Tiefe Töne im Hohen Haus

APA-OTSconnect über Niveauverlust in der politischen Kommunikation - Experten: "Beschleunigung, Unsicherheit und fehlendes Vertrauen als Ursache"

Wien (OTS) - Das Superwahljahr 2013 hat mit Kärnten und Niederösterreich seinen ersten medialen Höhepunkt erreicht. Nach wie vor ist die politische Arena gefüllt mit Auseinandersetzungen, Misstrauen und Interventionen. Ist die Spannung zwischen Medien und Politik außerhalb jedes Verhältnisses? Und was ist es, das einer offenen und fruchtbaren Kommunikation im Wege steht? Dieser und weiteren Fragen nachzugehen, trafen einander heute, Mittwochvormittag, namhafte Politikjournalistinnen und- Journalisten, Berater und -Kommunikationsexperten zum OTSconnect-Frühstück im Funkhaus Wien.

Den Grund für den vermeintlich gröberen Umgang im Vergleich zu früher sieht "Die Presse"-Innenpolitik-Expertin Anneliese Roher u.a. im veränderten Kommunikations- und Informationsverhalten: "In Zeiten des Live-Stream ist kaum mehr ein Journalist persönlich bei Parlamentsdebatten anwesend und spricht dort direkt mit den Politikern. Dadurch entgeht den Journalisten auch viel Sachkenntnis. Zudem ist jede Anflegelung, jede Reaktion heute nahezu in Echtzeit -und nicht erst 24 Stunden später - in den Medien", das verstärke den Eindruck des schlechter gewordenen Klimas zusätzlich.

Die Kanäle hätten sich nicht nur beschleunigt, schließt Politik-Berater Thomas Hofer an, sondern müssten sich auch gegen eine Vielzahl an anderen Angeboten durchsetzen. In Zeiten von Social Media verliere der Journalismus seine Gatekeeper-Funktion und sei nun eine von vielen Zielgruppen, die zu bedienen wären, so Hofer. "Inszenierung" will Hofer dagegen nicht als "böses Wort" gelten lassen: "Es gibt wenig, das heute nicht inszeniert ist - das beginnt schon bei der einzelnen Meldung. Wichtig ist jedoch die Botschaft dahinter."

Eben daran mangle es Österreich, meint Daniel Kapp, ehemals Pressesprecher von Josef Pröll und heute selbstständiger Politikberater: "Wir sind beim politischen Hyperventilieren ohne Inhalte angelangt." Kapp will nur noch eine Simulation von Politik erkennen, "Aufgrund der Beschleunigung durch Soziale Medien haben wir keine Zeit mehr, nachzudenken und wirklich Politik zu machen".

Eine gute Diskussion müsse aus Sicht von Robert Stoppacher, Leiter ORF-Diskussionssendungen, viel Information, aber natürlich auch Unterhaltung bieten. Dass es Spielregeln gäbe und geben müsse, unterstreicht der Fernsehprofi deutlich: "Spitzenpolitiker kennen diese Regeln und halten sich auch daran. Dann gibt es diejenigen, die sich etwas tollpatschiger bewegen, weil sie die Regeln nicht kennen und schließlich jene, die bestehende Regeln nicht anerkennen, sondern selbst setzen möchten. Das ist ein durchaus interessantes Phänomen in diesem Wahljahr."

Für Meinrad Knapp, Starmoderator bei ATV, sind die teils tiefen Töne direkt spürbar: "Dass die Konfrontationen sich von der sachlichen auf die persönliche Ebene ausweiten, ist neu, so kann es in Werbepausen mitunter unangenehm werden." Interventionen sei man ja gewöhnt, nicht aber, persönlich angegriffen zu werden.
Karin Thiller, Geschäftsführerin von APA-OTS, einer wichtigen Drehscheibe zwischen Politik und Medien, beobachtet seit vielen Jahren die Art und Tonalität politischer Aussendungen: "Die politische Kommunikation hat sich seit den 80ern sowohl in Stilistik als auch in punkto Inhalt professionalisiert. Die Protagonisten sind sich bewusst, dass OTS kein reiner Medienkanal mehr ist, der sich nur an Journalisten richtet, und passen die Aufmachung der Botschaft dementsprechend an."

"Die Krise von der wir sprechen, ist unter anderem auch eine Krise der ökonomischen Ausdünnung des Journalismus. Fehlende Sachkenntnis -aufgrund von Zeit- und Ressourcenmangel - auf journalistischer, und fehlende Inhalte auf politischer Seite." Letztlich sei jedoch das Fehlen von Vertrauen zwischen Journalisten und Politikern ausschlaggebend für die Ist-Situation, so Rohrer abschließend.

Zu OTSconnect:

OTSconnect ist eine von APA-OTS organisierte Veranstaltung speziell für PR-Praktikerinnen und -Spezialisten sowie Pressesprecherinnen und deren Mitarbeiter konzipiert. An drei bis vier Vormittagen des Jahres beleuchten die besten Journalistinnen und Journalisten sowie Fachexperten, Unternehmer und Medienmacher des Landes in entspannter Atmosphäre aktuelle Themen der medialen Berichterstattung. Dabei werden jeweils relevante Fragestellungen aufgeworfen, grundlegende Rahmenbedingungen von Branchen und Ressorts erläutert und die Zusammenarbeit zwischen Redaktion und Kommunikation diskutiert. Im Anschluss besteht die Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen und Netzwerken. OTSconnect versammelte in den letzten Jahren die führenden Journalistinnen und Journalisten Österreichs zu den jeweils aktuellen Branchenthemen am Podium und feiert 2013 das sechsjährige Bestehen.

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