Christian Ortner verspeist wieder einmal die Speisekarte

Wien (OTS) - In der heutigen Ausgabe der Presse hat der "radikal-liberale" Christian Ortner (O-Ton - Herbert Lackner, Profil) sein Lieblingsmenü "quergeschrieben": Faschiertes von der linken Gewerkschaftsmafia. In seinem Beitrag mit dem Titel "Geld ist das, was man anderen Leuten wegnimmt, wenn man es braucht" polemisiert er gegen die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), die gestern eine Betriebsrätekonferenz mit dem Motto "Geld ist genug da!" abhielt.

Der Leiter des Zentralorgans des Neoliberalismus "ortneronline" und Autor des Büchleins "Prolokratie" erkennt dahinter eine Mentalität, die der eines Einbrechers entspricht, der seine Verbrechen damit rechtfertigt, dass die Bestohlenen ja ohnehin genug besitzen würden. Er meint auch die Botschaft zu erkennen, dass man bescheidenes Vermögen teilweise wegnehmen will, um mit diesem Geld die Frühpension von 52-jährigen Gemeindebürokraten und eine Milliarde Sozialmissbrauch zu finanzieren.

Das peinliche Motto und die unseriöse klassenkämpferische Rhetorik der GPA-djp sind wahrlich ärgerlich. Es mutet aber auch mehr als seltsam an, wenn der "Kapitaliban" (wieder O-Ton Herbert Lackner) in seinem Büchlein Abraham Lincoln mit "Ihr werdet keine Brüderlichkeit schaffen, indem ihr Klassenhass schürt" zitiert, selbst aber genau dies tut. Besonders ärgerlich ist für mich auch, dass er Gemeindebedienstete verunglimpfend mit Sozialmissbrauch in Zusammenhang bringt, weil sie im Falle einer Frühpensionierung aus gesundheitlichen Gründen eine Pension erhalten.

Wer derart polemisch und unsachlich argumentiert, ist nicht wirklich an einem Dialog interessiert. Es hat den Anschein, als ob Herr Ortner ganz banal versucht, seine Bücher und Kommentare mit reißerischen Formulierungen am Markt zu positionieren, um sein Einkommen zu sichern. Es wäre aber auch möglich, dass er reale Menschen mit der (nützlichen) Kunstfigur des Homo Oeconomicus verwechselt und er die fixe Idee entwickelt hat, die Welt vor dem "Klepto-Keynesianismus" schützen zu müssen. Hinter solchen Haltungen steckt vielfach das vertrackte Problem, dass die Landkarte mit der Landschaft, die Speisekarte mit der Speise, oder die Logik mit dem Leben verwechselt werden.

Solche "Neoliberalen" schaden leider den wichtigen Grundsätzen und Haltungen, die 1947 zur Gründung der neoliberalen Denkfabrik "Mont Pèlerin Society" geführt haben. Diese Vereinigung trat an, um nach den katastrophalen Weltkriegen gegen kollektivistische ideologische Tendenzen anzukämpfen und die Marktwirtschaft durchzusetzen. Das anfänglich breite Meinungsspektrum, das von Personen wie etwa Friedrich Augst von Hayek, Wilhelm Röpke oder Karl R. Popper getragen wurde, verengte sich mit der Zeit leider zu einer recht einseitigen Heilslehre. Es würde sich wohl sehr lohnen, wenn sich anstelle solcher "neoliberalen Klassenkämpfer" wie dem Herrn Ortner, wieder mehr kreative, seriöse und am Dialog orientierte "Neoliberale" zu Wort melden würden.

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Kurt Obermülner, MAS (Mediation)
Vorsitzender
Fraktion Christlicher Gewerkschafter
in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Kunst, Medien, Sport, freie Berufe - Wien
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