WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Eine alternative Europakarte - von Beatrice Bösiger

Gerechtere Verteilung schützt Haushalte vor einer neuen Krise

Wien (OTS) - Der nun veröffentlichte Vermögensbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) zeichnet eine etwas andere Europakarte, als wir sie normalerweise kennen: Geht es um das Vermögen der privaten Haushalte, so stehen Länder wie Österreich und Deutschland verglichen mit anderen Ländern der Eurozone am unteren Ende der Skala. Besonders auffällig ist der Unterschied beim sogenannten Medianwert, dieser liegt in Österreich bei 76.400 Euro, bei Deutschland gar nur bei 51.400 Euro. Anders als beim Durschnittsvermögen, wo einige wenige Vermögende den Wert nach oben hin verzerren - dieser liegt laut EZB für Österreich bei 265.000 Euro -, gibt der Median zusätzliche Informationen darüber, wie die Mitte der Gesellschaft beschaffen ist, also wie groß der eigene finanzielle Rettungsschirm ist, auf den Herr und Frau Österreicher im Katastrophenfall zurückgreifen können. Berechnet wird dieser, indem die Vermögen in aufsteigender Reihenfolge sortiert werden und dann der Wert herausgefischt wird, der genau in der Mitte liegt. In die Berechnung des europäischen Haushaltseinkommens genauso eingeflossen sind etwa Immobilen ebenso wie Fahrzeuge, Sparkonten, Aktienbesitz oder Privatpensionen.

Laut EZB ist diese Vermögensverteilung unter anderem der Tatsache geschuldet, dass in Österreich und Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern weniger Menschen Immobilien besitzen. So liegt die Quote der Hausbesitzer in Deutschland etwa bei knapp über 44 Prozent, in Österreich bei rund 47 Prozent. Dagegen bewohnen 68 Prozent der Italiener ein Eigenheim oder gar 82 Prozent der Spanier - das wirkt sich natürlich auf das Vermögen der Haushalte aus.

Mit der Untersuchung wollen die Zentralbanken der Eurozone Aufschluss darüber erhalten, wie gut der finanzielle Polster die Privathaushalte gegen weitere wirtschaftliche und finanzielle Schocks abfedern könnte. Fragen nach der Verteilungsgerechtigkeit stehen für die EZB dabei nicht im Vordergrund. Ganz voneinander trennen lassen sich diese jedoch nicht, kommt die Studie jedoch auch zum Schluss, dass das Haushaltsvermögen in der Eurozone ungleichmäßig verteilt ist und ärmere und stärker verschuldete Haushalte auch zu denen gehören, die am stärksten unter einer neuen Welle der Krise leiden würden. Die österreichische Bundesregierung tut deshalb gut daran, das Bankgeheimnis für ausländische Kontoinhaber zu lockern. Denn mehr Transparenz führt zu einer gerechteren Vermögensverteilung.

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