Gewalt in der WG der Stadt Graz: Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark zeigt auf

Graz (OTS) - Leider gibt es immer wieder untragbare Zustände gerade in den Einrichtungen, die dem Schutz der Kinder dienen sollen. Die Empörung ist berechtigt, aber man darf nicht bei ihr stehenbleiben, sondern in aller Gründlichkeit dahinter blicken, Defizite aufdecken und an einem nachhaltigen Kinderschutz arbeiten. Sofortmaßnahmen sind nur Symptombekämpfung, dienen jedoch nicht der Nachhaltigkeit. An einem starken Kinderschutz zu arbeiten heißt, unter Einbeziehung aller - Professionist/innen und Betroffenen - gemeinsam analysieren, reden und planen. Studien und Konzepte, die gut dokumentieren, was Kinderschutz braucht, gibt es genug - "Es braucht nur die nötigen Ressourcen und vor allem den politischen Willen zur Umsetzung eines nachhaltigen Kinderschutzes" betont Kinder- und Jugendanwältin Brigitte Pörsch.

Alle beteiligten Minderjährigen der WG - Opfer und Täter - sind, mit vermutlich unterschiedlicher Traumatisierung, Klientinnen und Klienten der Jugendwohlfahrt, unter deren Schutz und in deren Betreuung. Sozialarbeit heißt unter anderem: Kontakt aufnehmen, Beziehung pflegen, Vertrauen aufbauen, Entwicklungsmöglichkeiten fördern und erweitern. Eine der Fragen, mit denen man sich in diesem speziellen Fall und überhaupt immer wieder auseinandersetzen muss, lautet: Warum konnte diese Vertrauensbeziehung nicht aufgebaut werden. Und "man sich muss in Besonderem die strukturellen Bedingungen, unter denen Jugendwohlfahrtsarbeit stattfindet bzw. stattfinden muss, genauer ansehen", so Kinder- und Jugendanwältin Brigitte Pörsch. Die Zeit für den persönlichen Kontakt mit den Klientinnen und Klienten - wohl die zentrale und ureigenste Aufgabe von Sozialarbeit - wird durch steigende Fallzahlen, hohen Dokumentationsaufwand, einen Mangel an (qualifiziertem) Personal, die Einführung von Standards vor der Schaffung der dafür notwendigen Arbeitsbedingungen und Ressourcen, ... deutlich eingeschränkt. Nicht ein Mehr an Kontrolle und Dokumentation schaffen in dieser Arbeit Sicherheit, sondern die Entwicklung einer guten Vertrauensbasis, in der sich Kinder und Jugendliche den Sozialarbeiter/innen, Pädagog/innen, Betreuer/innen, ... anvertrauen können. Und es müssen endlich die Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, die es braucht, um an Beziehungen zu arbeiten. Zudem muss an den strukturellen Bedingungen gearbeitet werden, die mitunter auch Gewalt bedeuten.

Das Netzwerk gegen sexualisierte Gewalt in der Steiermark entwickelte vor Jahren Standards zum Thema "Gewalt in Institutionen". Diese liegen trotz damaliger Aufforderung an die Politik, sich damit auseinanderzusetzen, in einer der vielen Schubladen. Es scheint wenig politisches Interesse für die Umsetzung präventiver Maßnahmen gegen Gewalt zu geben. Lobbying für benachteiligte Gruppen, wird im Gegensatz zu wirtschaftlichem Lobbying wenig gehört, der volkswirtschaftliche Zusammenhang von der Politik scheinbar (noch) nicht erkannt. Auch konstruktive und sachliche Kritik ist nur schwer erfolgreich einzubringen.
Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark wünscht sich einen schuldzuweisungsfreien, fachlichen Austausch über Wahrnehmungen aus unterschiedlichen Kontexten und vor allem eine aktive inhaltliche Auseinandersetzung seitens Politik und Verwaltung außerhalb von "Krisensituationen".

Hinweis: am 9. und 10. April 2013 veranstaltet die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark eine Fachtagung zum Thema "Qualitätsentwicklung in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Eltern an der Schnittstelle von öffentlicher Jugendwohlfahrt und stationären Hilfen" im Raiffeisenhof in Graz. Nähere Informationen und Anmeldungen unter www.kinderanwalt.at

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Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark
DSAin Mag.a iur. Brigitte Pörsch
Tel.: +43 (0)316/877-4921
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