TIROLER TAGESZEITUNG vom 9. März 2013 Leitartikel von Mario Zenhäusern - Laues Lüfterl statt blauer Rückenwind

Innsbruck (OTS) - Utl: Nach den desaströsen Niederlagen vom Sonntag wächst die Kritik der Parteibasis an FPÖ-Chef Strache. Erfolge bei den Landtagswahlen in Salzburg und Tirol würden die Gegner verstummen lassen - sind aber nicht in Sicht.

Nach der Wahl ist bekanntlich vor der Wahl. Das gilt auch für die FPÖ. Das Desaster in Kärnten und die empfindliche Niederlage in Niederös terreich haben die erfolgsverwöhnten Blauen vor den beiden ausstehenden Landtagswahlen in Tirol und Salzburg und der das Superwahljahr abschließenden Nationalratswahl auf den Boden der Realität zurückgeholt. Die Höhenflüge vergangener Jahre, die Zeiten, in denen ein siegestrunkener Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache die anderen Parteien wie Hasen vor sich hertrieb - all das ist vorbei. Und beim Gedanken an die bevorstehenden Aufgaben geraten selbst die sonst selten schmähstaden Parteistrategen ins Grübeln. Der freiheitliche Sinkflug ist untrennbar mit dem Auftauchen neuer Gruppierungen verbunden. Bisher hat die FPÖ einen Teil jener Stimmen einkassiert, die SPÖ und ÖVP je länger, je mehr abhandenkamen. Seit dem Auftauchen von Frank Stronach und weil gleichzeitig BZÖ-Chef Josef Bucher hartnäckiger als erwartet ums politische Überleben strampelt, ist Strache nicht mehr der einzige Hecht im Karpfenteich der Proteststimmen, sondern einer von vielen.
Diese schwierige Ausgangslage scheint auch bei Strache Wirkung zu zeigen. Er ist ganz offensichtlich angeschlagen. Nicht zuletzt, weil seine Versuche, in den am Sonntag vernichtend geschlagenen Landesorganisationen den starken Mann zu markieren, kläglich fehlgeschlagen sind. In Kärnten ließ ihm der neue Parteichef
Chris tian Ragger ausrichten, dass er nichts von einer Vereinnahmung der Landesgruppe durch die Bundespartei hält, in Niederösterreich scheiterte der Parteichef zuletzt mit dem Versuch, die freiheitliche Rechtsaußen-Ikone Barbara Rosenkranz an der Spitze der Landespartei abzulösen.
Vor den Nationalratswahlen braucht HC Strache also unbedingt einen zählbaren Erfolg, will er sich im Herbst als wählbare Alternative präsentieren. Kein leichtes Unterfangen. In Salzburg wird FPÖ-Chef Karl Schnell im Duell zwischen SPÖ und ÖVP zerrieben und in Tirol ist die Konkurrenz größer als anderswo. Zwar haben SPÖ, Grüne, FPÖ, Bürgerforum, Fritz Gurgiser und sein Team, das Duo Pfurtscheller/Gatt, das Team Stronach, Vorwärts Tirol, Kommunisten und Piraten die Parole "Alle gegen die ÖVP" ausgegeben. Weil eine derart überparteiliche Kooperation unrealisierbar ist, wird daraus wohl ein "Jeder gegen jeden" werden. Der starke Rückenwind, den sich Strache aus Tirol erhofft, droht angesichts der Vielzahl der Gegner zum lauen Lüfterl zu verkommen.

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