Geflügelbauern machen auf dramatische Situation aufmerksam

Petitionen fordern Politik zum Handeln auf

Wien (OTS) - Die österreichischen Geflügelbauern können und wollen die prekäre Situation am heimischen Geflügelmarkt nicht länger hinnehmen. Ein deutliches Signal hierfür ist die Großveranstaltung betroffener Landwirte, die gestern, Mittwoch, den 12. März 2013, auf dem Wieselburger Messegelände stattfand. Anlässlich der sich zuspitzenden Lage hatten die ZAG - Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft, die Geflügelmastgenossenschaft (GGÖ) und die Österreichische Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV) betroffene Landwirte zur Diskussion eingeladen. Über 1.000 Geflügelbauern waren dem Ruf gefolgt und forderten die Politik auf, endlich zu handeln.

Petition fordert Umsetzung des "All In One"-Programms der QGV

Das Signal an die Politik ist klar und deutlich: Nur wenn neuen und fairen Standards in der Geflügelhaltung zur Durchsetzung verholfen wird, haben die österreichischen Landwirte auch in Zukunft eine Chance, nicht unter die Räder der Billigproduktion in Nachbarstaaten zu kommen. So fordert die von GGÖ und ZAG ins Leben gerufene Petition die Umsetzung des "All In One"-Programms der QGV. Das in Kooperation mit zahlreichen Geflügelfachtierärzten entwickelte Programm zielt darauf ab, die Auflagen für die Geflügelmastbetriebe an die Gesundheit der Tiere zu koppeln, anstatt sich auf eindimensionale Faktoren zu beschränken. Die damit verbundenen Verbesserungen sollen auch für den Konsumenten sichtbar kommuniziert werden.

Robert Wieser, Obmann der GGÖ, erklärte im Rahmen der Veranstaltung, dass das "All In One"-Programm "die kontinuierliche Verbesserung der Tiergesundheit und der Lebensmittelsicherheit im Sinne der Konsumenten und der Tiere" vorantreiben soll. Nur damit, so Wieser, könne "in Zukunft die Produktion von qualitativ hochwertigen Geflügelprodukten in Österreich erhalten werden, so wie sich das die heimischen Konsumenten wünschen." Auch Dr. Martina Glatzl, Obfrau der QGV, betonte, dass Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch seien: "Je mehr in einem Betrieb auf die Gesundheit der Tiere geachtet wird, desto hochwertiger ist das Produkt. Letztendlich profitieren davon die Produzenten, die Tiere und die Konsumenten gleichermaßen." Österreich könnte hier eine Vorreiterrolle einnehmen:
"Die Politik hätte die einmalige Chance, nach einer Antibiotika-Datenbank auch Tiergesundheitsindikatoren einheitlich zu überwachen und gegebenenfalls zu sanktionieren. Hier wären wir wieder meilenweit vor den EU-Nachbarländern," so Glatzl.

Klare Lebensmittelkennzeichnung und faire Einheitswertberechnung gefordert

Die gegenwärtig schwierige Marktsituation der Geflügelwirtschaft ergibt sich auch aus der fehlenden klaren Kennzeichnung von Lebensmitteln, so ÖkR Franz Schrall, Obmann der ZAG. Die oft fehlende oder für Konsumenten mißverständliche Produktauslobung hinsichtlich Herkunft und Haltungsform muss behördlich klar geregelt werden, so der ZAG-Obmann. Die auf der Versammlung anwesenden Tierhalter unterstützten dieses Anliegen ebenso wie die Forderung nach einer fachlich argumentierten Gleichstellung der geflügelhaltenden Betriebe mit anderen Sparten der österreichischen Tierhaltung im Zuge der Neuberechnung der Einheitswerte.

Auch Theresia Meier, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Niederösterreich und Obfrau der SVB sowie Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, äußersten sich kritisch zu dieser Wettbewerbsverzerrung und meinten unisono, dass die "Geiz ist Geil-Mentalität" weder in der Landwirtschaft noch bei Lebensmitteln etwas zu suchen hätte.

Österreichische Qualitätsprodukte werden von Billigimporten verdrängt

Grund für den Ärger der Branche ist, dass österreichische Qualitätsprodukte aufgrund extremer Wettbewerbsverzerrungen preislich kaum mehr mit Billigimporten aus Nachbarländern mithalten können. Dies hat bereits dazu geführt, dass heimische Betriebe die Einstallung von Putenküken erstmals in der Geschichte wochenweise aussetzen - ein deutliches Anzeichen, dass die Existenz der gesamten Branche bedroht ist.

Auf der gestern abgehaltenen Großversammlung der Geflügelbauern wurden diese Schwierigkeiten in mehreren Vorträgen von Fachleuten eingehend beleuchtet. Im Anschluss kamen auch die Betroffenen zu Wort, die in zahlreichen Wortmeldungen ihrem Unmut Luft machten. (Schluss)

Über die ZAG:

Die Dachorganisation ZAG ist die einzige bundesweit anerkannte, freiwillige Interessensvertretung der österreichischen Geflügelwirtschaft und vertritt damit sowohl die Interessen der österreichischen Eierproduktion als auch der österreichischen Geflügelmast. Der Dachverband sieht sich als Partner für eine wachsende, profitable und verantwortungsvolle Eier- und Geflügelproduktion in Österreich.

Über die GGÖ:

Die Geflügelmastgenossenschaft Österreich (GGÖ) ist eine österreichweite Erzeugergemeinschaft, die von rund 400 Geflügelbauern aus dem gesamten Bundesgebiet gebildet wird. Rund 60 Prozent der Masthühner- und Truthühnerproduktion in Österreich stammen aus Betrieben, die der GGÖ angehören.

Über die QGV:

Die Österreichische Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV) ist der anerkannte, bundesweite Geflügelgesundheitsdienst nach der österreichischen Tiergesundheitsdienst-Verordnung. Aufgabe der QGV ist die Qualitätssicherung in der Eier- und Geflügelproduktion, mit der eine maximale Lebensmittelsicherheit und Produktqualität zum Wohle der Konsumenten sichergestellt werden soll.

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DI Michael Wurzer
ZAG - Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft
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