Gewalt gegen Baha'i im Iran von Regierung abgesegnet

Neue Dokumentation über Menschenrechtsverletzungen im Iran

Wien/Genf (OTS) - Gewalt gegen Baha'i im Iran, die größte religiöse Minderheit des Landes, bleibt straflos. Ein soeben von der Internationalen Baha'i-Gemeinde veröffentlichter Bericht dokumentiert hunderte Fälle von Folter, körperlichen Angriffen, Brandschatzungen, Schändungen von Friedhöfen und Misshandlungen von Schulkindern. Keine der Gewalttaten wurde strafrechtlich verfolgt.

Der Bericht dokumentiert 52 Fälle im Zeitraum 2005 bis Ende 2012, wo Baha'i gefoltert oder in Einzelhaft gehalten wurden. Weitere 52 Fälle, wo Baha'i misshandelt wurden - sei es von Regierungsbeamten, Geheimdienstlern in Zivil oder nicht identifizierten Angreifern -wurden ebenfalls dokumentiert. Der Bericht behandelt ferner 49 Fälle von Brandstiftungen gegen Wohnungen und Geschäfte von Baha'i sowie über 30 Fälle von Vandalismus und mindestens 42 Fälle von Schändungen oder Zerstörung von Baha'i-Friedhöfen.

"Der Bericht zeigt auf, dass die Übergriffe gegen die Baha'i von Agenten der Regierung eingefädelt wurden und die Behörden und die islamische Geistlichkeit im Iran dazu ermutigen", sagte Diane Ala'i, Vertreterin der Internationalen Baha'i-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in Genf.

Die österreichischen Baha'i sind wegen der Verfolgung der Baha'i-Gemeinde im Iran alarmiert und haben sich an das Außenministerium in Wien um Hilfe gewandt, wie die Sprecherin der Baha'i in Österreich, Ottilie Käfer, mitteilte.

Verfolgung hat System

Seit Gründung der Islamischen Republik Iran werden die Baha'i systematisch verfolgt. Seit 1979 wurden über 200 Baha'í hingerichtet. Zehntausende verloren ihre Arbeit. Und Tausenden von jungen Baha'i wurde das Universitätsstudium verweigert. Weltweite Empörung hat 2011 die Verhaftung von Personen hervorgerufen, die für das Baha'i Institute for Higher Education tätig waren. Dabei handelt es sich um eine von Baha'i initiierte Fernuniversität, die mit ausländischen Universitäten zusammenarbeitet und den Baha'i im Iran, denen wegen ihres Glaubens der Zugang zu den Universitäten im Iran verwehrt bleibt, ein Studium zu ermöglichen.

Seit August 2004 bis Ende 2012 wurden über 677 Baha'i verhaftet. Derzeit sind etwa 107 Baha'i wegen ihrer Religion in Haft. 550 Personen warten auf ein Urteil bzw. Gerichtsverfahren.

Eine wichtige Rolle bei der Verfolgung der Baha'i spielen regierungsnahe Medien mit Hetzartikeln gegen die Baha'i und ihren Glauben, wie die Dokumentation hervorhebt.

Der Bericht geht auch auf die Verhaftung von Christen ein und verweist ferner auf die Verfolgung von iranischen Journalisten, Menschenrechtsverteidigern, Frauenaktivistinnen und die Diskriminierung von Arabern, Azeris, Belutschen und Kurden.

Der im 19.Jahrhundert im Iran von Baha'u'llah (1817-1892) gestiftete Baha'i-Glaube betrachtet Mohammed nicht als den letzten Propheten. Deshalb wird den Baha'i "Abtrünnigkeit vom Islam" vorgeworfen, und sie sind im Gegensatz zu Christen, Juden und Zoroastriern nicht als geschützte religiöse Minderheit anerkannt. Damit werden die Repressionen legalisiert und mit angeblicher "Gefährdung der nationalen Sicherheit" begründet. Dabei sind die Baha'i im Iran wie weltweit als eine friedfertige Religionsgemeinschaft bekannt, die sich gemäß ihren Glaubenslehren nicht in die Politik einmischt und Gewaltlosigkeit praktiziert.

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Baha'i-Religionsgemeinschaft in Österreich
Ottilie Käfer, Pressesprecherin Baha'i Center Austria
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