Oscar-Preisträger Michael Haneke in Ö3 über seinen Korb für Brad Pitt: "Seine Anfrage hat mich einfach nicht interessiert."

Wien (OTS) - Sein Erfolg lässt ihn ungerührt. "Nur der Presserummel wurde durch den Oscar noch ein bisschen größer", sagt Filmemacher Michael Haneke heute, 21. April 2013, im Ö3-"Frühstück bei mir" und erzählt auch, warum er einen Hollywood-Superstar vor kurzem abblitzen ließ: "Brad Pitt ließ mir ein Drehbuch vorschlagen, einen adaptierten Roman, die nächste Produktion seiner Firma mit ihm in der Hauptrolle. Er wollte unbedingt, dass ich Regie führe. Aber das Thema hatte nichts mit mir zu tun und fremde Drehbücher mache ich sowieso nicht." Denn, so der Oscar-Gewinner weiter: "Was soll es für ein Privileg sein, mit Brad Pitt zu arbeiten? Ich habe nichts gegen ihn, aber ich suche einen Schauspieler nach der Rolle aus. Und amerikanische Mainstream-Filme passen sowieso nicht zu mir. Die Amerikaner wollen ein Kino der Antworten, man muss hinausgehen und die Welt muss in Ordnung sein - und das ist bei mir nie der Fall."

Haneke erzählte auch erstmals die persönliche Geschichte, die ihn zu seinem preisgekrönten Melodram "Amour" motiviert hat: "Der Anlass über das Thema nachzudenken war das Schicksal meiner Tante, bei der ich aufgewachsen bin und die ich sehr geliebt habe. Sie hatte Krebs und schrecklichen Rheumatismus und hat mich gefragt, ob ich ihr helfen könnte, sie umzubringen - sie wollte nicht mehr, doch ich habe gesagt, das könne ich nicht machen. Dann hat sie versucht, sich mit Schlaftabletten das Leben zu nehmen, doch ich habe sie gerettet. Als sie nach zwei Tagen im Spital aufgewacht ist, hat sie gesagt: 'Warum tust du mir das an?' Erst ihr zweiter Selbstmordversuch ist geglückt. Das hat mich dazu bewogen dieses Thema zu bearbeiten."

Der 71jährige Autorenfilmer, der seine Oscar-Statue in seiner Wiener Wohnung gleich neben eine Mickey Mouse Figur gestellt hat ("Oscar und Mickey Mouse kommen aus dem gleichen geistigen Bereich."), erklärte auch, dass es für ihn jetzt langsam dringend notwendig ist, ein neues Drehbuch zu schreiben: "Ich bin jetzt ein Jahr lang von Preisverleihung zu Preisverleihung herumgereist. Das ist sehr nett, aber man verdient natürlich nichts. Ich habe eine Operninszenierung gemacht, aber davon kann man nicht leben. Nur zwei Preise - der Bayrischer Filmpreis mit 10.000 Euro und ein österreichischer Geriatrie-Preis mit 5000 Euro - waren dotiert, aber sonst sind die Preise rein materiell, halt nur, was die Statue halt kostet", meinte der Gewinner eines Oscars, zwei Golden Globes und zwei Goldenen Palmen im Gespräch mit Claudia Stöckl. Luxus wäre für ihn derzeit zum Beispiel "einen Privatsekretär zu haben, der die Mühsal des Alltags von Mails bis zur Steuererklärung erledigt, aber das kann ich mir nicht leisten."

Hanekes nächster Filmstoff könnte "irgendetwas mit dem Internet zu tun haben", deutet der Österreicher mit Weltruhm an. Erfolgsdruck macht sich Michael Haneke keinen: "Mehr Erfolg als ich mit 'Amour' hatte, kann ich nicht haben, deshalb hat es keinen Sinn zu sagen:
'Ich muss jetzt den Erfolg toppen'. Ich mache einfach, was mich interessiert."

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