TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 10. April 2013 von Anita Heubacher "Vorwärts auf dem falschen Dampfer"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Jetzt ist noch nicht einmal gewählt, da startet bereits das Gerangel um den Landeshauptmann-Sessel. Das sorgt vor allem bei "Vorwärts Tirol" für Wirbel, wo ein Teil mit Sachpolitik und ein Teil mit Postenschacher punkten will.

Es ist eine alte Binsenweisheit: Im Finale des Wahlkampfes muss man entweder mit Inhalten oder mit Köpfen von sich reden machen. Letzteres ist einfacher, aber nicht immer die passende Strategie für eine Partei.
"Vorwärts Tirol" ist erst wenige Wochen alt und angetreten, die Politik zu revolutionieren und für Sachpolitik zu stehen. Da startet ausgerechnet die neue Bewegung das Rennen um den Landeshauptmann-Sessel und positioniert Ex-VP-Landesrätin Anna Hosp als Landeshauptfrau-Kandidatin. Das könnte der Glaubwürdigkeit der Partei abträglich sein, Postenschacher kommt beim Wähler nie gut an. Vor allem parteiintern wird diese Strategie, die neben Hosp auch Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer mitträgt, zur Belastungsprobe. Spitzenkandidat Hans Lindenberger und seinen Mitstreitern soll der Kurs der beiden Frauen gar nicht gefallen. Lindenberger sieht sich als Sachpolitiker.
Bereits 2008 liebäugelte Anna Hosp mit dem Posten des Landeshauptmannes und wurde letztlich von ihren Parteifreunden Günther Platter und Herwig van Staa ausgebremst. Hosp ist im Außerfern immer noch ein Zugpferd und dass man "ihre" Landesrätin abmontiert hat, nehmen die Außerferner Günther Platter durchaus noch übel. Das Grundmandat in Reutte kann die ÖVP deshalb vermutlich abschreiben. Aber um die Relationen aufzuzeigen: 22.593 von 532.522 Wahlberechtigten sitzen im Außerfern. Die Wahlen werden in Innsbruck und Innsbruck-Land entschieden.
Damit "Vorwärts" überhaupt in die Verlegenheit käme, einen Landeshauptmann-Kandidaten zu stellen, müsste die Partei Zweite werden, eine Koalition ohne ÖVP gründen und die drei weiteren Regierungspartner davon überzeugen, "Vorwärts" beim Postenschacher den Vortritt zu lassen. Nüchtern betrachtet, sind das viele Wenn und Aber, die da eintreten müssten. Das macht die Postendiskussion aus der Sicht von "Vorwärts" noch unverständlicher.
"Vorwärts" verlangt zwar in seinem Parteiprogramm, dass der Landeshauptmann künftig direkt gewählt wird. Derzeit ist das aber nicht der Fall. Es gibt keine Landeshauptmann-Direktwahl.
Vielleicht funktioniert es bei den nächsten Landtagswahlen 2018. Die könnten dann auch für die Innsbrucker Bürgermeisterin Oppitz-Plörer interessant werden. Für diese Wahl hat sich die Stadtchefin ja selbst aus dem Rennen genommen.

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