Grüne Wien: Absage von Echo-Nominierung für Rechtsrock-Band sollte auch Wiener Veranstaltern zu denken geben

Was in Deutschland gilt, sollte auch für Österreich selbstverständlich sein

Wien (OTS) - Der Kultursprecher der Grünen Wien, Klaus Werner-Lobo kommentiert heute die Absage der Nominierung der Südtiroler Rechtsaußenrock-Band "Frei.Wild" für den deutschen Musikpreis Echo:
"In Deutschland gibt es einen antifaschistischen Grundkonsens und eine starke Solidarisierung gegen Gruppen, die mit rechtsradikalem Gedankengut spielen. In Wien gibt es Veranstalter, die Subventionen von der Stadt erhalten und dann die Geschmacklosigkeit besitzen, ausgerechnet am Jahrestag des Novemberpogroms (9. November 2012) Rechtsaußen-Rock zu programmieren."

Die Grenze zwischen eindeutigen Neonazi-Bands und Identitätsrock-Bands wie Frei.Wild sei fließend, sagt der Rechtsextremismusexperte Thomas Kuban, der jahrelang im Neonazi-Mileu recherchiert und vor wenigen Monaten das viel beachtete Buch "Blut muss fließen: Undercover unter Nazis" publiziert hat. In Neonazi-Foren werde die Band ständig gelobt, so Kuban. In der von "Frei.Wild" besungenen Welt sind die Straßen "frei von Perversen und Chaoten". In einem Nazi-Forum erklärt sich, warum die Band bei Neonazis so beliebt ist: "Sie hatten immer ihren patriotischen Standpunkt in den Texten. Das finde ich sehr hilfreich im nationalen Sinne, denn damit erreichen sie gut normale Leute, welche dadurch schneller ihre Vorbehalte gegenüber Nationalstolz verlieren." Experte Kuban kritisiert an Frei.Wild den Hass auf Andersdenkende, auf "Gutmenschen und Moralapostel" sowie geschichtsrevisionistische Fragmente.

"Die meisten Bands und Auftrittsorte in Wien müssen ohne oder mit viel zu geringen Subventionen auskommen", so Werner-Lobo. "Vor allem für junge und innovative KünstlerInnen und VeranstalterInnen ist es schwer, von ihrer Kunst leben zu können. Ich setze mich weiter dafür ein, dass die finanzielle Unterstützung der Stadt die ganze Vielfalt der Musik-Branche widerspiegelt. Und ich setze mich weiter dafür ein, dass Musikgruppen, die mit Hass, Rechtsextremismus, Homophobie und Sexismus ihr Geld verdienen, dies ohne Unterstützung der Stadt Wien machen müssen. Es würde mich interessieren, wer diese bei Neonazis so beliebte Band ausgerechnet am Gedenktag jenes Datums programmiert, an dem das nationalsozialistische Terrorregime den systematischen Massenmord und die Zerstörung jüdischer Kultureinrichtungen begonnen hat", so Werner-Lobo abschließend.

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