FWF-Jahrespressekonferenz: "Wer stehen bleibt, fällt zurück"

Wien (OTS) - Für das Jahr 2012 kann der FWF beim Bewilligungsvolumen auf einen neuen Höchststand von 196,4 Mio. Euro verweisen, muss aber gleichzeitig eine weitere Steigerung des Wettbewerbsdrucks vermelden. Weniger als jeder vierte beantragte Euro konnte bewilligt werden. Diese Entwicklung ist dem anhaltend hohen Antragswachstum bei real sinkenden FWF-Budgetzahlen geschuldet.

Bei der diesjährigen Jahrespressekonferenz des Wissenschaftsfonds FWF resümierten heute Präsident Christoph Kratky und Geschäftsführerin Dorothea Sturn über die Entwicklung des FWF in den letzten Jahren und erörterten künftige Perspektiven.

Bewilligungen und steigende Nachfrage

Seit etwa 2002 entwickelt sich das Antragsvolumen beim Wissenschaftsfonds deutlich dynamischer als sein Bewilligungswachstum. Das Jahr 2012 bildet hier keine Ausnahme. Hatte das Antragsvolumen im Vorjahr 646,1 Mio. Euro betragen, so stieg dieser Wert im Berichtszeitraum um 30,6 Mio. auf 676,7 Mio. Euro. Das Bewilligungsvolumen konnte dem gegenüber nur um 1,2 Mio. Euro zulegen. FWF-Mittel für die Realisierung von Grundlagenforschungsprojekten sind so gefragt wie niemals zuvor. Diese an sich erfreuliche Dynamik hat zur Konsequenz, dass die Bewilligungsquote über alle FWF-Programme mit 24,2 % niedriger ist als im Krisenjahr 2009. Der aus der Scientific Community genährten Nachfrage nach qualitätsgesicherten Projektmitteln steht ein zunehmend unter Druck befindliches (Programm-)Angebot gegenüber.

Erfreulich entwickelt sich seit Wiedereinführung die Abgeltung der Overheadkosten bei den Einzelprojekten und beim Programm zur Entwicklung und Erschließung der Künste (PEEK): Im Jahr 2012 stehen mit 5,6 Mio. Euro um 4,3 Mio. mehr für das österreichische Grundlagenforschungssystem zur Verfügung als im Vorjahr. Dieser Betrag ist nicht Bestandteil des FWF-Bewilligungsvolumens, sondern kommt gleichsam "on-top" dazu.

Grundlagenforschung in Österreich wird erfreulicherweise zunehmend international. Auf institutioneller Seite tragen Neugründungen und Ausbaumaßnahmen, die in den letzten Jahren vorgenommen wurden, dazu bei, dass vermehrt Spitzenforschung "made in Austria" betrieben wird. In diesen Strukturen arbeiten Wissenschafterinnen und Wissenschafter, die auf Forschungsfinanzierungssysteme vertrauen, für die der FWF steht. Für die Leistungsfähigkeit des österreichischen Systems wäre es deshalb zuträglich, transparente, qualitätsorientierte Vergabeformen - Marke FWF - zu stärken. Eine andere als diese Perspektive wäre kontraproduktiv und widerspräche den Inhalten der im Frühjahr 2011 präsentierten FTI-Strategie der Bundesregierung, den Anteil öffentlicher Mittel, die im Zuge wettbewerblicher Verfahren in das Forschungssystem fließen, auszubauen.

FWF als Kaderschmiede

Der FWF kann auf einen neuen Höchststand bei Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeitern verweisen, die aus FWF-Mitteln an den Forschungsträgereinrichtungen - insbesondere an den heimischen Universitäten - angestellt sind. Per 31.12.2012 hatte der FWF mehr als 3.800 Personen, darunter rund 43 Prozent Frauen, auf seiner "Payroll".

Etwa 80 Prozent der vom FWF bereitgestellten Mittel werden für die Anstellung überwiegend junger Wissenschafterinnen und Wissenschafter eingesetzt.

Anspruch und Realität

Den in der FTI-Strategie genannten konkreten Zielen ist man im Jahr 2012 keineswegs näher gekommen, im Gegenteil: Es konnten weder die Abgeltung von Overheadkosten für alle FWF-Programme eingeführt werden, noch gab es eine Erhöhung des kompetitiven Anteils der Universitätenfinanzierung. Bei anhaltend hoher Nachfrage wird der FWF nicht in der Lage sein, in seinen Programmen die ohnedies bereits geringen Bewilligungsquoten zu halten. "Dem hohen Antragsdruck wird gegenwärtig nicht durch entsprechende Budgeterhöhungen Rechnung getragen. Nötig wäre ein langfristig gesicherter Budgetpfad für den FWF in der Größenordnung einer zehnprozentigen Steigerung pro Jahr, und damit eine Rückkehr zu jenem Wachstumspfad, den das FWF-Budget in der Zeit bis 2008 im Durchschnitt aufwies", so Christoph Kratky im Zuge der Pressekonferenz.

"Wollte man zusätzliche, innovative Impulse, wie etwa die Etablierung von Exzellenzcluster seitens der Politik unverzüglich setzen, so müsste man seriöserweise sicherstellen, dass zuvor zwei Grundvoraussetzungen erfüllt sind: Erstens, ein nachfragegerechtes FWF-Grundbudget und zweitens, die flächendeckende Abgeltung von Overheadkosten in allen Programmen", ergänzte Dorothea Sturn, Geschäftsführerin des Wissenschaftsfonds.

Strukturelles Budgetproblem angehen

Neben seiner unzureichenden Höhe leidet das FWF-Budget zusätzlich an einem strukturellen Problem: Weniger als die Hälfte des Budgets, welches das BMWF dem Wissenschaftsfonds zur Verfügung stellt, stammt aus dem entsprechenden Ansatz des Bundesvoranschlags. Der größere Rest muss aus unterschiedlichen Sonder- und Offensivmittel bzw. durch Ressort-interne Umschichtungen Jahr für Jahr aufs Neue "zusammengekratzt" werden. "Es ist offensichtlich, dass dieser Umstand der langfristigen Perspektive des FWF-Budgets abträglich ist", kommentierte Christoph Kratky.

Für Wissenschafterinnen und Wissenschafter, die nach internationalen Maßstäben höchste Ansprüche an ihre Forschungsarbeit stellen, sind stabile, mit einer klaren Wachstumsperspektive versehene Rahmenbedingungen von essenzieller Bedeutung für individuelle Standortentscheidungen. Finanziell gut aufgestellte Forschungsförderungseinrichtungen, die nach fairen, wettbewerblichen Prinzipien Projektmittel vergeben, gehören an vorderster Stelle zu diesen Rahmenbedingungen. Einen starken Wissenschaftsfonds zu haben, sollte sich Österreich auf jeden Fall leisten können.

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