GLOBAL 2000 hat Hinweise auf zentrale Rolle Österreichs bei Abschwächung des Kommissionsvorschlags

Bienensterben: Agrar-Lobby will Verbot von bienengiftigen Pestiziden verhindern

Wien (OTS) - Ein der österreichischen Umweltorganisation GLOBAL 2000 vorliegender Brief der europäischen landwirtschaftlichen Dachorganisation COPA-COGECA gibt besorgniserregende Einblicke in die Verhandlungen um das Anwendungsverbot bienengiftiger Pestizide, das am 14. März abgestimmt werden soll. Anstelle des von der EU-Kommission vorgeschlagenen Verbots für all jene Pestizidanwendungen, denen die Zulassungbehörde EFSA ein "nicht akzeptables Risiko für Bienen" attestiert hatte, drängt die Agrar-Lobby auf "mögliche wirksame Abmilderungsmaßnahmen" zum Schutz der Bienen.

Als Vorbild für die Wirksamkeit solcher Abmilderungsmaßnahmen soll Österreich mit seinem MELISSA-Projekt herhalten. "Das ist an Absurdität nicht mehr zu überbieten!" sagt Dr. Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000. "Die in Österreich 2009 eingeführten "Abmilderungsmaßnahmen" konnten das Bienensterben nicht im Geringsten aufhalten. Den österreichischen Imkern sterben weiterhin Jahr für Jahr die Bienen weg. Am stärksten grassiert das Bienensterben in den Regionen, wo unter Einsatz dieser bienengefährlichen Pestizide intensiv Mais angebaut wird, trotz dieser Abmilderungsmaßnahmen."

Denn im Gegensatz zu Deutschland, Slowenien und Italien, wo diese Mittel seit 2008 verboten sind, setzt Landwirtschaftsminister Berlakovich in Österreich auf niedrigere Grenzwerte für den sogenannten "Abrieb" des Pestizidstaubs und auf spezielle Auflagen, welche die Staubbildung bei der Aussaat verringern sollen. Die fehlende Wirksamkeit dieser Maßnahmen ist mittlerweile auch durch das umfassende italienische Forschungsprojekt APINET wissenschaftlich bestätigt und schlüssig erklärt worden. Nichtsdestotrotz werden Vertreter der Landwirtschaftskammern nicht müde, diese Abmilderungsmaßnahmen als effektiv und ausreichend darzustellen. Der ÖVP-Umweltsprecher und niederösterreichische Landwirtschaftskammerpräsident Hermann Schultes ging Ende Jänner sogar soweit, Österreich als "Vorreiter und Vorbild für alle EU-Länder im Bienenschutz" zu bezeichnen. Helmut Burtscher erklärt:
"Was viele Beobachter damals als hartnäckige Realitätsverweigerung eines Unbelehrbaren abgetan haben - zumal die Unzulänglichkeit der österreichischen Vorgehensweise wenige Tage zuvor durch die EFSA -Stellungnahme offengelegt wurde - muss angesichts der aktuellen Entwicklungen als integraler Baustein einer Strategie der europäischen Agrar-Lobby angesehen werden. Ziel ist es, die bienengefährlichen Pestizide um jeden Preis am Markt zu halten."

"Berlakovich, der nicht müde wird, Österreich als vorbildliches Umweltmusterland anzupreisen, muss sich endlich aus der Umklammerung der Landwirtschaftskammern lösen und seine Verantwortung als Umwelt -und Landwirtschaftsminister wahrnehmen, um diesem Spuk ein Ende zu bereiten", sagt Burtscher.

Der Österreichische Imkerbund hat auf Anfrage von GLOBAL 2000 klargestellt, dass "sich der österreichische Weg als untauglich zum Schutz der Bienen erwiesen hat. Nur der Anwendungsverzicht schützt die Bienen." Dies hat der Imkerbund in einem offiziellen Schreiben dem zuständigen EU-Kommissar Toni Borg mitgeteilt.

GLOBAL 2000 hat vor zwei Tagen eine Petition an Minister Berlakovich lanciert, in der dieser aufgefordert wird, für die von der EU-Kommission vorgeschlagene Anwendungsverbote einzutreten. Bis dato haben schon 4.000 Menschen diese Forderung unterschrieben.

Das Schreiben der COPA-COGECA steht auf www.global2000.at als Download zur Verfügung.

Bei Rückfragen:
DI Dr. Helmut Burtscher, GLOBAL 2000, +43 699 14 2000 34
Mag. Maximilian Liedlbauer, Obmann des Österr. Imkerbundes, +43 664 733 44 540

Rückfragen & Kontakt:

GLOBAL 2000
Nunu Kaller
Pressesprecherinnen
Tel.: +43 699 14 2000 26 / +43 699 14 2000 20
presse@global2000.at
www.global2000.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GLL0001