"Global 2000 und Greenpeace berichten selektiv und verfälschend"

IndustrieGruppe Pflanzenschutz kritisiert Aussagen als pseudo-wissenschaftliche Kampagne - "Hilft weder Bienen noch Bauern"

Wien (OTS/PWK233) - Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz im Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (IGP) kritisiert die Kampagne von Greenpeace und Global 2000 als "pseudo-wissenschaftlich". Die Studie "Bye bye Biene?" und die begleitende Pressemitteilung zielen nach Auffassung der IGP nicht auf Erkenntnisgewinn. In dem Papier werden selektiv einzelne Studien aufgegriffen, die im Labor oder unter ähnlich wirklichkeitsfernen Bedingungen durchgeführt worden waren, ohne die vorliegenden Monitorings aus der landwirtschaftlichen Praxis zu berücksichtigen bzw. korrekt zu bewerten. Diese zeigen nämlich, dass Insektizide von den Landwirten ohne unvertretbare Risiken für Bienen eingesetzt werden.

Die IGP, die Saatgutwirtschaft und die Landwirte haben in den letzten Jahren umfassende Maßnahmen zum Schutz der Bienen gesetzt. So wurde ein Qualitätsmanagement zur Sicherung einer hohen Beizqualität eingeführt. Landwirte halten Auflagen zum Umgang mit gebeiztem Saatgut ein und haben in die Umrüstung von Sägeräten für mehr Bienensicherheit mehr als 1 Mio. Euro investiert.

Die oft zitierte Studie Melissa und das Bienenmonitoring 2012 der AGES haben in den letzten Jahren einen deutlichen Rückgang von Bienenschäden im Zusammenhang mit Insektiziden aus der Landwirtschaft verzeichnet. Dazu muss noch ein weiteres Detail erwähnt werden. Als "Schaden" wurden alle Völker eingestuft, in welchen auch nur in wenigen Bienen ein positiver Wirkstoffnachweis möglich war. Imker haben aber auch berichtet, dass in ihren Fällen nur sehr wenige Flugbienen betroffen waren und kein Einfluss auf Volksentwicklung, Honigertrag und Überwinterung der Völker zu verzeichnen war.

Während im Jahr 2012 noch 405 Bienenvölker als "geschädigt" eingestuft wurden, haben etwa 100.000 Völker den Winter 2011/2012 nicht überlebt. Die Völker sind vollständig abgestorben. Diese Zahl darf nicht den Insektiziden zugeordnet werden. Wissenschaftler sind sich einig, dass dafür in erster Linie die Varroa-Milbe (bedeutendster Bienen-Parasit) verantwortlich ist.

Wäre Global 2000 und Greenpeace tatsächlich an der Zukunft der Bienen gelegen, so sollte man wohl Engagement für effektive Varroabekämpfung erwarten können. Stattdessen wird versucht die Schäden durch Varroa auch der Landwirtschaft zuzuschieben.

Dabei sind Imker und Landwirte in einer ähnlichen Situation. Beide haben es mit einem eingewanderten Schädling zu tun, gegen den es keine natürlichen Feinde gibt. So wie Imker wirksame Methoden zur Bekämpfung der Varroa benötigen, so brauchen auch Landwirte geeignete Strategien zum Schutz vor dem Maiswurzelbohrer. Gegen diesen Schädling wird von Global 2000 gerne die Fruchtfolge als ausreichend wirksame Bekämpfungsmöglichkeit genannt. Tatsache ist, dass bei Umsetzung dieser Forderung das Einkommen von kleineren Landwirten mit Viehhaltung massiv betroffen wäre und sich der Strukturwandel zu größeren Betrieben in der Landwirtschaft wesentlich beschleunigen würde.

Ein Blick auf das Varroa-freie Land Australien zeigt deutlich:
Obwohl Neonikotinoide intensiv eingesetzt werden, gibt es keine auffälligen Bienenverluste.

Auch vor verfälschender Darstellung der Quellen schreckt beispielsweise Greenpeace nicht zurück. So wird behauptet, eine kürzlich veröffentlichte Feldstudie habe gezeigt, dass Bienen nach Aufnahme von Pollen und Nektar mit Pflanzenschutzmittel-Rückständen den Weg zurück in den Bienenstock nicht finden konnten. Tatsächlich wurden die Bienen für die Studie (Henry et al. 2012) in einem Experiment mit einer Zuckerlösung zwangsernährt, die unrealistisch überhöhte Konzentrationen von Pflanzenschutzmitteln enthielt. Dass überhöhte Konzentrationen zu Orientierungsproblemen bei Bienen führen können, ist seit über zehn Jahren bekannt - aber bedeutungslos, weil diese Konzentrationen im Freiland nicht auftreten.
Greenpeace und Global 2000 machen es sich mit dem Ruf nach einem pauschalen Verbot leicht. Der Landwirtschaft würde massiver Schaden zugefügt und den Imkern würde es wenig nützen, weil Bienen an Varroa weiterhin massenhaft zugrunde gehen werden.

Auch Studien in anderen Ländern, die nicht im Labor theoretische Gefährdungen betrachten, sondern sich in Feldversuchen mit den tatsächlichen Lebensbedingungen von Bestäubern befassen, zeigen ein anderes Bild, als Greenpeace und Global 2000 glauben machen wollen. Die staatliche britische Forschungseinrichtung FERA (Food and Environment Research Agency) hatte vergangene Woche dazu eine neue Studie veröffentlicht. Bei einem Feldversuch an Hummeln hatten die Wissenschaftler keine Schädigung der Bestäuber durch Insektizide aus der Gruppe der Neonikotinoide feststellen können. Die Wissenschaftler betonten, dass eine Wiederholung der Studie mit variierenden Parametern, wie Temperatur und Nahrungsangebot, empfehlenswert ist, für ihre eigene Arbeit stellen sie fest: "Die Studie hat jedoch gezeigt, dass die Hummelvölker beim Einsatz von Neonikotinoiden unter Feldbedingungen wachstumsfähig und produktiv blieben."

Während Global 2000 und Greenpeace sich nicht um das eigentliche Problem der Imker kümmern, sind einige Mitglieder des IndustrieGruppe Pflanzenschutz auf mehreren Ebenen aktiv.

So werden in Österreich weltweit erstmals für den Maisanbau 2012 sogenannte Air Washer als Zusatzausstattung zu Sägeräten eingesetzt. Diese erhöhen die Sicherheit bei der Aussaat noch weiter. Darüber hinaus werden in Zusammenarbeit mit Imkerverbänden Bekämpfungskonzepte gegen Varroa weiterentwickelt. Mit diesen Initiativen wird sowohl Imkern geholfen, deren Bienenverluste zu vermeiden und Landwirten weiterhin ihre Kulturen wirksam vor Schädlingen schützen zu können. (US)

Zur Recherche:

IndustrieGruppe Pflanzenschutz im Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs

Die FERA-Studie steht im Internet zum Download zur Verfügung (PDF, engl.)

Die Quelle zu der Laborstudie von Henry et al. 2012, die Greenpeace als "Feldversuch" umdefiniert (engl.)

Kommentar der EFSA u.a. zur Studie von Henry et al. 2012

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DI Rudolf Purkhauser / IGP
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