TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Eine ganz gewöhnliche Altpartei", von Wolfgang Sablatnig

Ausgabe vom 11. März 2013

Innsbruck (OTS) - Heinz-Christian Strache und seine FPÖ hatten sieben Jahre lang keine Wahlen verloren - bis zum Sonntag vor einer Woche in Niederösterreich und Kärnten. Den Umgang mit Niederlagen muss Strache aber erst wieder lernen.

Heinz-Christian Strache hat mit seiner FPÖ schon schwere Zeiten durchgemacht. Als er die Partei im Frühjahr 2005 übernahm, schienen die Blauen am Ende. Jörg Haider und sein BZÖ nahmen fast den ganzen Parlamentsklub mit, die Schulden ließen sie zurück.
Die Landesorganisationen - außer Kärnten - hielten aber den Blauen die Treue. Und schon bei der Nationalratswahl 2006 konnten die Freiheitlichen trotz der neuen Konkurrenz im rechten Lager ihr Ergebnis von 2002 sogar leicht ausbauen - und von da an gab es nur noch Wahlsiege. Ein Minus wie in Kärnten und Niederösterreich gab es seither nie.
Und die Reaktion auf die Niederlagen? Die Blauen, die so gerne anders wären, machen es wie die von ihnen sonst so bekämpften "Altparteien". Rücktritte, um damit die Verantwortung für die Niederlage zu übernehmen? Bestenfalls in Kärnten - und auch das nur halbherzig.
Aber in Niederösterreich darf Barbara Rosenkranz vorerst Parteiobfrau bleiben, obwohl Strache persönlich ihr den Abgang nahegelegt hatte. Rosenkranz habe einen angriffigen Geschäftsführer zur Seite gestellt bekommen, mehr sei mangels personeller Alternativen nicht möglich gewesen, wird in der Parteizentrale beteuert - ein Eingeständnis einer dünnen Personaldecke und mangelnden Durchsetzungsvermögens, angesichts dessen der Führungsanspruch für die Nationalratswahl zur hohlen Phrase wird. Jörg Haider hat in derartigen Situationen seine "Königskobra" losgeschickt. Doch von so viel Macht kann Strache nur träumen.
Umso realer sind die Gründe für Straches Nervosität. Für einen Erfolg im Herbst braucht er gute Ergebnisse in beiden Ländern, in denen vor einer Woche gewählt wurde. In Niederösterreich, weil es so groß ist. Und in Kärnten, weil erst ein starkes Ergebnis im Süden dem Dritten Lager einen Höhenflug bescheren kann.
Mit dem Einstieg Frank Stronachs in die Politik hat Strache zudem das Monopol auf Protest und Populismus auch bundesweit verloren. Es ist jetzt möglich, "denen da oben" eins auszuwischen, ohne gleich Hetze und Ausländerfeindlichkeit unterstützen zu müssen.
Strache muss das Ruder rasch herumreißen. Schon in knapp zwei Monaten wählen Tirol und Salzburg. Setzt sich dort die Abwärtsbewegung fort, kann er sie auch bis zur Nationalratswahl im Herbst kaum stoppen. Den Umgang mit Niederlagen muss er aber erst wieder lernen.

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