Karola Kraus zum Ableben von Werner Hofmann, Gründungsdirektor des mumok

Wien (OTS) - Werner Hofmann war nicht nur der Gründungsdirektor unseres Museums, der mit seinem vorbildlosen Engagement für das Museum des 20. Jahrhunderts Anfang der 1960er-Jahre eine zukunftsorientierte Presche in das damalige, kulturkonservative Klima der Republik schlug. Er war darüber hinaus ein ständig wacher, kritischer und hilfreicher Beobachter und Begleiter des mumok. Dass die österreichische Kunstszene der 1960er-Jahre erstmals einen weltoffen ausgerichteten Raum für die Kunst der Moderne und Gegenwart erhielt und damit einen Schub der Internationalisierung erfuhr, war vor allem Hofmanns Verdienst.
Prägend für Generationen von KünstlerInnen und KunsthistorikerInnen war nicht nur seine museumspolitische Arbeit, wie er sie - nach seinem Abschied aus Wien - u. a. in der Hamburger Kunsthalle entfaltete. Vor allem seine Lehrtätigkeiten und seine Publikationen, die den Formalismus einer antiquierten Kunstgeschichte überwanden, setzten mit ihrem lebendigem Theorie- und Praxisbezug gleichermaßen neue Maßstäbe für die Kunstbetrachtung der Vergangenheit und der Gegenwart. Seine Analyse des Phänomens der Weltausstellungen, wie er sie in seiner Schrift "Das irdische Paradies" unternahm, wies Hofmann, der mit dem Museum des 20. Jahrhunderts nicht zuletzt einen ehemaligen Expo-Pavillon geleitet hatte, als unnachahmlichen Kunst-, Kultur- und Gesellschaftshistoriker aus. Mit seinem Text über die "Grundlagen der modernen Kunst" verstand er es, im scheinbaren Chaos der Geschichte eine faszinierend stringente Struktur auszumachen. Sie machte Entwicklungsverläufe transparent und ließ sie nachvollziehbar erscheinen. Er erteilte so einem unreflektierten Geniekult in der Kunstbetrachtung eine Absage. Kunstgeschichte durchschaubar zu machen, sie zu entmystifizieren, war eine Spezialität Hofmanns. Aus der Praxis des Kunst- und Ausstellungsbetriebes heraus agierend verlor er jedoch nie den Sinn für die tragende Rolle von Intellektualität und analytischem Bewusstsein.
Bis zuletzt stand Hofmann mit meinen MitarbeiterInnen und mir in persönlichem Kontakt und verfolgte unsere Arbeit mit Engagement und Esprit. Erst im Herbst letzten Jahres hat er durch seine Teilnahme am Symposium "50 Jahre mumok" gewissermaßen als Zeitzeuge eine überaus spannende und packende Rückschau gehalten, die in ihrer Offenheit noch immer als Vorbild freien Denkens und Handelns gelten kann. Mit voller Energie hat er erst kürzlich die aktuelle Franz West-Ausstellung besucht und kommentiert. Umso mehr überrascht und erschüttert uns sein plötzlicher Tod, der eine schmerzliche Lücke in die Geschichte und Gegenwart des Museums reißt. Mit Werner Hofmann verliert das mumok seinen Gründer und Mentor. Die Öffentlichkeit verliert mit ihm einen versierten Grenzgänger zwischen Praxis und Theorie der Kunst und einen genialen Vermittler zwischen Kunst und Öffentlichkeit.

Karola Kraus, Direktorin mumok und ihr Team

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