Auf der Suche nach der verlorenen Nachfrage.

Weltweiter Branchenausblick: 1. Halbjahr 2013

Wien (OTS) - PRISMA Kreditversicherung und der weltweit führende Kreditversicherer Euler Hermes veröffentlichen den aktuellen Branchenausblick.

2013 werden die Überkapazitäten in China, die schwache Rentabilität in Europa und der weltweite Schuldenabbau die Risiken im Kreditmanagement beeinflussen.

"Mit einem echten Seufzer der Erleichterung sagen manche, dass die Krise vorbei ist, die Eurozone weiter besteht und sich die Märkte langsam erholen", erklärt Ludwig Mertes, Vorstand der PRISMA Kreditversicherung. "So einfach ist es leider aus unserer Sicht nicht. Rohstoff-, Finanz- und Staatsschuldenkrise drücken immer noch auf die Dynamik vieler Industriebranchen und beschädigtes Vertrauen ist nicht so schnell wett zu machen."

Dazu kommt etwas, das sich mangels Daten schwer nachweisen lässt und trotzdem bereits das Weltwirtschaftsforum beschäftigt: Wo ist die Nachfrage heute? Woher kommt sie und wonach sucht sie? Die Generation Y will nicht unbedingt ein Auto und ein Haus kaufen, sondern setzt auf Reisen und Kommunikation. Und was wünschen sich die neuen Mittelschichten in den Schwellenländern? Potentiale und Märkte verschieben sich und die passenden Unternehmensstrategien müssen erst entwickelt werden.

In Europa hakt es in viel zu vielen Branchen. Der Rückgang der Nachfrage von privaten Haushalten und Unternehmen in Südeuropa wirkt sich nach und nach auf die Wirtschaft der ganzen Region aus. Betroffen sind vor allem die Bauwirtschaft (insbesondere in Spanien, Italien, Frankreich und Großbritannien), der Einzelhandel und die Automobilindustrie. Folglich leidet auch die Stahlindustrie unter der Schwäche der Hauptabnehmerbranchen Bauwirtschaft und Autoindustrie.

Im Gegensatz zu Unternehmen, die auf den Inlandsmarkt angewiesen sind, profitieren internationale Konzerne vom Wachstum der Weltwirtschaft und können die schwache Konjunktur in Europa kompensieren. Positiv entwickeln sich derzeit die Chemiebranche und weiterhin die Autozuliefererindustrie, die Pharmazie und die Luftfahrtindustrie.

Die USA haben die Trendwende geschafft. Die Automobilbranche verzeichnete 2012 einen Aufschwung von 12%, wovon die Stahlindustrie und die Autozulieferer profitieren konnten. Positive Zahlen zeigen sich auch im Elektroniksektor, im Einzelhandel und in der Luftfahrtindustrie. Der einzige Wermutstropfen ist die zaghafte Erholung der Bauwirtschaft.

Die Schwellenländer profitieren u.a. von der Nachfrage Chinas, der Zinssenkung in Indien, den Infrastrukturprogrammen für die Fußball WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien. Vielversprechend sind hier die Entwicklungen der Bauwirtschaft, der Infrastruktur und des Einzelhandels. China leidet aber unter der Konkurrenz aus anderen Entwicklungsländern im Textil- und Bekleidungssektor. Aus diesem Grund konzentriert man sich hier auf eine Branche mit mehr Wertschöpfung: die Luftfahrtindustrie.

Einzelne Branchen im Überblick

Lebensmittel: Anhaltende Turbulenzen

Während sich 2012 die steigenden Rohstoffpreise auf die Produktionskosten und Margen ausgewirkt haben, wird 2013 die Weltproduktion um 3% zunehmen. Unterstützt wird die Zunahme durch Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum und stabile Rohstoffpreise.

Die US-Märkte werden mit Produktinnovationen und/oder Optimierungen des Geschäftsmodells den mäßigen Wachstumsaussichten entgegentreten. Die immer rascheren Veränderungen in der Nachfrage werden fast mit Sicherheit zu Strukturverschiebungen in der gesamten Branche führen. Der Expansionsdrang von Herstellern in Fernost demonstriert die Wachstumsvorhaben der Schwellenländer. Sie wollen sich ein immer größeres Stück vom Kuchen des weltweiten Nahrungsmittel- und Getränkegeschäftes sichern.

