TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel von Peter Nindler vom 19. April 2013: SVP taumelt in die Basiswahl

INNSBRUCK (OTS) - Utl: Mit dem Rückzug von LH Luis Durnwalder brechen viele Strukturen und Schwächen in der Südtiroler Volkspartei auf. Ob mit der Wahl seines Nachfolgers am Sonntag das Machtvakuum gefüllt wird und Reformen möglich sind, ist ungewiss.

Seit Jahrzehnten definiert sich die Südtiroler Volkspartei (SVP) als Sammelpartei für die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung. Das funktionierte auch: Zuerst einte der Kampf um die Autonomie gegenüber Rom die Partei, dann übernahmen die starken Landeshauptleute Silvius Magnago und Luis Durnwalder diese Aufgabe. Magnago hat die Autonomie erkämpft und den Grundstein für den Wohlstand gelegt. Luis Durnwalder führte Südtirol dann ins 21. Jahrhundert und modernisierte das Land. Doch die 24 Jahre Durnwalder haben Spuren in der SVP hinterlassen. So volksnah Durnwalder Politik auch lebt, die SVP verlor in den vergangenen Jahren die Basisnähe. Die Führung des Landes konzentrierte sich zusehends auf einige wenige, rund um den Landeshauptmann haben sich Machtzirkel und Günstlingswirtschaft aufgebaut. Mit dem Vergabeskandal um die landeseigene Energiegesellschaft SEL wurde dieses System öffentlich. Erstmals rebellierte die Basis, außerdem ließ Durnwalder seine Partei im Unklaren, ob er bei den Landtagswahlen im Herbst 2013 noch einmal kandidiert.
Mit seinem im Vorjahr angekündigten Rückzug kann die SVP aber bis heute noch nicht richtig umgehen. Einerseits benötigt es wieder eine starke Führungspersönlichkeit, die nach innen wirkt und nach außen als Signal an Rom, Innsbruck und Wien verstanden wird. Gleichzeitig steigt der Druck für eine umfassende Parteireform. Durnwalder hat es verabsäumt, einen Nachfolger aufzubauen, deshalb wurde die Basiswahl um seine Nachfolge zur Zerreißprobe. Seine Kronprinzen verstrickten sich in einem Machtkampf, Durnwalder hat erste Reihe fußfrei zugesehen. Entnervt nahm sich Parteichef Richard Theiner schließlich selbst aus dem Rennen.
Aus dem Duell zwischen Gemeindeverbandspräsident Arno Kompatscher und Ex-SVP-Chef Elmar Pichler Rolle wird zwar Sonntag ein Spitzenkandidat hervorgehen, aber wohin die Partei dann geht, weiß derzeit niemand. Kompatscher dürfte das Rennen machen. Ob dem nahezu unerfahrenen Landespolitiker allerdings die SVP geschlossen folgt, ist ungewiss. Weil die Sammelpartei ein Führungsvakuum erfasst hat, machen bereits Abspaltungsgerüchte die Runde.
Es sind die von der Partei(-Spitze) Enttäuschten, die sich jetzt sammeln. Doch nicht in der Sammelpartei, sondern außerhalb. Die Anleitung dazu könnte von der Tiroler ÖVP stammen, die SVP scheint sie offenbar genau gelesen zu haben.

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