Vielen damaligen Heimkindern geschah großes Unrecht

Steidl präsentierte Studienergebnisse zur Jugendwohlfahrt nach 1945: Land Salzburg stellt sich seiner Verantwortung

Salzburg (OTS) - Die Forschungsergebnisse der historisch-wissenschaftlichen Aufarbeitung der Salzburger Jugendwohlfahrt nach 1945 präsentierte heute, Mittwoch, 17. April, Sozialreferent LH-Stv. Walter Steidl bei einem gemeinsamen Informationsgespräch mit den Historikerinnen Univ.-Prof. Dr. Ingrid Bauer und Mag. Christina Kubek sowie Historiker Univ.-Prof. Dr. Robert Hoffmann. Bei dieser 472 Seiten starken Forschungsarbeit, die auch in Buchform erschienen ist, handelt es sich um eine der ersten Aufarbeitungen durch unabhängige Wissenschafter in einem Bundesland. Den Auftrag dazu erteilte das Land Salzburg im Herbst 2010.

Steidl: "Es tut uns leid."

"Viele der damaligen Heimkinder mussten in den Heimen der Jugendwohlfahrt schreckliche Dinge erleben. Unter den Auswirkungen dieses Unrechts leiden viele noch heute. Ich möchte mich im Namen des Landes Salzburg in aller Form bei den Betroffenen entschuldigen und ihnen mein aufrichtiges Bedauern aussprechen. Kinder verdienen die beste Form der Betreuung und Fürsorge. Viele Methoden der Erziehung von damals haben mit zeitgemäßer Pädagogik überhaupt nichts zu tun und sind auf das Schärfste zu verurteilen", erklärte Steidl.

Schwerpunkte der Studie

Univ.-Prof. Dr. Ingrid Bauer, Univ.-Prof. Dr. Robert Hoffmann und Mag. Christina Kubek von der Universität Salzburg stellen mit ihrer Forschungsarbeit die Sicht der Betroffenen in den Mittelpunkt. Dafür führten sie u.a. mehr als 20 Interviews mit ehemaligen Heimkindern.

Außerdem durchleuchteten sie die Rolle der Heimerziehung in der Salzburger Jugendwohlfahrt. Diese wies in der Zeit nach 1945 - im Gegensatz zu anderen Bundesländern - das Spezifikum auf, nur in geringem Ausmaß über Unterbringungsmöglichkeiten, also eigene Heime, zu verfügen. Deshalb wurden viele Salzburger Kinder in Heime anderer Bundesländer oder in Einrichtungen, die unter kirchlicher Trägerschaft gestanden sind, geschickt.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Aufarbeitung der Salzburger Heim-Geschichte ist die medizinisch-pädagogische Beurteilung. Hier legten die Historiker ein besonderes Augenmerk auf das Heilpädagogische Institut, welchem in der damaligen Zeit innerhalb der Jugendwohlfahrt eine große Bedeutung zukam.

"Heute gibt es in Salzburg kein einziges Heim mehr. Salzburg modernisierte ab den späten 1970er-Jahren sein Jugendfürsorge-Modell und setzt heute auf sozialpädagogische Wohngemeinschaften, in denen je acht Kinder und Jugendliche von geschulten und ausgebildeten Betreuern bzw. Betreuerinnen begleitet werden. Innerhalb der vergangenen acht Jahre stieg das Budget der Jugendwohlfahrt von 20 Millionen Euro auf 30 Millionen Euro an. 2011 kamen zwei neue Wohngemeinschaften und heuer kommen drei neue dazu", so Steidl.

Entschädigung und Aufarbeitung der eigenen Biografie

Für die Betroffenen von damals richtete das Land im Herbst 2010 eine Anlaufstelle ein. Bei dieser meldeten sich insgesamt 65 Personen. In 15 Fällen hat das Land bereits 203.470 Euro an Entschädigung ausbezahlt. Derzeit läuft gerade die Freigabe von weiteren 61.500 Euro für fünf Betroffene. In diesen beiden Summen sind auch die Kosten für Psychotherapien inkludiert. "Da, wo das Land Schuld auf sich geladen hat, stellt es sich seiner Geschichte und versucht, durch eine freiwillige Entschädigung zumindest einen kleinen Teil seiner Fehler wieder gutzumachen", erklärte der Sozialreferent.

"Deswegen werde ich auch veranlassen, dass jene Betroffenen, die für die Aufarbeitung ihrer eigenen Biografie Einsicht in ihren Akt nehmen wollen, diese auch erhalten. Dabei sollen sie jedenfalls psychologisch begleitet und unterstützt werden."

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