Hat der Kredit ausgedient? Alternativen gefragt

KSV1870 Umfrage: 69 % würden Hausbank wegen besserem Kreditangebot wechseln

Wien (OTS) - 54 Prozent der Unternehmen fordern mehr alternative Finanzierungsformen zum klassischen Bankkredit. Besonders laut sind die Rufe aus dem Dienstleistungssektor und von Kleinstunternehmen. Dies geht aus der aktuellen KSV1870 Umfrage hervor, an der rund 1.700 Unternehmen teilgenommen haben. Besonders häufig ist die Forderung nach mehr Risikokapital, neuen Beteiligungsmodellen, Crowdfunding und Förderungen. Derlei Angebote würden auch zu mehr Wettbewerb im Bankenbereich führen, so die Meinung vieler Befragungsteilnehmer. Aktuell stellen 60 Prozent fest, dass eine Kreditaufnahme schwierig ist, da nun mehr Sicherheiten verlangt werden als früher. Für 2013 erwarten 54 Prozent eine Erhöhung der Kosten und eine Verschlechterung der Konditionen.

"Der Handlungsspielraum für Banken wird durch Reglementierungen mehr und mehr eingeschränkt, während Unternehmen - insbesondere KMU -rasch und unbürokratisch Liquidität brauchen. Der Ruf nach Alternativen ist nachvollziehbar, aber hier lauern auch Gefahren", analysiert Johannes Nejedlik, Vorstand der KSV1870 Holding AG. "Bei allen neuen Ansätzen muss sichergestellt werden, dass Unternehmen in wirtschaftlichen Fragen volle Transparenz walten lassen und Geldgeber maximale Information zur Risikoabschätzung erhalten. Ungeprüfte Eigenangaben sind keine solide Grundlage für Finanzierungsentscheidungen", so der KSV1870 Vorstand. Aktuell finanzieren sich die Unternehmen primär über Eigenmittel (64 %), nutzen den Kontokorrentrahmen (52 %) oder langfristige Kredite (34 %) - letztere sind besonders häufig in der Industrie und im Gewerbe.

Enges Korsett bei Kreditvergabe

60 Prozent sind der Meinung, dass sich aktuell eine Kreditaufnahme schwierig gestaltet. 34 Prozent beschreiben sie als angemessen, 6 Prozent als einfach. Ganz oben auf der Beschwerdeliste steht, dass heutzutage mehr Sicherheiten verlangt werden (85 %). Auch Kredite, die - nach Meinung der Befragten - früher gewährt worden wären, würden heute abgelehnt (39 %). 30 Prozent geben an, dass Zinsen erhöht wurden. 24 Prozent beklagen, dass sie Kredite nicht mehr in der gewünschten Höhe bekommen würden. Entsprechend verhalten sind auch die Erwartungen für das laufende Jahr: Die Hälfte der Befragten (54 %) erwartet 2013 bei Kreditaufnahmen höhere Kosten und eine Verschlechterung der Konditionen. 44 Prozent meinen, dass sich nichts ändern wird, 2 Prozent erwarten eine Verbesserung. Die Pessimisten rechnen primär mit Aufschlägen beim Risiko des Kreditnehmers (Bonität), Zinserhöhungen und Kosten durch die Kapitalhinterlegungsvorschriften für Banken. Dennoch geben sich die Unternehmen kämpferisch: 59 Prozent geben an, durch geschicktes Verhandeln die Kreditkonditionen in ihrem Sinne zu optimieren. 31 Prozent versuchen es, scheitern aber. 10 Prozent verhandeln gar nicht.

Loyal zur Bank: Nicht um jeden Preis

69 Prozent würden mit ihrer Hausbank "brechen", wenn eine andere Bank ein besseres Kreditangebot auf den Tisch legt. "Die Bindung der Unternehmen an ihre Hausbank hat in Österreich eine lange Tradition. Die schwierigen Rahmenbedingungen in Finanzierungsfragen haben auf Seiten der Unternehmen offensichtlich zu einer Flexibilisierung geführt. Sie sind kritischer geworden und vergleichen nun Angebote sehr genau", fasst Roland Führer, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH, das Ergebnis zusammen. Trotz allem sind zwei Drittel der Befragten (67 %) ihrer Hausbank gegenüber grundsätzlich loyal. Gründe hierfür sind die langjährige Geschäftsbeziehung, die persönliche Bindung bzw. die gute Beratung oder die bestehenden Konditionen. Auch die räumliche Nähe sei ein wichtiger Faktor, warum die Unternehmen bei ihrer Hausbank bleiben.

Für ein Drittel (33 %) der Befragten ist das kein Thema, denn es seien einzig die Kosten und Konditionen entscheidend, die Berater hätten ohnehin keinen Spielraum für maßgeschneiderte Lösungen und Banken seien zudem Lieferanten wie andere auch. Service und Beratung seien anderswo genauso gut.

In der Wirtschaft nichts Neues

71 Prozent erkennen keinen Unterschied bei der Wirtschaftsentwicklung in Österreich im Vergleich zum Vorjahr. Gefragt nach der Auftragslage im eigenen Unternehmen herrscht etwas weniger Zuversicht: Für 60 Prozent ist die Lage gleich wie im Vorjahr, für 21 Prozent sogar besser und für 19 Prozent schlechter. 57 Prozent haben daher für heuer keinen Anlass gesehen, Budgetkürzungen durchzuführen. Wer dennoch reduziert, hat das vor allem im Bereich Werbung, Personal und Verwaltung gemacht. Hinsichtlich der Dienstnehmer ist bei 64 Prozent die Anzahl konstant, 15 Prozent haben aufgestockt und 21 Prozent gekürzt.

Stichwort Korruption

Jeder fünfte Befragungsteilnehmer (21 %) hat begründeten Anlass zu glauben, dass Korruption in Österreich im Unternehmeralltag eine Rolle spielt. 58 Prozent vermuten das. 16 Prozent meinen, dass Korruption hierzulande vernachlässigbar ist und nur 5 Prozent glauben, dass sie kein Thema in der Wirtschaft ist.

Alternative Finanzierungsformen gewünscht?

Bundesland Ja Nein Burgenland 61% 39% Kärnten 56% 44% Niederösterreich 57% 43% Oberösterreich 44% 56% Salzburg 43% 57% Steiermark 57% 43% Tirol 57% 43% Vorarlberg 33% 67% Wien 57% 43%

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Karin Stirner, Leiterin Unternehmenskommunikation
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