TIROLER TAGESZEITUNG; Leitartikel von 8. März 2013 von Nina Werlberger - Frauen in der Gleichgültigkeit-Falle

Innsbruck (OTS) - Utl: Die Diskussion über Gleichberechtigung ist zu einer belanglosen Debatte über Schlagworte verkommen. Sexismen tarnen sich heute hinter Humor, die strukturellen Ungerechtigkeiten bleiben unangetastet. Für Frauen bleibt viel zu tun.

Die Frau ist ja aus der heutigen Gesellschaft überhaupt nicht mehr wegzudenken. Treffender als es Humorist Loriot einst formuliert hat, lässt sich die Fülle an Klischees, Konflikten und Missverständnissen nicht beschreiben, die rund um den heutigen Weltfrauentag diskutiert wird. Der 8. März, der Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden, soll auf den anhaltenden Kampf um die Gleichberechtigung aufmerksam machen. Tatsächlich aber ist der Frauentag hierzulande ein "Ja, ja, wissen wir eh"-Tag. Quote, Teilzeitfalle, Kindergärten, Sexismus à la Rainer Brüderle: Das Frauenthema ist zu einem medialen und gesellschaftlichen Salat aus Schlagworten verkommen.
Vor diesem Hintergrund wird die strukturelle und faktische Benachteiligung von Frauen in breiten Teilen der Gesellschaft längst nicht mehr als solche wahrgenommen - natürlich zu Unrecht. Doch viele, vor allem jüngere Frauen können und wollen mit den Begriffen und Zielen der Emanzipation nichts mehr zu tun haben. Dass Frauen die gleichen Rechte wie Männern zuteilwerden sollten, wird als Konsens angesehen. Und ja: Auch die meis ten Männer empfinden es als unfair, dass Frauen für dieselbe Arbeit weniger Geld bekommen. Kein moderner Mann würde die plumpe Abwertung von Frauen im Job gutheißen.
Das bedeutet aber nicht, dass sich an den Grundprinzipien der Ungleichbehandlung auch nur im Entferntesten etwas geändert hätte. Die Einkommensschere ist in den vergangenen 15 Jahren nicht zugegangen, und das, obwohl so viele Frauen wie nie berufstätig sind und Mädchen die Buben beim Niveau der Ausbildung längst überrundet haben. Jede zweite berufstätige Tirolerin arbeitet Teilzeit, Tendenz steigend. Für die Pensionen ist dies ein gravierendes Problem. Auch erleben einst männlich dominierte Berufe wie etwa Arzt oder Journalist einen Verfall bei den Einkommen, seit immer mehr Frauen hineindrängen. Und der Sexismus - der kommt heute anders daher. Er versteckt sich hinter subtilem Humor - ist doch alles nicht so gemeint, habt euch nicht so, liebe Frauen.
Die Rezepte für Gleichberechtigung sind bekannt, und natürlich verlangt es der Anlass, erneut auf die Notwendigkeit von Quoten, Einkommenstransparenz, Kinderbetreuung und einer Auseinandersetzung mit Klischees hinzuweisen. Tatsächlich haben Tirols Frauen noch einen weiten, unbequemen Weg vor sich, bevor von echter Gleichberechtigung gesprochen werden kann. Wie scherzte Loriot einst auch: "Keine Frau will doch mit einem Mann tauschen."

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