WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schluss mit dem E-Commerce-Bashing - von Thomas Pressberger

Onlinehandel ist eine Chance, keine Gefahr

Wien (OTS) - Das Internet ist nicht daran schuld, dass die Elektrohandelskette Niedermeyer insolvent ist. Zumindest nicht direkt. Seit Jahren sind das Geschäftsmodell und die Auswirkungen des Onlinehandels auf den stationären Handel bekannt: niedrige Preise, riesiges Angebot. Wer darauf nicht reagiert, ist entweder unfähig oder Realitätsverweigerer. Niedermeyer-Chef Werner Weber ist keines von beidem. Er hat versucht, in Kooperation mit einem deutschen Onlinehändler das Ruder herumzureißen, was nicht gelungen ist. Mit seiner Preispolitik in den Shops blieb zu wenig Profit. Ein zu unscharfes Profil und die ausschließliche Ausrichtung auf Elektronik und Foto taten das Übrige.

All jene, die jetzt aufschreien, dass Niedermeyer das nächste Opfer des Internets sei, liegen daneben. Viele kleine Fachhändler, die es verstanden haben, rechtzeitig auf stationären und Onlinehandel zu setzen und damit erfolgreich sind, beweisen das Gegenteil. Auch große stationäre Elektrohandelsketten üben sich zunehmend im Onlinehandel -mit unterschiedlichem, aber nicht ganz ohne Erfolg.
Allen voran handelt es sich aber um ein dem Handel ureigenstes Phänomen: Handel ist Wandel - abgedroschen, aber wahr. Wer es nicht versteht, sich immer wieder neu zu erfinden, geht in dieser kurzlebigen und wettbewerbsintensiven Branche schnell unter. Das Internet ist lediglich Teil einer Entwicklung, die weder gut noch böse ist, sondern genutzt oder nicht genutzt werden kann. Wer, wenn nicht ein Unternehmer, sollte darin vielmehr eine Chance als eine Gefahr sehen?

Und ein letztes Argument, um mit dem E-Commerce-Bashing aufzuräumen:
Das Wort "Beratungsdiebstahl" ist im stationären Handel in aller Munde: Kunden kommen in den Laden, lassen sich beraten - und bestellen im Internet zu günstigeren Preisen. Man sollte auch die Phrase "Diebstahl der Zeit des Konsumenten" einführen. Konsumenten informieren sich im Internet über ein Produkt, wollen es sofort kaufen und gehen in die nächste Filiale einer vermeintlich günstigen großen Elektrohandelskette - und finden das gleiche Produkt um 30 Prozent teurer, gehen dann doch zurück an den Computer und bestellen es dort. Außer Spesen und verlorener Zeit nichts gewesen. Wundern sollte sich also keiner, dass der Onlinehändler das Rennen macht.

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