EU-gefördertes Projekt Optix erzielt Durchbruch in der Sprengstofferkennung

Wien (ots) - Dank hochentwickelter optischer Technologie kann ein Detektionsgerät Sprengstoffmengen von weniger als 1 Milligramm auf 20 Meter Entfernung erkennen

Das OPTIX-Forschungskonsortium hat mit Erfolg einen transportablen Prototyp entwickelt und getestet, der geringste Mengen Sprengstoff aus einer Entfernung von 20 Metern erkennt. Damit liefert OPTIX Polizei und Sicherheitskräften ein wertvolles Instrument zur frühzeitigen Erkennung von explosiven Stoffen. Da bislang kein anderes Forschungskonsortium oder Unternehmen ähnliche Ergebnisse erzielt hat, ist die europäische Industrie in der einzigartigen Lage, die Technologie auf den Markt zu bringen. Das vom multinationalen Beratungs- und Technologieunternehmen Indra mit Sitz in Spanien geleitete OPTIX-Konsortium hat von der EU-Kommission Fördergelder in Höhe von 2,4 Mio. EUR erhalten.

"Die Erkennung von Sprengstoffspuren aus der Ferne führt in jedem Szenario zu mehr Sicherheit. Doch nicht nur das: Auch die Unannehmlichkeiten für Bürgerinnen und Bürger können durch den Einsatz eines nicht-invasiven und ungefährlichen Sprengstoffdetektionssystems deutlich reduziert werden", erklärt Alberto Calvo, der für die Sicherheit zuständige Direktor bei Indra.

Funktionsweise des optischen Sprengstofferkennungssystems

Das System nutzt modernste optische Technologie. Mithilfe von Lasern, die die atomare und molekulare Struktur von Sprengsätzen genauestens bestimmen können, tastet das Gerät Fahrzeuge, Gepäckstücke oder blickdichte Behälter rasch und aus der Ferne optisch ab - und spürt Rückstände auf. Es ist so gut wie unmöglich, bei der Arbeit mit Sprengstoff keine Spuren zu hinterlassen, da in jedem Behälter und bei jeder Berührung durch Menschenhand Rückstände haften bleiben.

Um das Gerät transportieren zu können, wird es auf eine Arbeitsbühne auf Rädern montiert, die in einem herkömmlichen Lieferwagen an den Einsatzort gebracht werden kann. Das Gerät bewegt sich dann zum Beispiel über einen Parkplatz oder eine Straße, um Oberflächen mit möglichen Sprengstoffspuren zu scannen, beispielsweise Lenkräder oder Fahrzeugtüren. Polizeikräfte können die Bühne über einen tragbaren, widerstandsfähigen Labor-Computer fernsteuern, auf den das OPTIX-Erkennungssystem seine Ergebnisse direkt überträgt.

Positive Testergebnisse und verschiedene potenzielle Marktanwendungen

Der OPTIX-Prototyp wurde bereits erfolgreich in Labor- und Außenumgebungen, in simulierten Alltagssituationen und bei verschiedenen Witterungen getestet. Weitere Versuche sind geplant, um die Empfindlichkeit, Genauigkeit und Widerstandsfähigkeit des Geräts zu verbessern, bevor es europäischen Polizei- und Sicherheitskräften zur Verfügung gestellt wird. Die Markteinführung des Systems hätte zwei Vorteile: Die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger würde erhöht und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gestärkt, so dass Europa weniger auf importierte Technologie angewiesen wäre.

Abgesehen von ihrem Einsatz bei der ferngesteuerten Sprengstofferkennung bietet die vom OPTIX-Konsortium entwickelte Lasertechnologie auch interessante Einsatzmöglichkeiten in anderen Bereichen, insbesondere in der Forensik.

Um den Erfolg des Programms zu gewährleisten, wurde großer Wert darauf gelegt, die Anwender - europäische Polizei- und Sicherheitskräfte, die auf die Erkennung und Entschärfung von Sprengsätzen spezialisiert sind - aktiv miteinzubeziehen. Um ihnen die Technologie und deren Möglichkeiten vorzustellen, wurden Sitzungen mit Experten der spanischen Guardia Civil, der katalanischen Mossos d'Esquadra, der baskischen Ertzaintza sowie mit Polizeikräften aus Rumänien, Polen und Italien veranstaltet. OPTIX ist eines von zahlreichen Sicherheitsprojekten, die durch Programme für Forschung und Entwicklung der Europäischen Union gefördert werden.

Das OPTIX-Konsortium

Das OPTIX-Konsortium unter der Leitung von Indra vereint Partner aus Wissenschaft und Industrie: das schwedische Institut für Verteidigungsforschung FOI, die Unternehmen ESKSPLA (Litauen) und Avantes (Niederlande), die Technischen Universitäten Clausthal und Dortmund (Deutschland) sowie Wien (Österreich), die Universität Málaga (Spanien) und die Einheit für Sprengsatzentschärfung TEDAX der Guardia Civil in Valdemoro, Madrid, als First-Level-User und institutioneller Partner.

Hinweise für Fachzeitschriften

Das Projekt OPTIX hat sich auf die Entwicklung und den kombinierten Einsatz von zwei Technologien zur Sprengstofferkennung konzentriert:

  • LIBS-Spektroskopie: Die spektroskopische Analyse des vom laserinduzierten Plasma ausgestrahlten Lichts erlaubt die chemische Analyse des untersuchten Materials.
  • Raman-Spektroskopie: Untersuchung der unelastischen Streuung von Licht an Molekülen oder Festkörpern (Raman-Streuung) zwecks Materialcharakterisierung.

Als Teil der Projektforschung wurden Ergebnisse auch unter Einsatz der räumlich versetzten Raman-Spektroskopie (Spatially Offset Raman Spectroscopy, SORS) erzielt. Diese Variante der Raman-Spektroskopie ermöglicht die hochpräzise chemische Analyse verborgener Gegenstände und somit das Aufspüren von Sprengstoffen in blickdichten Behältern aus der Ferne.

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