Pharmazie: Eine gesunde Branche

Der weltweite Pharmamarkt, der 2012 rund 930 Mrd. US-Dollar umsetzte, hat sich auch in einem turbulenten wirtschaftlichen Umfeld als widerstandsfähig erwiesen. Gründe sind die steigende Nachfrage nach Pharmazeutika in den Schwellenländern und die steigende Lebenserwartung in reichen Ländern. Problemzone ist die wachsende Konkurrenz von Generika-Herstellern und den auslaufenden Patenten für Kassenschlager (Medikamente mit jährlichem Umsatz von mehr als einer Mrd. Dollar). Hinzu kommt noch, dass die Regulierungsbehörden jedes Jahr die Kriterien für die Zulassung neuer Arzneimittel verschärfen.

In den USA konnten durch die Gesundheitsreform "Affordable Health" zusätzlich 40 Millionen bisher unversicherter US-Bürger Zugang zur Gesundheitsversorgung erhalten. Allerdings ist die Pharmabranche nun zu umfangreichen Preissenkungen verpflichtet, die sich im Jahr 2013 auf drei Mrd. US-Dollar summieren werden. Die Rentabilität kann nur durch Kostensenkungen, Fusionen oder Reduktionen des Verkaufsteams für Medikamente aufrechterhalten werden. In den Schwellenländern konzentriert sich die Pharmaindustrie weiterhin auf Absatzbemühungen.

Autozuliefererindustrie: Anpassung an regionale Trends

Die Veränderungen der PKW-Produktion in den Jahren 2007-2012 (-55% in Italien, +145% in China) zeigen deutlich die Wichtigkeit der raschen Kostenanpassung in den regionalen Märkten. Die Kosten müssen in Gebieten mit rückläufigem Absatz reduziert werden. In Regionen mit hohem Wachstum soll durch effektives Investitionsmanagement die Expansion vorangetrieben werden. Auch die neuen Herausforderungen, wie z.B. CO2-neutrale Produkte, wurden von den Herstellern erfolgreich angenommen und stärken die Verhandlungsposition gegenüber den Kunden.

Weltweit ist die Lage der Autozulieferindustrie ins Stocken geraten. In Europa und Japan kämpft sie mit Absatzrückgängen. Auch in den Schwellenländern geriet die starke Expansion des Sektors ins Stottern, insbesondere in Indien. Der AMP (Automotive Mission Plan) der indischen Regierung mit dem Ziel 2016 einen Umsatz von 145 Mrd. US-Dollar oder 10% des BIP zu erwirtschaften, kann nach derzeitigen Einschätzungen erst ein Jahrzehnt später erreicht werden. Anders sieht die Lage in den USA aus. Hier gibt es einen signifikanten Aufschwung im nordamerikanischen Automobilmarkt, welcher der gesamten Branche nutzt. Dieser Aufwärtstrend bleibt auch 2013 bestehen. Aus diesem Grund sind bereits neue Standorte geplant, die 44.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Innovations- und Kommunikationstechnologien: Mobilgeschäft auf Wolke sieben

2012 hatte der Weltmarkt für Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) ein Volumen von 3.200 Mrd. US-Dollar und setzt sich überwiegend aus Dienstleistungen zusammen (58%). Hardware-Hersteller stehen an vorderster Front der Innovation und bereiten fruchtbaren Boden für die Expansion von Dienstleistungen. 2013 ist die Einführung und Anwendung von 4G-Technologien das Hauptereignis.

In Europa hatte die IKT-Branche ein Wachstum von 1,5%, verlor jedoch weltweit an Marktanteil. Dieser Trend wird sich 2013 fortsetzen. Die Wachstumstreiber sind vor allem Smartphones und Tablet-Computer. In Nordamerika hingegen beträgt die Wachstumsrate 4%, und liegt damit doppelt so hoch wie in Europa. 23% aller "Connect Devices" (internetfähige Geräte) stammen aus dieser Region und 9 der 15 größten IKT Firmen der Welt sind US-Unternehmen. Die Schwellenländer sind in der Produktion führend vertreten.

Chemie: Gerüstet für schwierige Zeiten

Mit einem geschätzten Umsatz von 3.000 Mrd. US-Dollar (ohne Pharmaprodukte) verzeichnete die weltweite Chemieindustrie gemischte Ergebnisse. Die Chemieproduktion litt unter der rückläufigen Dynamik der Industrie in Asien, der Wirtschaftskrise im südlichen Europa und den Marktentwicklungen in den USA. Die Nachfrage des expandierenden globalen Agrarsektors sorgte hingegen für steigenden Absatz.

