Offener Brief an Frau Bundesministerin Bures zur ungelösten Fluglärmproblematik

Privatveranstaltungen des Flughafens kein Ersatz für vernünftigen Dialog mit der Bevölkerung

Wien (OTS) - Sehr geehrte Frau Bundesministerin Bures,

in unserem letzten Mail vom 12.7.12 haben wir bereits ausgeführt, dass die Einsparungen durch das Überfliegen des dicht besiedelten Liesing gegenüber dem großräumigen Umfliegen der Siedlungsachsen nur 1/10 bis 1/100 der Gesundheitskosten ausmachen. Basis dieser Betrachtung ist der Flugroutenvorschlag der BI-Liesing.

Dazu wurde auch seitens Herrn Woborsky von der Austro Control bei unserer gemeinsamen Besprechung mit Ihnen bekannt gegeben, dass er diesen Vorschlag auch im Dialogforum einbringen möchte.

Im vorläufigen Protokoll der Bezirkskonferenz Gänserndorf des Dialogforums der Flughafen Wien AG (ab Seite 7f Pkt. K) ist nachzulesen, wie dieser Vorschlag von der Austro Control und anderen jedoch derart falsch interpretiert wird, dass sich - wohl zur Location passend - für den Bezirk Gänserndorf eine Mehrbelastung ergibt, womit wieder einmal Floriani unterstellt wird.

Verschwiegen wird dabei allerdings, dass das Konzept der BI-Liesing ein Umfliegen der Siedlungsachsen im Norden wie auch im Süden vorsieht, womit die Anzahl der Betroffenen insgesamt drastisch minimiert wird. Das gilt auch für den Bezirk Gänserndorf, wo mehr Starts über weitgehend unbesiedeltes Gebiet zwangsläufig zu weniger Landungen über dicht besiedeltem Gebiet (Großenzersdorf) führen sollten.

Davon abgesehen ist auch die Frage zu stellen, ob nicht derjenige das Florianiprinzip vertritt, der meint, dass es ausreiche, ein Forum zur Verfügung zu stellen, in dem die Betroffenen darüber streiten dürfen, wer die negativen Auswirkungen der Ausweitung seines Geschäftes zu tragen hat.

Weiters ist im oben angeführten Protokoll auf Seite 8 im 2. Absatz nachzulesen, dass im Dialogforum in Abrede gestellt wird, dass es sich beim Marchfeld um weitgehend unbebautes Gebiet handelt. Die Nichtnachvollziehbarkeit dieser Aussage wird in ihrer Dramaturgie nur noch durch die Behauptung von Herrn Woborsky gesteigert, dass der Vorschlag, die Siedlungsachsen großräumig zu umfliegen, den sofortigen Tod von AUA und FlyNiki bedeuten würde. Basis ist wohl die unzulässig vereinfachte Darstellung eines Konzeptes, welche im Grunde nur die konsequente Umsetzung des auch bereits jetzt in den Luftverkehrsregeln zu findenden Schutzes dicht besiedelten Gebiets darstellt.

Dazu ist es auch interessant zu wissen, dass die derzeitigen Flugrouten auch von der Austro Control mit Lärmmesswerten verteidigt werden, die systematisch unvollständig sind und daher alleine schon deshalb völlig ungeeignet sind, die tatsächliche Betroffenheit wiederzugeben. Dieses Thema haben wir in unserem Mail vom 15.4.2012 umfassend dokumentiert. In der Zwischenzeit hat Herr Jöchlinger von der Flughafen Wien AG die Stichhaltigkeit unserer Kritik bestätigt und angemerkt, dass im nächsten Evaluierungsbericht eine entsprechende Richtigstellung vorgenommen werden wird.

Nach wie vor ärgern sich die LiesingerInnen aber auch über die eigenwillige Umsetzung einer an sich sinnvollen Lösung - der Nachtflugregelung. Deren Ziel sollte es doch sein, zumindest in der Zeit von 21:00 bis 7:00 die Anzahl der Betroffenen möglichst gering zu halten. Ist schon die Ausnahme der dröhnenden Turboprops nicht nachzuvollziehen, so erfolgt die Umsetzung auch unter großzügigster Auslegung der Zeitgrenzen. Aber auch die Durchführung selbst trägt den Charakter eines Schildbürgerstreichs - so fliegen die Flugzeuge zwar zuerst Richtung Sollenau, nehmen aber dann nach einer möglichst engen Kurve wieder Kurs Richtung Norden. Damit überfliegen sie praktisch die gesamte südliche Siedlungsachse und finden sich in der Folge über Wien oftmals weiter stadteinwärts wieder, als unter Tags.

Nicht nur diese Themen, sondern auch viele andere sollen bei unserer Podiumsdiskussion an einem Dienstag- oder Donnerstagabend im September 2013 besprochen werden, zu der wir Sie hiermit ganz persönlich einladen. Zusagen anderer Bundespolitiker liegen bereits vor, allerdings gebietet die Achtung vor Ihrem Amt ein entsprechendes Vorschlagsrecht. Wir bitten daher um eine zeitnahe Übersendung Ihrer Terminvorschläge.

Mit freundlichen Grüßen,

BI "Liesing gegen Fluglärm und die 3. Piste"

Nachtrag: bis dato gibt es keine Antwort auf den eingeschriebenen Brief, der am 22. März im Verkehrsministerium eingetroffen ist. Die darin erwähnten Dokumente finden sich auf unserer Homepage.

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