Eröffnung des 2. Humanitären Kongresses in Wien durch EU-Kommissarin Georgieva

Wien (OTS) - Der 2. Humanitäre Kongress findet heute - am Weltfrauentag - in den Festsälen der Universität Wien statt. Unter dem Motto "Gender matters! Warum das Geschlecht eine Rolle spielt" stehen 30 nationale und internationale ExpertInnen der Humanitären Hilfe rund 400 Gästen Rede und Antwort. Der Kongress soll den Stellenwert der Humanitären Hilfe unter EntscheidungsträgerInnen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene aufwerten.

Stichwort Weltfrauentag: Wie wirksam können humanitäre Einsätze ohne Berücksichtigung der Geschlechterbedürfnisse sein? Der Kongress widmet sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig den unterschiedlichen Bedürfnissen von Frauen und Männern - sowie Menschen mit Behinderungen - in Krisen und Katastrophen. Diese Bedürfnisse, die die internationale Humanitäre Hilfe berücksichtigen muss, waren auch das Thema der Eröffnungsrede von Kristalina Georgieva, EU-Kommissarin für Humanitäre Hilfe und Krisenschutz. Im Anschluss an die Eröffnungsrede fand eine Pressekonferenz statt.

Georgieva: Gender-Berücksichtigung ist wesentlich für den Erfolg humanitärer Einsätze

Die EU-Kommissarin für internationale Zusammenarbeit, Humanitäre Hilfe und Krisenreaktion betont: "Ich freue mich sehr, am Zweiten Humanitären Kongress teilnehmen zu können. Durch die Wahl des Mottos "Gender Matters" wird ein wichtiger Aspekt der Humanitären Hilfe behandelt, der selten im Fokus der medialen Aufmerksamkeit steht. Die Berücksichtung der Bedürfnisse von Frauen und Mädchen sowie Jungen und Männern ist ein wesentliches Element bei der effizienten und wirksamen Durchführung Humanitärer Hilfe. In ihrer humanitären Arbeit bemüht sich die Europäische Kommission, systematisch geschlechtsspezifische Aspekte zu berücksichtigen. Unsere Expertise wird bald in einem Strategiepapier, das den Genderansatz der EU bei humanitären Interventionen erläutert, veröffentlicht werden."

Santner: Höhere Dotierung für Auslandskatastrophenfonds dringend nötig

Kritik an der Situation der Humanitären Hilfe in Österreich äußert bei der Pressekonferenz das Österreichische Rote Kreuz. "Kaum ein Land in der Europäischen Union stellt weniger Geld für Humanitäre Hilfe bereit, als Österreich", sagt Max Santner, Leiter der Internationalen Zusammenarbeit beim Österreichischen Roten Kreuz. "Der Auslandskatastrophenfonds ist lediglich mit fünf Millionen Euro dotiert. In Anbetracht der zahlreichen Notlagen und Katastrophen auf der Welt ist das für ein wohlhabendes Land wie Österreich zu wenig. Unsere Forderung ist, dass dieser Fonds mit 20 Millionen Euro dotiert wird. Österreich will in Fragen der Menschenrechte und der Humanitären Hilfe international eine Rolle spielen. Mit mehr Engagement in diesen Bereichen könnte Österreich in der Europäischen Union ein positives außenpolitisches Profil entwickeln."

Jancsy: Bedürfnisse der Menschen müssen im Mittelpunkt stehen Auch Ärzte ohne Grenzen kritisiert den Zustand der österreichischen Humanitären Hilfe. Die chronische Unterfinanzierung, der Mangel an Struktur sowie die Intransparenz bei der Mittelvergabe der staatlichen humanitären Hilfe hat Ärzte ohne Grenzen vergangenes Jahr dazu bewogen, die Akkreditierung bei der Austrian Development Agency zurückzuziehen, sagt Kommunikationsleiterin Irene Jancsy.
"In der humanitären Hilfe dürfen einzig die Bedürfnisse der betroffenen Menschen im Mittelpunkt stehen", betont Jancsy und verweist auf ein aktuelles Beispiel: "In Syrien ist die humanitäre Lage katastrophal, medizinische Einrichtungen sind zum militärischen Ziel geworden und die Hilfe für die Bevölkerung wird auf beiden Seiten den politischen Agenden untergeordnet."
In den von der Opposition kontrollierten Gebieten - wo Ärzte ohne Grenzen ohne Genehmigung der Regierung drei Krankenhäuser eröffnet hat - ist die internationale Hilfe stark eingeschränkt. Ärzte ohne Grenzen ruft alle Konfliktparteien in Syrien dazu auf, eine Übereinkunft auszuhandeln, damit unparteiliche Hilfe die Menschen im ganzen Land erreicht.

Die Kongressthemen: Von Flüchtlingscamps bis Menschen mit Behinderungen

Weitere Themen, die im Rahmen des Kongresses in einzelnen Panels präsentiert und diskutiert werden, sind: Sicherheit in grenznahen Flüchtlingscamps, Herausforderungen in der medizinischen Versorgung, Menschen mit Behinderungen in Katastrophen, die Beziehung zwischen humanitären Organisationen und Medien, Sicherstellung der reproduktiven Gesundheit in Konflikten und Krisen, sowie Frauen als humanitäre Helferinnen.

Der Kongress wird von Ärzte ohne Grenzen, CARE, Caritas, Diakonie, HOPE'87, Jugend Eine Welt, Licht für die Welt, dem Österreichischen Roten Kreuz, World Vision sowie der AG Globale Verantwortung und dem Institut für Internationale Entwicklung der Uni Wien organisiert.

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