Entführte Metropoliten: Christen verlangen umgehende Freilassung

Gemeinsame Erklärung von Kardinal Schönborn. ÖRKÖ-Vorsitzendem Dura und "Pro Oriente"-Präsident Marte

wien (OTS) - Wien, 25.04.13 (poi/pew) Kardinal Christoph Schönborn, der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Bischofsvikar Nicolae Dura, und "Pro Oriente"-Präsident Johann Marte haben am Donnerstagmorgen in einer gemeinsamen Erklärung die umgehende Freilassung der beiden entführten Metropoliten von Aleppo gefordert. Solidarität und Gebet "gelten allen Opfern in Syrien, insbesondere auch den Christen", heißt es in der Erklärung weiter, in der auch auf die allgemeine Situation der Christen im Nahen Osten Bezug genommen wird: Für die Christen müsse das Recht auf volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung verankert und durchgesetzt werden.

Die gemeinsame Erklärung von Schönborn, Dura und Marte hat folgenden Wortlaut: "Die Christen in Österreich sind zutiefst betroffen über die Entführung der beiden Metropoliten von Aleppo, Mar Gregorios Youhanna Ibrahim (syrisch-orthodox) und Boulos Yazigi (antiochenisch-orthodox). Das Verwirrspiel um die angebliche Befreiung der beiden Metropoliten am Dienstagnachmittag hat den Schmerz der betroffenen christlichen Gemeinden noch vertieft. In erschütternder Weise ist durch die Entführung der beiden Bischöfe die Tragödie des syrischen Volkes noch deutlicher geworden, das immer mehr zum Spielball widerstreitender politischer und ideologischer Kräfte wird. Mit zahlreichen kirchlichen Persönlichkeiten in aller Welt fordern wir die umgehende Freilassung der beiden Metropoliten, die sich mit Entschiedenheit für Frieden und Versöhnung eingesetzt haben.

Die Solidarität und das Gebet der Christen in Österreich gilt allen Opfern in Syrien, insbesondere auch den Christen. In Syrien und überall im Nahen Osten muss für die Christen - wie für alle anderen Bewohner - das Recht auf volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung verankert und durchgesetzt werden. Syrien war in seiner Geschichte durch das selbstverständliche Miteinander verschiedener religiöser Gruppen gekennzeichnet. Dieses kostbare Erbe darf nicht von radikalen Fanatikern zerstört werden.

In Syrien ist schon so viel Blut geflossen, zu viele Menschen sind aus ihren Lebensverhältnissen herausgerissen worden, zuviel ist zerstört worden. Der syrisch-orthodoxe Metropolit Mar Gregorios Youhanna Ibrahim, ein langjähriger Freund Österreichs, seit mehr als 30 Jahren ein enger Mitarbeiter der Stiftung Pro Oriente, sagte vor kurzem: Wir sind total erschöpft und können nicht mehr weiter. Dieser Klageruf eines Hirten muss allen zu Herzen gehen, denen es um die Sache des Friedens und der Menschlichkeit geht.

Auf diesem Hintergrund machen wir uns die nach der Entführung der beiden Metropoliten veröffentlichte gemeinsame Erklärung des antiochenisch-orthodoxen Patriarchen Youhanna X. und des syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien, Mar Ignatios Zakka I. Iwas, zu eigen:

1. Die im Nahen Osten lebenden Christen sind essenzieller Bestandteil ihrer Länder. Sie leiden wie alle anderen, sie sind Boten des Friedens, um das Unrecht an den Unterdrückten zu überwinden: Sie folgen der Lehre des Evangeliums, wonach die Nächstenliebe die Basis der menschlichen Beziehungen ist.
2. Die Christen des Nahen Ostens sind in tiefer Sorge über das, was in ihren Ländern vorgeht, vor allem im Hinblick auf die Gewalt, die so viele Opfer fordert und auf die Entführungen, die eine der absurdesten Ausformungen der Gewalt sind. Wir appellieren an die Entführer, das Leben der beiden entführten Bischöfe wie auch aller anderen Entführungsopfer zu respektieren. Es muss alles vermieden werden, was einen religiösen Konflikt anfachen könnte.
3. Wir verstehen die Angst der Christen im Hinblick auf das Vorgefallene. Wir rufen sie zur Geduld auf, zur Treue zum Glauben und zum Vertrauen auf Gott, dessen Stärke in unserer Schwäche liegt. Unser Land zu verteidigen, heißt vor allem, an ihm festzuhalten und daran zu arbeiten, dass es ein Land der Nächstenliebe und Koexistenz wird. Wir sind uns bewusst, dass Bürger aller Konfessionen auf Grund von Entführungen den gleichen Schmerz erleiden.
4. In dieser schmerzlichen Situation können wir nicht anders, als an alle Welt zu appellieren, dass der syrischen Krise ein Ende gesetzt wird, damit Syrien wieder ein Garten der Nächstenliebe, der Sicherheit und der Koexistenz wird. "Abrechnungen" sollten nicht auf Kosten der Menschen erfolgen, die hier leben.
5. Wir bitten die Kirchen in aller Welt, angesichts der Vorgänge fest zu bleiben und Zeugen der Nächstenliebe zu sein. Es ist notwendig, Schritte zu setzen, die die Ablehnung aller Arten von Gewalt deutlich machen, von denen die Menschen im Nahen Osten betroffen sind.
6. Wir ergreifen die Gelegenheit, an unsere Mitbürger aus allen islamischen Konfessionen zu appellieren, dem Missbrauch des Menschen Widerstand zu leisten. Denn es ist Missbrauch, wenn er als Objekt betrachtet, als Schild im Kampf oder als Mittel der finanziellen oder politischen Korruption eingesetzt wird.
7. Abschließend wenden wir uns an die Entführer und sagen ihnen, dass die von ihnen Entführten Boten des Friedens in der Welt sind. Ihre religiöse, gesellschaftliche und patriotische Arbeit legt für sie Zeugnis ab. Wir rufen sie auf, dieses schmerzliche Ereignis fernab von allen Spannungen zu behandeln, die nur den Feinden des Landes dienen". (ende)

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Prof. Erich Leitenberger
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