WHO-Tagung: In Krisen nicht bei Gesundheit sparen

Ärztekammer-Vize Steinhart: Kranke Menschen gehören versorgt - unabhängig von Konjunktur

Wien (OTS) - Die Bindung der Gesundheitsausgaben an die - zuletzt negative Wirtschaftsentwicklung stößt jetzt auch auf zunehmende Kritik internationaler Experten. Für die Regionaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Zsuzsanna Jakab, ist die Sicherung der Gesundheitsfinanzierung in Krisenzeiten besonders wichtig, weil der Bedarf an Gesundheitsleistungen rapide steigen könnte. Die Evidenz zeige, dass problematische Kürzungen im Gesundheitsbereich die Situation potenziell verschlechtern, betonte die hochrangige Expertin auf der WHO-Europa-Tagung, die kürzlich in Oslo zu Ende ging. Die konjunkturabhängige und gedeckelte Ausgabensteuerung ist bekanntlich ein zentraler Punkt der jüngst in Österreich beschlossenen Gesundheitsreform.

"Wir wissen, dass die Gesundheit der Menschen auf Wirtschaftskrisen keine Rücksicht nimmt. Im Gegenteil", stimmte der Bundeschef der niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Johannes Steinhart, der WHO-Managerin am Samstag in einer Aussendung zu. "Wirtschaftliche Depressionen führen leider oft zu menschlichen Depressionen." Existenzielle Ängste hätten schwerwiegende psychosomatische Störungen zur Folge, so der hohe Ärztevertreter. Daher sei die "ausreichende, antizyklische Finanzierung des Gesundheitssystems" in Krisenzeiten vorrangig. Sie liege im unmittelbaren Lebensinteresse der Bevölkerung, sagte Steinhart.

Grundlagen für diese Forderung liefert auch die WHO: In den von der Krise besonders stark betroffenen Ländern sind unter anderem Anstiege bei Infektionskrankheiten inklusive HIV zu beobachten. Im gesamten EU-Raum gibt es einen Anstieg von Suiziden bei Menschen unter 65 Jahren, insgesamt wird die seelische Gesundheit durch Wirtschaftskrisen besonders beeinträchtigt.

Steinhart: "Wenn die österreichische Gesundheitspolitik und -verwaltung beschließen, künftig die Gesundheitsausgaben an das Wirtschaftswachstum zu koppeln, dann muss in Zeiten schleppender oder rückgängiger Konjunktur jedem klar sein, wohin die Reise geht." Würde man die Gesundheitsausgaben an eine fallende Wirtschaftsleistung koppeln, würde das direkt in eine Mangelverwaltung führen - "und das ist einfach unsozial". Trotzdem werde in Österreich auf Sparkurs gesegelt - obwohl das Thema Gesundheit in einer aktuellen Umfrage von 94 Prozent der Befragten als sehr wichtig und von sechs Prozent als wichtig eingestuft wird. "Es geht darum, wofür das vorhandene Geld vorrangig eingesetzt werden soll. Die Politik muss sich die Frage gefallen lassen, ob der Bau von Tunnels oder die Sanierung kranker Banken wirklich wichtiger ist als die Gesundheitsversorgung", sagte der ÖÄK-Vizepräsident abschließend. (bk/ms)

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