Historikerkommission prüft 110.000 PatientInnen-Akten

Wien (OTS) -

Diese Meldung wurde korrigiert Neufassung in Meldung OTS0169 vom 03.04

Die unabhängige Historikerkommission, die die
Nachkriegsgeschichte der damaligen Medizinischen Fakultät der Universität Wien nach Methoden bei Forschung und PatientInnen-Behandlung beleuchten soll, liegt ein Jahr nach ihrer Gründung im Frühjahr 2012 voll im Plan. Das unterstrich der Leiter der Kommission, Gernot Heiss, in einer ersten Bilanz. Ein Endbericht der Arbeit der Historikerkommission sei für 2014 zu erwarten, so der Historiker.

Nach Bewilligung der nötigen Förderungen für die Finanzierung der Kommissionsarbeit, ist nunmehr auch die Entwicklung der PatientInnen-Datenbank abgeschlossen. "Wir prüfen rund 110.000 Akten", so Heiss. Das Hauptaugenmerk der statistischen Auswertung der Informationen aus den PatientInnenakten liegt bis Jahresende 2013 auf den sechs "Kern"-Jahren 1955 bis 1960 und auf der so genannten "Malaria-Therapie" und der medizinischen Behandlung der psychisch Kranken mit gleichen Diagnosen an der damaligen "Klinik Hoff".

Es ist die Aufgabe der von der MedUni Wien eingesetzten Historiker-Kommission, aufzuklären, ob es damals Forschungstätigkeiten gab, die den ethischen Grundsätzen oder dem Forschungsstand nicht entsprochen haben. Die Auswertung erfolgt nicht-personenbezogen und anonym.

In einem ersten Schritt wird das anhand von unterschiedlichen Therapien, die bei gleichen Diagnosen an der Klinik für Psychiatrie und Neurologie angewandt wurden, untersucht. Heiss: "Wir wollen untersuchen, welchen Anteil die Malaria-Therapie hatte, mit welchen Argumenten sie angewandt wurde und wie sich ihre Anwendung im Lauf der Zeit entwickelt hat."

Mit der Aufarbeitung der Geschehnisse zwischen 1945 und 1978, dem Gründungsjahr der Ethik-Kommission der MedUni Wien, die seither alle klinischen Forschungsprojekte auf ethische Aspekte prüft, stellt sich die Medizinische Universität Wien ihrer Geschichte und Verantwortung. "Wir wollen alles über eventuelle 'dunkle Flecken' wissen", hatte Rektor Wolfgang Schütz schon bei der Einsetzung der Kommission vor einem Jahr betont.

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