WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Beim Eurofighter liegt vieles noch im Dunklen - von Günter Fritz

Die bisherige Bilanz des Eurofighters ist ein totaler Flop

Wien (OTS) - Jetzt haben wir es also schwarz auf weiß und von unabhängiger Stelle geprüft, was viele Mitbürger schon längst vermutet haben: Der Eurofighter ist nicht nur extrem teuer, er erfüllt auch die hochgesteckten Erwartungen der Landesverteidiger kaum. Der Rechnungshof kritisiert in seinem jüngsten Bericht sowohl den von Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos geschlossenen Vergleich mit der Eurofighter GmbH als auch die mangelnde Einsatztauglichkeit des Abfangjägers. Inklusive Betriebsaufwendungen betragen die Kosten für die Jets im Zeitraum 2005 bis 2015 rund 2,57 Milliarden Euro. Dabei hatte Darabos drei der ursprünglich 18 georderten Eurofighter abbestellt und den Kaufpreis von 1,959 auf 1,709 Milliarden Euro verringert. Weitere 120 Millionen sollten bei den Betriebskosten gespart werden - in Summe somit 370 Millionen Euro. Was der Rechnungshof allerdings nicht nachvollziehen kann.

Fragwürdig erscheint auch, dass durch Ersatzteilmangel in Kombination mit normalen Wartungsarbeiten zeitweise zwei Drittel der Maschinen am Boden bleiben müssen. Dass da die Piloten die angepeilten 110 Flugstunden pro Jahr nicht absolvieren können, erscheint nur logisch. Im Schnitt waren es 2011 nur 70 Stunden, womit das Gros der Piloten nur über eine "stark eingeschränkte Einsatzbefähigung" verfügt. Man kann also getrost behaupten, dass die bisherige Bilanz des Eurofighters ein totaler Flop ist.

Soweit, so schlecht: Viel schlimmer ist freilich, dass rund um den Beschaffungsprozess und die politischen Begleitumstände, unter denen er zustandegekommen ist, noch vieles im Dunklen liegt. Angefangen bei den umstrittenen Gegengeschäften für österreichische Unternehmen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro bis hin zur Verstrickung von Politikern verschiedener Parteien. In mehreren europäischen Ländern wurden im Herbst die strafrechtlichen Ermittlungen stark ausgeweitet, um die bislang nicht bewiesenen Korruptionsgerüchte intensiver unter die Lupe zu nehmen. Auch wenn bereits im Eurofighter-Untersuchungsausschuss 2007 die Hinweise darauf verstärkt wurden, ist juristisch hierzulande nichts herausgekommen. Bis zu 180 Millionen Euro an dubiosen Zahlungen sollen, vermuten die Ermittler, über ein europaweites Firmennetz bewegt worden sein. Davon könnten 100 Millionen Euro als Schmiergeld in Österreich gelandet sein. Ob das stimmt und wenn ja, wo die Millionen gelandet sind, das ist nach wie vor ungeklärt - möglicherweise aus gutem Grund. Denn träfe das zu, wäre das der größte Korruptionsfall in Österreich, in den wahrscheinlich fast alle Parteien verwickelt wären.

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