Österreichs Zukunft braucht Innovation, aber wie finanzieren?

Forschungsrat lud gemeinsam mit IV und AIT zur Diskussion, wie durch weitreichende Staatsreform Spielraum für Investitionen in die Zukunft geschaffen werden kann.

Wien (OTS) - "Österreich ist ein erfolgreiches Land, aber es wird nicht immer so bleiben", so der ehemalige schwedische Ministerpräsident Hans Göran Persson in seiner Auftakt-Keynote zur Veranstaltung. "Es geht um Wettbewerb und darum an der Spitze zu bleiben. Dafür braucht es permanente, konsequente Reformen. Die anderen Länder warten bereits". Schweden hat in den 90er-Jahren umfangreiche Reformen in Angriff genommen, nicht zuletzt um seine Staatsverschuldung zu reduzieren und war damit erfolgreich. Heute führt es viele Rankings an, unter anderem auch den Innovation Union Scoreboard, einen Maßstab für die Innovationskraft eines Landes. Ist das ein Modell, an dem wir uns orientieren können oder sollen?

Ja, darin waren sich alle PodiumsteilnehmerInnen einig. Und wie Persson bekräftigte, "Das Problem liegt nicht darin zu erkennen, was zu tun ist, sondern es zu tun." Zur Reform der öffentlichen Finanzierung brauche es kein Genie, sondern den politischen Willen und für längere Zeit die Unterstützung der Mehrheit eines Landes.

Hannes Androsch, Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung und Aufsichtsratsvorsitzender des AIT bestätigte, "Schweden hat nicht theoretisiert sondern bewiesen, wie es gehen kann. Das muss Österreich doch auch schaffen können." Wie Androsch jedoch weiter zu bedenken gab, "gibt es in Österreich einige wenige Verhinderer, die die erforderlichen Reformen blockieren."

Auch die Bundesvorsitzende der jungen Industrie, Therese Niss, sprach sich dafür aus, den schwedischen Weg zu gehen "Schweden hatte zu dieser Zeit einen hohen Leidensdruck. Sie haben es geschafft, die Verwaltung effizienter zu gestalten und Geld freizumachen. Hier hat Österreich auch viel Potential." Aber auch vorhandene Mittel würden nicht richtig investiert. "Es wird viel für Bildung ausgegeben. Aber nur jeder zweite Euro kommt in den Schulen an", so Niss. Der Grundstein für die Lust an Technik und Forschung wird überhaupt schon im Kindergarten gelegt.

"Es gibt keinen Grund, warum wir von der Innovationsdynamik her nicht zur Gruppe der innovativsten Länder gehören sollten." So Gertrude Tumpel-Gugerell, Vorsitzende des Aufsichtsrates der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft. Aber der Reformprozess müsse unbedingt konsequent verfolgt werden. "Das bedarf einer harten öffentlichen Debatte", wie sie betont. Auch das Zusammenspiel von Bildungssystem, Forschungssystem und Wirtschaft müsse in Österreich noch verbessert werden.

Hier sieht Rektorin Seidler die TU Wien als wichtiges Bindeglied in der Innovationskette. "Wo, wenn nicht an den Universitäten, passiert in Österreich neugiergetriebene Grundlagenforschung. Gerade die Universitäten stehen aber vor schwierigen Rahmenbedingungen."

Auch Wolfgang Knoll, Geschäftsführer des AIT, betont die Rolle seines Institutes als wichtige Brücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendung. "Akzeptierte technologische Lösungen sind unsere Themen, mit denen wir die Grand Challenges der Zukunft adressieren."

"Innovation ist Zukunftsgestaltung" so Monika Kircher, Vorstandsvorsitzende von Infineon, "Österreich macht langsam Fortschritte, ist vom Ergebnis her aber noch nicht angekommen, wo wir sein wollen und sollen, um unseren Lebensstandard zu halten": Es brauche auch einen erweiterten Innovationsbegriff, der die Forschung besser mit Verwertung verbindet.

