WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wachstum ist nahe, Jammern ist abgesagt

Wer ein Unternehmen führt, muss die Mitarbeiter mitnehmen

Wien (OTS) - Es ist schon ein Jammer, wie sehr wir uns im Jahr fünf nach Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise an Plattitüden festklammern, um kein Fünkchen Licht auf die konjunkturelle Entwicklung des Landes zulassen zu wollen. Dabei ist die gute Nachricht doch gerade vor unser aller Haustür: Während nicht nur Staaten im Süden Europas - Irland wird gerne und zu Unrecht immer als besonders mustergültig behandelt, man sehe sich bloß die Wirtschaftsgeschichte an - schwer mit der Krise kämpfen, stehen Deutschland und Österreich doch recht satt da. Die Zuwachsraten sind zwar mäßig, aber auch nicht schlecht. Und wenn Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner im Interview mit dem WirtschaftsBlatt sogar an zwei Prozent Wachstum im nächsten Jahr glaubt, dann dreht sich die Welt doch recht ordentlich. Wachstum ist nahe und Sudern nicht mehr angebracht.

Die weniger gute Nachricht, die mit der guten indirekt zusammenhängt:
Die Unternehmen stehen bei Investitionen auf der Handbremse - ein Indiz für mangelndes Vertrauen in die Zukunft. Am Geldmangel sollte es nicht liegen, von Kreditklemme scheint es derzeit keine Spur zu geben. Gleichwohl muss den Unternehmen klar sein: Die Talsohle ist durchschritten, packen wir's an - mit Vertrauen in unsere Kräfte und Schwung für Innovationen.

Schauen wir uns doch ein Stück davon von den Schweizern ab. Wer hätte gedacht, dass sich die Bevölkerung mit solch großer Mehrheit (67,9 Prozent) für eine Beschränkung der Managergehälter ausspricht? Das Leben ist zum Glück immer wieder für Überraschungen gut. Eine solche ist auch die dezidierte Stellungnahme des Ministers zum Thema: Oben wie unten müsse angesetzt werden, also unten ein Mindestgehalt eingezogen und oben zu viel Gier abgedreht werden. Und trotzdem empfindet Mitterlehner das nicht als Widerspruch zu seiner Einstellung gegenüber dem Markt. Aber wer den anderen ins Boot nimmt, kann auf Verständnis hoffen. Jetzt mögen neoliberale Zungen argwöhnen: typische Wischiwaschi-Sache. Mitnichten. Denn eines ist fix: Wer ein Unternehmen führt, darf gerade in schwierigen Zeiten nicht darauf vergessen, die Mitarbeiter mitzunehmen. So ähnlich verhält es sich für Politiker gegenüber ihren Wählern. Bruno Kreisky war nicht der Einzige, der das verstanden hat. Den Menschen ist Wahrheit zumutbar, sagt Ingeborg Bachmann. Es ist so. Die Wahrheit muss aber für alle gleich sein: Und niemand soll das Gefühl haben, er allein muss den Karren ziehen und die Ärmel hochkrempeln - gilt wieder für Politik wie Wirtschaft.

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