TIROLER TAGESZEITUNG - Leitartikel vom 17. April 2013 von Peter Nindler - Der Almkommissar soll s richten

INNSBRUCK (OTS) - uTL:.Zu lange wurde die Problematik um die Almfutterflächen kleingeredet. Jetzt hilft nur noch eine politische Feuerwehr aktion, um das agrarische Versagen auf allen Ebenen zu korrigieren und Almbauern die Existenzbedrohung zu nehmen.

Dass die rund 10.000 Tiroler Alm bauern sauer sind und auf die Barrikaden gehen, ist nachvollziehbar. Ihnen drohen Förder-Rückzahlungen und Strafsanktionen von rund 20 Millionen Euro, obwohl sie keine Schuld trifft. Die Bauern sind nämlich das schwächste Glied in einer mittlerweile unübersichtlichen Kette von Berechnungen und Einstufungen der Almen. Letztere haben aber nicht die Landwirte, sondern die Landwirtschaftskammern im Auftrag der Agrarmarkt Austria/AMA vorgenommen. Die Bauern treiben lediglich ihre 32.200 Rinder jährlich auf die Almen auf. Dafür erhalten sie Almförderungen, deren Basis die vorhandene Futterfläche ist. Und daran spießt es sich, aber eben nicht erst seit 2013.
Denn seit Jahren sind die Probleme mit den Einstufungen der Futterflächen bekannt, die seit einem Bericht des Europäischen Rechnungshofs unter besonderer Beobachtung stehen. Schließlich stimmten die kontrollierten Almen bei Vor-Ort-Kontrollen in Salzburg und der Steiermark nicht mit den vorgenommenen Einstufungen in den Förderanträgen überein. Österreich musste handeln. Doch offensichtlich waren Landwirtschaftsministerium und die bäuerliche Interessenvertretung nicht in der Lage, ein transparentes und nachvollziehbares Berechnungssystem anzuwenden. Immer wieder wurde es geändert, aus dem berühmten Almleitfaden wurde ein nicht zu entwirrendes Berechnungsknäuel.
Nur so ist es möglich, dass bei einer Alm im Unterland die 2004 anerkannte Almfutter fläche von 130 Hektar vor drei Jahren auf 86,24 Hektar reduziert wurde und nach der jüngsten Kontrolle der Luftbilder durch die AMA nur noch 27,7 Hektar betragen soll. Wie ein Damoklesschwert hängen Rückforderungen, ein Förderungsstopp und Strafen über der Almbesitzerin.
Jetzt soll der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler Feuerwehr auf den Almen spielen. Er hat politisches Gewicht. Nach wie vor in Brüssel, aber vor allem in Österreich bzw. Tirol. Der Almkommissar ist ein Glücksfall für die Bauern, gleichzeitig jedoch eine agrarpolitische Watsch n für Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich, die Agrarmarkt Austria und die mächtige Landwirtschaftskammer. Für die Bauern und den ÖVP-Bauernbund ist es nämlich fünf vor zwölf. Zu lange wurde die Almfutterproblematik kleingeredet, jetzt wollen die betroffenen 10.000 Almbauern in Tirol nicht mehr stillhalten.
In erster Linie geht es um ihre Existenz, in weiterer Folge auch um eine gepflegte Kulturlandschaft. Damit wirbt schließlich der Tourismus Jahr für Jahr in Österreich und in Tirol.

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