"Die Einschätzung unserer Klischees gehört revidiert" hakt Klaus Pseiner, Geschäftsführer der FFG an dieser Stelle ein. Auch hinter den vielzitierten Mozartkugeln und anderen traditionellen Stärkefeldern Österreichs, wie dem Tourismus und der Schiindustrie, stehe viel Innovation. "Ein Klischee funktioniert international nur dann, wenn es ein Alleinstellungsmerkmal hat. Das braucht viel Innovation.", so Pseiner.

Um langfristig im internationalen Wettbewerb zu bestehen, muss Europa und insbesondere auch Österreich als rohstoffarmes Land auf Forschung und wissensbasierter Innovation und Bildung als ihre Grundlage setzen und entschlossene Investitionen in diesen Bereichen vornehmen.

In Österreich herrscht jedoch seit Jahren ein Reformstau. Notwendige Strukturreformen in der Verwaltung, im Pensionssystem oder dem Gesundheitswesen werden in Österreich seit Jahren aufgeschoben und binden Ressourcen, die wichtigen Zukunftsbereichen wie Bildung, Forschung und Innovation fehlen.

Wie Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung, auch in seiner Begrüßung hervorhob, investiert Österreich einen viel zu geringen Anteil seines Budgets in für die Zukunft wichtige Bereiche, wie Bildung, Familie, Forschung und Innovation. Aus diesem Grund hat der Rat für Forschung und Technologieentwicklung gemeinsam mit der Industriellenvereinigung und dem AIT in Kooperation mit ORFIII den ehemaligen schwedischen Ministerpräsidenten Hans Göran Persson und nationale hochrangige ExpertInnen im Rahmen einer Podiumsdiskussion dazu eingeladen, einzelne Aspekte der globalen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen sowie daraus resultierende Anforderungen an das Bildungs-, Innovations- und Pensionssicherungssystem zu beleuchten.

Zentrale Fragestellung war, woher gerade in Zeiten der budgetären Konsolidierung der Spielraum für Investitionen in die Zukunft kommen soll. Welche Hebel müssen hierbei im Rahmen einer weitreichenden Staatsreform angesetzt werden.

"Österreichs Zukunft braucht Innovation"

8. April 2013 / Haus der Industrie (1031 Wien,
Schhwarzenberplatz 4)

TeilnehmerInnen der Veranstaltung in alphabetischer Reihenfolge:

+ Hannes Androsch, Vorsitzender, Rat für Forschung und Technologieentwicklung, Vorsitzender des Aufsichtsrates, AIT Austrian Institute of Technology GmbH + Georg Kapsch, Präsident, Industriellenvereinigung + Monika Kircher, Vorstandsvorsitzende, Infineon Technologies Austria AG + Wolfgang Knoll, Geschäftsführer, AIT Austrian Institute of Technology GmbH + Therese Niss, Bundesvorsitzende, Junge Industrie + Hans Göran Persson, Ministerpräsident a.D., Schweden + Klaus Pseiner, Geschäftsführer, FFG Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft + Gerhard Riemer, Bereichsleiter Bildung, Innovation und Forschung, Industriellenvereinigung + Sabine Seidler, Rektorin, Technische Universität Wien + Peter Skalicky, Stellvertretender Vorsitzender, Rat für Forschung und Technologieentwicklung + Gertrude Tumpel-Gugerell, Vorsitzende des Aufsichtsrates, FFG Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft

Moderation: Christoph Takacs, Chefredakteur ORFIII

Fotos zur Veranstaltung können beim Rat für Forschung und Technologieentwicklung angefragt werden.

Rückfragen & Kontakt:

DI Dr. Ludovit Garzik
Geschäftsführer des Rates für Forschung und Technologieentwicklung
Tel: +43 1 7131414
E-Mail: l.garzik@rat-fte.at

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