"profil": Zeman kritisiert EU-Regelungen

Tschechischer Staatspräsident für Euro-Beitritt, aber gegen Hilfszahlungen - 90 Prozent der Sudetendeutschen habe Todesstrafe gedroht - Vertreibung war milder

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" kritisiert Milos Zeman, Staatspräsident der Tschechischen Republik, die Regelungswut der EU-Kommission. "Liebe EU, bestimme nicht, welche Glühbirne ich in meinem Landhaus verwenden muss!", so Zeman: "Ich habe so eine Sparlampe eingeschraubt, und danach sah es bei mir aus wie im Leichenschauhaus." Die EU solle sich auch nicht um Raucher oder alkoholische Getränke kümmern. "Mein früherer Lieblingsdrink war Becherovka, bis die EU in einer Richtlinie den Zuckergehalt für Liköre anhob. Seither trinke ich nur Sliwowitz", so der Staatspräsident.

Zeman spricht sich für eine baldige Teilnahme Tschechiens am Euro aus. Aber er kündigt gleich ein Veto gegen Hilfszahlungen an Griechenland oder Zypern an. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der tschechische Finanzminister einer Hilfe für Zypern oder Griechenland zustimmen wird."

Er stehe weiter zu seiner bereits 2002 gegenüber "profil" gemachten Äußerung, die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg sei milder gewesen als die Todesstrafe, die ihnen eigentlich nach dem damaligen Gesetz für das Verbrechen des Landesverrats gedroht habe. "Im März 1938 gab es Lokalwahlen in der damaligen Tschechoslowakei. 90 Prozent der Sudetendeutschen wählten Konrad Henlein, und der war ein Nazi. Also nur zehn Prozent der Sudetendeutschen waren Demokraten. Ich kritisiere also nicht alle Sudetendeutschen, nur 90 Prozent. Und nur diesen hat damals eigentlich die Todesstrafe gedroht", so Zeman im "profil"-Interview.

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