Dr. Klaus Albrecht Schröder zum Tod von Annemarie Avramidis

Wien (OTS) - Zeitlebens stand Annemarie Avramidis im Schatten ihres Mannes - ein Schicksal, das viele Künstlerinnen teilen, die mit prominenten männlichen Kollegen verheiratet sind. Die Aufmerksamkeit, die das Werk von Joannis Avramidis auf sich gezogen hat, hat die Eigenständigkeit und Größe des bildhauerischen Schaffens seiner Frau stets überblendet. Die allzu geringe Wahrnehmung ihres Oeuvres durch die Öffentlichkeit empfand ihr Mann selbst immer als ungerechtfertigt.

Dabei gibt es an Annemarie Avramidis fünf Jahrzehnte währendem Schaffen vieles zu entdecken, das sie nicht nur von ihrem berühmten Bildhauermann abhebt, sondern sie zugleich als die legitime Erbin von Lehmbruck, Brancusi und Fritz Wotruba ausweist.

Bei letzterem war sie in den späten 1950er Jahren Meisterschülerin, nachdem sie zuvor bei Wotrubas Intimfeind Oskar Kokoschka an der Salzburger Schule des Sehens studiert hat.

Annemarie Avramidis ging es immer um den Ernst der Figur, um die Würde des Menschen. Ihr Maß war die griechische Archaik und das Verhältnis Michelangelos zum Torso: nur der unbehauene Stein, das Fragment, gibt Auskunft vom Ganzen, ja steigert dessen Ausdrucksgehalt.

Ihr bevorzugtes Material waren der Stein und die Bronze. Mit einer seltenen Sensibilität ausgestattet, was materialgerechtes Arbeiten betrifft, nützte sie die Schwere ihrer Skulptur, um den Ernst der Gestalten noch deutlicher werden zu lassen.

Privat hat Annemarie Avramidis alles getan, um ihrem Mann Joannis den Rücken frei zu halten für sein konsequentes Schaffen. Jetzt ist sie im Alter von 73 Jahren nach schwerer Erkrankung in Wien verstorben.

Ihre Werke befinden sich in vielen öffentlichen Museen, darunter in der Albertina.

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