas getan. "
Auch die Daten und Fakten zeigen klar, dass es an der Ausbildung in den Betrieben hapert. Denn österreichweit schließen 98 Prozent der Jugendlichen die Berufsschule mit Erfolg ab. Aber beinahe jeder fünfte Lehrling fällt dann bei der Lehrabschlussprüfung durch, bei der es um das praktische Know-how geht.

"Wir brauchen einen Qualitäts-Check bei der Lehrausbildung", forderte Kaske - und Sanktionen für Betriebe, die schlecht ausbilden. Die Wirtschaft muss mehr für die Ausbildung tun, anstatt immer wieder zu erklären, dass die BewerberInnen für Lehrstellen ungeeignet seien. "Die Jugendlichen sind nicht zu dumm, wie vielfach unterstellt wird. Ich fordere mit aller Deutlichkeit ein Ende der Diffamierung der Jugendlichen", sagte Kaske.

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