Der Österreichische Frauenring zieht Bilanz: Warum es den Frauentag braucht

Fünf Gründe für eine starke Frauenbewegung.

Wien (OTS) - Feministische Anliegen werden immer öfter mit der Behauptung delegitimiert, dass alle Forderungen der Frauenbewegung bereits erfüllt seien. Schließlich haben Frauen ja seit 95 Jahren das Wahlrecht, können Karriere machen und sind durch Gesetze vor Gewalt und sexueller Belästigung geschützt. Was wollen wir mehr? Eine Antwort darauf gibt Christa Pölzlbauer, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings: "Am Weg zur tatsächlichen beruflichen und privaten Gleichstellung von Männern und Frauen gibt es noch viel zu tun. Wir müssen uns weiterhin um die so dringend notwendige faire Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit auf dem Weg zu einer geschlechtergerechten Gesellschaft bemühen."

Anlässlich des internationalen Frauentages am 8.März zieht der Österreichische Frauenring (ÖFR), als Dachverband österreichischer Frauenorganisationen und Vertretung von gut einer Million Frauen, Bilanz:

1. Familiäre Pflichten werden primär Frauen zugeordnet.

Daher sind sie es, die allzu oft vor die Wahl zwischen Familie und Karriere gestellt werden. In der Privatwirtschaft gehen nur 4,7 Prozent der Väter in Karenz. Ein Papamonat steht ihnen nicht - wie Vätern im öffentlichen Dienst - zu. Diese sinnvolle Maßnahme, um den Väteranteil bei der Karenz zu erhöhen, wird von der Wirtschaft weiterhin abgelehnt. "Der Wert der Kinderbetreuung und des Familienerhalts sollte allen ein Anliegen sein", fordert Pölzlbauer.

2. Frauen verdienen in Österreich um durchschnittlich 23,7 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Immer wieder wird von der Wirtschaft, aber auch von JournalistInnen und PublizistInnen behauptet, dass diese Einkommensschere zwischen Frauen und Männern ein Mythos und Lohndiskriminierung nicht real sei. Christa Pölzlbauer hält dem entgegen: "Wenn Frauen um ein Fünftel weniger verdienen ist das sicher kein Mythos, sondern eine Ungerechtigkeit, die beseitigt werden muss.".

3. Frauen sind in politischen Funktionen und Spitzenpositionen der Privatwirtschaft unterrepräsentiert.

Der Frauenanteil im Nationalrat liegt aktuell unter 30 Prozent. Schlimmer noch präsentiert sich die Situation in der Privatwirtschaft: In den Aufsichtsräten österreichischer Unternehmen liegt der Frauenanteil bei 13,5 Prozent, in den Geschäftsführungen bei 5,6 Prozent. "Sowohl in der Politik, als auch in der Wirtschaft braucht es Quotenregelungen. Quoten einzuführen heißt, der Qualität eine Chance zu geben", ist Pölzlbauer überzeugt.

4. Die neue Obsorgeregelung ist aus frauenrechtlicher Perspektive problematisch.

Die Möglichkeit einer gesetzlich angeordneten gemeinsamen Obsorge bei strittigen Trennungen verschlimmert die Situation für Frauen im Konfliktfall. Vor allem in Gewaltbeziehungen schwächt es die Position von Müttern, wenn der gewalttätige Vater das alleinige oder gemeinsame Sorgerecht beantragen kann. Der ÖFR hat bereits wiederholt kritisiert, dass dies eine massive Belastung für Frauen und Kinder darstellt.

5. Sexismus im Alltag, sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen sind immer noch die Realität.

Die Zahlen des Frauenbarometers sind erschreckend: Laut der Studie des Frauenministeriums hat die Mehrheit der ÖsterreicherInnen bereits persönliche Erfahrungen mit Gewalt gemacht. Jede/r zweite Österreicher/in kennt eine Frau, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden ist. Nicht zuletzt der #aufschrei über Twitter zeigt aber, dass Gewalt nicht erst beim Schlag ins Gesicht beginnt. Auch gegen Sexismus im Alltag und sexuelle Belästigung muss auf gesellschaftlicher und juristischer Ebene noch viel getan werden. Im Sinne eines wertschätzenden Miteinanders braucht es Maßnahmen zur Wahrung der Menschenwürde. Denn Sexismus ist immer Ausdrucksform der Herabwürdigung einer anderen Person - meist verbunden mit dem Bedürfnis, die eigene Macht zu demonstrieren. Gewalt gegen Frauen ist schließlich nur die Spitze des Eisbergs.

Die Bilanz zeigt: Der Frauentag ist nach wie vor wichtig, um alle unerledigten frauenpolitischen Belange aufzuzeigen. PolitikerInnen aller Parteien sollten sich zum Ziel setzen, geschlechtsspezifische Schieflagen nicht nur zu erkennen, sondern ihnen auch entgegenzuwirken. Nur so kann eine tatsächlich faire Gesellschaft und ein gutes Miteinander erwirkt werden.

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