Jahrespressekonferenz des Presserats: 2012 wurden 145 Fälle behandelt

Wien (OTS) -

Fallstatistik

Der Presserat präsentierte heute bei einer Pressekonferenz seinen Tätigkeitsbericht für das Jahr 2012.
Die beiden Senate des Presserats behandelten im vergangenen Jahr 145 Fälle, in elf Fällen stellten sie medienethische Verstöße fest (zum Vergleich: 2011 gab es in neun von 80 Fällen Ethikverstöße). Nachfolgend die Fallzahlen 2012 für einzelne Medien und in Klammer dazu jeweils die medienethischen Verstöße: "Kronen Zeitung" 16 Fälle (4), "Österreich" 15 (2), "Kleine Zeitung" 15 (0), "Heute" 12 (2), "Der Standard" 11 (1), "Kurier" 7 (0), "Die Presse" 5 (0), "Salzburger Nachrichten" 5 (0), "Tiroler Tageszeitung 4 (0), "Zur Zeit" 2 (1).
Oscar Bronner, Präsident des Presserats, zu den statistischen Daten:
"Der Presserat ist bei den Leserinnen und Lesern bekannter geworden und wird von ihnen stärker genützt. Von den 145 Fällen des Jahres 2012 gingen 138 auf Eingaben von außen zurück."

Neue ethische Regeln

Im vergangenen Jahr kam es auch zu zwei wichtigen Änderungen des Ehrenkodex, jener ethischen journalistischen Prinzipien, die die Entscheidungsgrundlage für die Presseratssenate sind. Erstens wurde ein neuer Punkt 11 in den Ehrenkodex aufgenommen, wonach Berichterstattung über Suizide große Zurückhaltung gebietet. Zweitens wurde ein neuer Punkt 7.3 eingeführt, der verdeckte Recherchen in Einzelfällen zulässt, wenn ein Journalist Informationen von besonderem öffentlichen Interesse beschafft. Schließlich wurde eine Richtlinie mit ethischen Regeln zur Finanz- und Wirtschaftsberichterstattung beschlossen.

Konkrete medienethische Verstöße des Jahres 2012

Die Senate erkannten u.a. in folgenden Fällen auf einen Verstoß gegen den Ehrenkodex: Berichte über Gerüchte, wonach eine mutmaßliche Straftäterin in Pornofilmen mitgewirkt haben soll; die nicht ausreichende Kennzeichnung der Finanzierung einer Artikelserie in einer Tageszeitung durch das Land Steiermark; die Verwendung des Begriffs "Neger" für straffällig gewordene schwarze Asylwerber; die Forderung in einer Kolumne, den Chefredakteur des "Kurier" durch einen "Hegeabschuss" abzusetzen; die irreführende Darstellung der Gehälter von Ärztekammerfunktionären in einer Ärztezeitschrift; die Veröffentlichung eines Fotos der Leiche eines mutmaßlichen Straftäters; ein nicht ausreichend recherchierter Bericht über angebliche "Inzest-Babys" von Migranten.
Einige Fälle betrafen Berichte über Suizide. In einem dieser Fälle stellte der Senat 2 einen ethischen Verstoß fest, da Details aus dem Privatleben des Verstorbenen geschildert und der Zustand seines Leichnams nach dem Suizid beschrieben wurden.

Den Tätigkeitsbericht 2012 finden Sie unter www.presserat.at.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Alexander Warzilek, Geschäftsführer des Presserats, Tel.: 01-2369984-01

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