Industrie: Fachkräfte sind Wettbewerbsfaktor - Verstärkte Investition in Lehrlingsausbildung erforderlich

IV-GS Neumayer: Neue IV-Umfrage: Ein Viertel der Lehrstellen unbesetzt, mangelnde Qualifikation Hauptherausforderung

Wien (OTS/PdI) - "Qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein immer wesentlicherer Standortvorteil. Die Fähigkeiten und Fertigkeiten sowohl der 'besten Köpfe' als auch der 'besten Hände' sind eine Voraussetzung, damit Wettbewerbsfähigkeit und damit Arbeitsplätze und Wohlstand dauerhaft gesichert werden können", so der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer, anlässlich der Pressekonferenz "Wettbewerbsfaktor Fachkräfte" heute, Mittwoch, in Wien. "Die verstärkte Investition in Lehrlinge ist eine Investition in die Zukunft der Jugendlichen, der Unternehmen und des Industrie- und Arbeitsstandortes. Nach IV-Berechnungen investieren Österreichs Industrieunternehmen jährlich rund 35.000 Euro in die Ausbildung eines Lehrlings", so Neumayer. Laut einer aktuellen IV-Mitgliederumfrage haben bereits 9 von 10 Unternehmen Probleme in der Deckung des Fachkräftebedarfs im Bereich Technik/Produktion. "Rund die Hälfte davon geben an, große Probleme bei der Stellenbesetzung im Bereich Forschung und Entwicklung zu haben", erklärte Neumayer.

"Ein Viertel der Lehrbetriebe konnte 2012 nicht alle Lehrstellen besetzen. Auch hier zeigen sich Probleme vor allem bei der Einstellung von Lehrlingen im technischen Bereich", so der IV-Generalsekretär. Dabei sei weniger der Mangel an Bewerbern die Hauptherausforderung, sondern vielmehr die mangelnde Eignung derselben. "Im Vergleich mit dem Vorjahr zeigt sich, dass die mangelnde Kompetenz der Bewerber zugenommen hat. Die Defizite der Jugendlichen gerade bei Mathematik, der Schreib- und Lesekompetenz machen deutlich, wie dringend eine Reform im Bildungsbereich von Nöten ist", so Neumayer. "Wird die Schulausbildung nicht verbessert, wird die Lücke zwischen qualifizierten Fachkräften und zu besetzenden Stellen immer größer werden. Die Schere zwischen passendem Angebot und Nachfrage geht weiter auf."

Industrie für verpflichtendes Unterrichtsfach Bildungs- und Berufsorientierung

Obwohl Österreich im OECD-Vergleich überdurchschnittlich viel für die Bildung aufwende, seien die Leistungen österreichischer Schülerinnen und Schüler nur durchschnittlich. Auch bei der Berufsorientierung müsse vieles strukturell verbessert werden. "Jugendliche entscheiden sich meist nicht ihren Interessen oder Neigungen nach für eine Ausbildung. Ein verpflichtendes Unterrichtsfach für Bildungs- und Berufsorientierung ab der 7. Schulstufe in allen Schulformen, wäre für viele Jugendliche eine große Entscheidungshilfe", betonte Neumayer. "Diese Entwicklung stellt den Produktions- und Innovationsstandort Österreich vor große Herausforderungen - denn die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften wird von 106 internationalen Leitbetrieben in Österreich, die mehr als 420.000 Jobs im Land bieten, als der wichtigste Standortfaktor eingestuft. Das bedeutet, gerade auch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestimmen, in welchen Standort wie viel investiert wird", betonte der IV-Generalsekretär. Attraktivität der Lehrberufe steigern

Es brauche daher dringend Maßnahmen in diesem Bereich, wie auch die Personalleiterin der Bosch Gruppe Österreich, Robert Bosch AG, Mag. Johanna Hummelbrunner betonte: "Um dem Fachkräftemangel erfolgreich entgegen zu steuern, muss man einerseits stark in die Bildung investieren und andererseits die Attraktivität der Lehrberufe steigern. Der öffentliche Bereich muss den Fokus stark auf Bildung legen und die Durchlässigkeit zum tertiären Sektor erhöhen bzw. hier wesentlich mehr Möglichkeiten anbieten als heute. Zudem braucht es die richtigen "role models" - und das durchaus auch auf populistische Art und Weise."

"Im Kampf gegen den Fachkräftemangel und der Jugendarbeitslosigkeit ist die Lehrlingsausbildung von großer Bedeutung", erklärte der IV-Bereichsleiter für Bildung, Innovation & Forschung, Prof. Dr. Gerhard Riemer. Österreich sei bei der Jugendbeschäftigung ein Vorzeigemodell für viele Länder. Delegationen aus aller Welt - von Dänemark über Japan bis Saudi Arabien - würden Österreichs Lehrbetriebe aus Interesse an der Lehrlingsausbildung besuchen, so Riemer. Der internationale Vergleich zeige, dass Länder mit starken berufsbildenden Ausbildungssystemen bessere Jugendbeschäftigungsraten verzeichnen, so Riemer: "Österreich hatte im Dezember 2012 mit 8,5 Prozent europaweit die zweitniedrigste Jugendarbeitslosigkeit nach Deutschland. Im EU-Durchschnitt sind 23,4 Prozent der Jugendlichen ohne Beschäftigung."

Investition in Lehrlinge ist Investition in Zukunft

"Die Wertschätzung der Fachkräfteausbildung muss ihrem hohen Stellenwert in der Wirtschaft und für den Standort wieder gerecht werden, denn die Industrie braucht top-ausgebildetes Personal auf allen Ausbildungs- und Qualifikationsstufen - vom Lehrling über den HTL-Ingenieur bis zur Hochschulabsolventin und zum Hochschulabsolventen", so IV-Generalsekretär Neumayer. Derzeit besuchen noch rund 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler der zehnten Schulstufe eine Lehre. Trotz großem Bedarf an qualifizierten Lehrlingen und Fachkräften werde ein ungebrochener Trend in das höhere Schulwesen verzeichnet. "Verstärkt durch die demografische Entwicklung droht ein massiver quantitativer Einbruch im Bereich der Berufsausbildung. Wir befinden uns bereits in einem Wettbewerb um Jugendliche zwischen Schule und Lehrlingsausbildung. Wir müssen diesem Einbruch dringend entgegenwirken. Gleichzeitig ist aber auch das berufsbildende Schulwesen, besonders die HTL, für die Industrie von großer Bedeutung", betonte Neumayer. Vor allem in der Industrie werde mit modernster Technologie auf höchstem Niveau gearbeitet. Anspruchsvolle Berufe erfordern ein hohes Investment in eine qualifizierte Ausbildung, die wiederum hohe Anforderungen an die Jugendlichen stelle, erklärte der IV-Generalsekretär.

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