"Refuge du Goûter" am Mont Blanc

Schwindelerregende Arbeitsbedingungen auf Europas höchster Baustelle

Wien (OTS) - Europas höchste Baustelle in 3.855 Metern Höhe ist abgeschlossen und wartet auf die ersten Besucher. Aus 150 Tonnen Holz entstand das "Refuge du Goûter" - ein Refugium für Kletterer am Weg zur Spitze des Mont Blanc. Die Errichtung des futuristisch anmutenden Gebäudes forderte von den Arbeitern am Bau genauso wie von den Materialien Höchstleistungen.

Beinharte Knochenarbeit war für die Errichtung des höchstgelegenen französischen Schutzhauses an der Bergkante der "Aiguille du Goûter" notwendig. Denn am Dach Europas herrschen widrigste Bedingungen:
Windböen von bis zu 300 km/h und Temperaturspitzen von minus 25Grad Celsius. Nur unter Einsatz all ihrer Kräfte gelang es den Arbeitern, in drei Jahren die neue Berghütte des französischen Alpenvereins zu erbauen.

Topfit für extremen Montage-Einsatz

Das ovale, vierstöckige Gebäude steht nur zur Hälfte auf festem Grund; der Rest ruht auf Stahlstützen. Nicht zuletzt deshalb wurden die Bauarbeiten zu einer spektakulären Herausforderung, bei der Schwindelfreiheit das oberste Gebot war. "Wir mussten uns einer ärztlichen Untersuchung unterziehen, ob wir fit genug sind, in dieser Höhe in Kälte und bei dünner Luft zu arbeiten", schildert Jakob Swane Lund, Leiter des VELUX-Teams, die speziellen Vorbereitungen, welche die erschwerten Bedingungen erforderten. "Allein die paar hundert Meter zwischen dem alten Haus, in dem wir wohnten, zur Baustelle stellten eine Herausforderung dar. Wir hatten Spikes an den Schuhen und brauchten manchmal Eispickel, um dorthin zu gelangen."

Harte Arbeits-Bedingungen am "Dach Europas"

Um in der neuen Berghütte für ausreichend Tageslicht und frische Luft zu sorgen, wurden 55 Dachflächenfenster eingeplant. Damit diese auch allen Klima- und Wetterbedingungen in 3.855 Metern Höhe standhalten, wurde die Verglasung sorgfältig ausgewählt. Zusätzlich mussten sich die Gläser noch dem atmosphärischen Druck in dieser extremen Höhe anpassen und wurden deshalb eine Woche vor der Montage auf der Baustelle gelagert. Wegen der besonderen Bauweise montierten die Techniker die Fenster von außen in das Gebäude: Dazu war es notwendig, dass diese ein Gerüst bestiegen, das vor einem Abgrund von 800 Metern befestigt war.

Neue Maßstäbe für die Bautechnologie

Fünf Jahre Planung und drei Jahre Bauzeit waren notwendig, bis die neue Berghütte im August 2012 die ersten Bergsteiger im Testlauf empfing. Den Auftrag für die Realisierung des neuen, zukunftsweisenden "Refuge du Goûter" erhielten der Architekt Hervé Dessimoz und der Holzbauingenieur Thomas Büchi, da das alte Gebäude für die große Anzahl der Besteiger des Mont Blanc zu klein geworden war. Sie waren der besonderen Herausforderung an die Ingenieurs- und Holzbautechnologie gewachsen und brachten das notwendige Know-how für energieeffizientes Bauen mit. Das "Refuge du Goûter" setzt trotz der außergewöhnlichen Lage dank Solarenergie, der passiven solaren Gewinne über die Dachflächenfenster und der Schmelzwassergewinnung neue Maßstäbe in der Energieeffizienz. Nach der Eröffnung im Frühsommer 2013 bietet es Platz für 120 Übernachtungsgäste sowie 60 Tagesgäste.

Daten und Fakten zum "Refuge du Goûter"

  • 3.855 Meter Seehöhe
  • Windstärken von bis zu 300 km pro Stunde
  • Jahresdurchschnittstemperatur von -7Grad C und Tiefsttemperaturen von bis zu -25Grad C
  • 150 Tonnen Holz für die Brettschichtholz-Konstruktion
  • 55 VELUX-Dachfenster dreifachverglast mit zusätzlicher 8 mm Glasschicht
  • 97m2 Photovoltaikanlage
  • 54 m2 Solarthermiepaneele in der ovalen Gebäudehülle
  • 3.000 Helikopterflüge mit je 500 kg pro Flug in der Bauphase
  • Gesamtbruttokosten: 7,3 Millionen Euro
  • Architekt: Hervé Dessimoz, Groupe H, Paris/Décalage Architecture, Chamonix
  • Holzbauingenieur: Thomas Büchi, Charpente Concept, Paris

http://www.refugedugouter.fr/

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