Brennpunkt Bildgebung: MRT-PET: Ist die Euphorie berechtigt?

Wien (OTS) - 11. März 2013
Die Möglichkeiten, die sich aus der Kombination von Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit der Magnetresonanztomographie (MRT) ergeben, begeistern Mediziner seitdem diese Technik vorgestellt wurde. Aber nach wie vor, so Professor Heinz-Peter Schlemmer, Leiter der radiologischen Abteilung am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, sind die klinischen Vorteile im Alltag unklar und auch die Nachteile sollten offen diskutiert werden.

Kombination von anatomischer und funktionaler Bildgebung ohne ionisierende Strahlung

Es bestehe ein großes Interesse an der Chance, morphologische und funktionelle Informationen mit nur einer Methode zu erheben, eine Leistung an der die Forschung die letzten drei Jahrzehnte unermüdlich gearbeitet hat, so Prof. Schlemmer in der New Horizons Session, die am Samstag am European Congress of Radiology stattfand.
"Der erste große Schritt zur Kombination von anatomischer und funktionaler Bildgebung war sicherlich die Vereinigung von Computertomographie (CT) und PET zur PET-CT im Jahr 2000. Die MRT garantiert eine hohe Raum- und Kontrastauflösung, neben der Möglichkeit auch funktionelle Informationen darzustellen, und das Ganze auch ohne ionisierende Strahlung. Die Kombination von PET und MRT war technisch gesehen eine große Herausforderung und fand ihr Finale 2006 mit dem ersten Scan eines menschlichen Gehirns mittels PET-MRT. Mittlerweile sind diese Geräte auf dem Markt erhältlich und von besonderem Interesse für neurologische, kardio-vaskuläre und onkologische Fragestellungen", so Prof. Schlemmer.

Neue Technologie erleichtert Auffindung von Tumoren

Mittels PET-MRT Geräten kann zum Beispiel das Auffinden von Tumoren erleichtert werden, da den RadiologInnen sowohl morphologische als auch funktionelle Bilder, in konkurrenzloser Genauigkeit, zur Verfügung stehen. Professor Schlemmer hat, anhand vieler Vergleichsstudien zwischen Ganzkörper MRT und PET-CT zur Auffindung solider Tumoren, gezeigt, dass zwar alle diese Methoden je nach Beschaffenheit des Tumors hervorragend geeignet sind, MRT und PET aber die höchste Genauigkeit aufweisen.
"Interessanterweise kamen die relevanten Informationen entweder von MRT oder PET Studien und die CT war meist nicht im gleichen Maße relevant. So dachten wir auch in Folge, dass eine Kombination beider Methoden ideal sein müsste, um Tumoren zu entdecken und zu klassifizieren. Der Tumor kann mit der besten anatomischen Auflösung, gewährleistet durch die MRT, dargestellt werden und dann können in Addition hierzu Stoffwechselprozesse und Informationen über die Membran-Rezeptoren mittels PET erhoben werden. Es kommt hier also zu einer Steigerung der Genauigkeit und Sensibilität bei der Tumorerkennung", erklärt Prof. Schlemmer.

Simultane Bildgebung mit PET-MRT noch nicht im klinischen Alltag integriert

Nichtsdestotrotz muss man abwarten, ob die simultane Bildgebung mit PET-MRT eine höhere Genauigkeit bringt als eine anschließende Sequenzierung und wie hoch der Mehrwert gegenüber der etablierten Methode der PET-CT ausfällt und vor allem, für welche Anwendungen dieser besteht.
"Die anfängliche Euphorie über die medizinischen Aussichten zur Abklärung diverser Krankheiten mittels dieser neuen Methode ist verständlich, je weiter diese Kombination reift. Aber auch die Kritik ist nach wie vor gerechtfertigt, da eine neue, sei sie noch so vielversprechende Technologie, nicht in den klinischen Alltag implementiert werden kann, ohne dass vorher Fakten wie diagnostische Genauigkeit, der Einfluss auf das Therapiemanagement und auch wirtschaftliche Effizienz durch wissenschaftliche Studien sorgfältig geprüft und diskutiert worden sind", so Prof. Schlemmer.
Sowohl die Möglichkeiten als auch die Bedenken bezüglich PET-MRT müssen sorgfältig abgewogen werden und aus wissenschaftlicher, medizinischer und wirtschaftlicher Perspektive gleichwertig beurteilt werden, fasst Prof. Schlemmer abschließend zusammen.

Heute letzter Tag: Seit 07. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen

Beim 25. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 07. bis 11. März 2013 im Austria Center in Wien tauschten auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten aus, und präsentierten die neuesten Erkenntnisse der Forschung.
Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 56.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

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