Spindelegger zu 75 Jahre "Anschluss"

Wien (OTS) - "Die Katastrophe des Nationalsozialismus hat uns eine ganz besondere historische und moralische Verantwortung auferlegt." erklärt Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger anlässlich des 75. Jahrestags des Anschlusses Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland. Für Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti und andere vom NS-Regime als feindlich verfolgte Menschen brachen sieben entsetzliche Jahre an. Sie wurden verfolgt, vertrieben und ermordet. Gleichzeitig versank Österreich in tiefe geistige Armut.

Mindestens 66.000 österreichische Jüdinnen und Juden sind der Shoa zum Opfer gefallen. An diesen Morden waren auch Österreicherinnen und Österreicher als Täter direkt und indirekt beteiligt. Viele haben zudem von der Notlage der Verfolgten profitiert, haben sich entschieden mitzulaufen und sich an die neuen Machthaber anzupassen. Andere haben schweigend zugesehen und sich in die sogenannte innere Emigration zurückgezogen. "Nur wenige haben unter Gefahr ihres eigenen Lebens aktiven Widerstand geleistet. Wir nachfolgenden Generationen schulden ihnen Dank und Anerkennung", so Spindelegger.

"Immer wieder haben wir uns die Frage zu stellen: was können und müssen wir tun, um eine Wiederholung solch schrecklicher Ereignisse und der aus Rassismus, Antisemitismus, der Menschenverachtung resultierenden Verbrechen zu verhindern", betonte Spindelegger. "Der in der Politik immer wieder aufkommende Ruf nach dem 'starken Mann' muss uns hellhörig machen. Ich denke hier besonders an die Bildung unserer Jugend. Denn es liegt auch an der nächsten Generation, die nötige Wachsamkeit aufzubringen, um gegen ein Erstarken von Phänomenen aufzutreten, die den Nationalsozialismus geprägt haben, wie soziale Ausgrenzung, Vorurteil, Pauschalisierung und Diskriminierung" so Spindelegger weiter.

Auch auf internationaler Ebene setzt sich Österreich im Rahmen der internationalen Holocaust Task Force dafür ein, dass der Holocaust mit der Zielsetzung, künftig Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verhindern, gelehrt wird. Darüber hinaus trägt das Außenministerium mit seinen Initiativen dazu bei, das Bewusstsein für interkulturellen Dialog und Toleranz zu schaffen und das Aufkommen von Ressentiments zu verurteilen. Erst vor wenigen Tagen fand in Wien das 5. Global Forum der Allianz der Zivilisationen der Vereinten Nationen unter dem Generalthema "Stärkung von verantwortungsvollem leadership in Diversität und Dialog" mit über 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt.

Verantwortung übernehmen heißt auch sich der Opfer des Nationalsozialismus, ihrer Angehörigen und Nachkommen, anzunehmen. Hierzu zählen vor allem die Maßnahmen, die Österreich gesetzt hat, um die bislang noch nicht entschädigten Vermögensverluste von NS-Opfern in einem gewissen Maße noch zu lindern, soweit dies überhaupt angesichts der verstrichenen Zeit seit 1945 möglich war und ist. Vorrangig ist es auch, die soziale Lage vieler hoch betagter Opfer des Nationalsozialismus zu verbessern. "Als Außenminister ist es mir ein persönliches Anliegen, den Kontakt mit den im Ausland lebenden österreichischen Opfern nationalsozialistischer Verfolgung und deren Angehörigen zu pflegen" schließt Spindelegger.

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