In Europa ist die Chemieindustrie auch von den Schwierigkeiten der zwei wichtigsten Abnehmerbranchen (Bau und Automobil) betroffen. Anders sieht es in den USA aus. Hier profitiert man von wachsender Nachfrage seitens der Automobilbranche und von den indirekten Effekten der "Schiefergas-Revolution". Durch eine neue Fördertechnik ist Ethan heute nirgendwo so billig wie in den USA. Asien ist von diesen Erfolgen weit entfernt, profitiert aber von der anhaltenden Expansion ihrer Abnehmerbranchen.

Bauwirtschaft: Konjunkturabhängigkeit verursacht Kettenreaktion

Die Entwicklung der Bauwirtschaft ist abhängig von der gesamtwirtschaftlichen Konjunktur und demographischen Veränderungen. Die Probleme des internationalen Handels haben die Bauwirtschaft in einer Art Kettenreaktion stark belastet. In Summe konnte jedoch 2012 der weltweite Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 2,5% auf rund 9.100 Mrd. US-Dollar gesteigert werden. Die zukünftige Entwicklung wird länderspezifisch unterschiedlich sein und davon abhängen, wie stark die Impulse einer Krisenerholung sind.

Die Bauwirtschaft in Europa steckt nach wie vor in Schwierigkeiten. Das Pulver der Konjunkturprogramme ist verschossen und das Geschäftsvolumen mangels Investoren rückläufig. Besonders Spanien hat es hart getroffen. Es gibt derzeit einen Bestand von 650.000 unverkauften Eigenheimen, obwohl die Preise um 30% gesunken sind. In den USA hingegen, sind erste Anzeichen der Besserung zu bemerken. Die Zahl der unverkauften Eigenheime hat das langfristige Durchschnittsniveau erreicht und die Preise haben sich stabilisiert. Diese Trendwende hat bereits zu einem Anstieg der Rohmaterialpreise, insbesondere von Holz (+47% in 2012) geführt.

Luftverkehr: Gegenläufige Trends

Nach Angaben der IATA, der International Air Transport Association, erzielte die weltweite Luftfahrt 2012 ein Umsatzplus von 6% (632 Mrd. US-Dollar). Die Gewinne der Branche hielten sich aufgrund der hohen Treibstoffpreise, die nur wenig unter dem Rekordniveau lagen, in Grenzen (6,7 Mrd. US-Dollar). Generell ist die Entwicklung der Luftfahrt weiterhin stark von regionalen Faktoren bestimmt.

In Europa wurden aufgrund der roten Zahlen 2012 signifikante Initiativen zur Kosteneinsparung und Produktivitätssteigerung umgesetzt, z.B. strategische Neuausrichtungen und eine verstärkte Kooperation mit Fluglinien aus den Golfstaaten. Trotzdem stehen mittelgroße Fluglinien noch immer vor der Entscheidung: Auflösung des Unternehmens oder Übernahme durch einen Mitbewerber. In den USA wird hingegen eine stabile Performance für 2013 erwartet und die asiatischen etablierten Fluglinien erwarten sich eine Verbesserung der Ergebnisse und weitere Fortschritte bei der Neuausrichtung der Geschäftsmodelle (Ausbau von Billigangeboten, Zusammenarbeit mit Golf-Linien).

PRISMA Kreditversicherungs-AG wurde 1989 gegründet. 2012 erzielte PRISMA 69 Mio. Euro Umsatz und ist Marktführer in Österreich. PRISMA ist zu 100% Tochter der OeKB EH Beteiligungs- und Management AG. Die Oesterreichische Kontrollbank AG hält 51% der Managementholding, 49% hält die Euler Hermes Deutschland AG, Hamburg. Die Euler Hermes Gruppe, mit Sitz in Paris, ist Weltmarktführer in der Kreditversicherung und gehört zum Allianz-Konzern.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Melitta Schabauer, Pressesprecherin der PRISMA Kreditversicherungs-AG
Tel +43 (0)5 01 02-1410, mobil: +43/664 80102 1410
E-Mail: m.schabauer@prisma-kredit.com

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