Überlastete Spitäler: Wiener Ärztekammer präsentiert neues Ambulanzmodell

Ausbau des niedergelassenen Bereichs entlastet Spitalsambulanzen um bis zu 30 Prozent

Wien (OTS) - Die Wiener Ärztekammer hat ein neues Modell ausgearbeitet, das eine bessere Verzahnung zwischen dem öffentlichen Krankenhausbereich und den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten vorsieht. Damit sollen die überforderten Spitalsambulanzen nachhaltig entlastet werden. "Eine Reduktion der Frequenzen in den Ambulanzen um bis zu 30 Prozent ist dabei realistisch", betont der Präsident der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres. ****

Der Hintergrund: Ein Großteil der Ambulanzen in den Wiener Spitälern wird förmlich "überrannt". Hinzu kommt eine Verschärfung auch im niedergelassenen Bereich. Seit dem Jahr 2000 wurden in Wien 84 Kassenplanstellen gestrichen, und das trotz eines erhöhten medizinischen und pflegerischen Aufwands durch weitreichende demografische Veränderungen. "Es ist notwendig, den niedergelassenen Bereich zu stärken. Nur so kann eine Entlastung der Spitalsambulanzen gelingen", bekräftigt Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien.

Das neue Modell - Aufwertung des niedergelassenen Bereichs

Das Modell der Wiener Ärztekammer sieht vor, dass innerhalb von einem Jahr

  • zusätzliche 300 Kassenverträge, nach einer genauen Evaluierung der Notwendigkeiten in den einzelnen Fächern und der Wohnbezirke, neu ausgestellt werden,
  • alle bisherigen Gruppenpraxisanträge (in etwa 90) zur Ausschreibung freigegeben werden,
  • bezahlte Lehrpraxen geschaffen werden, um die Ordinationen auch mit qualifizierten, jungen Assistenzärzten besetzen zu können,
  • der Ärztefunkdienst ausgebaut wird sowie
  • Tarife mit den Krankenkassen vereinbart werden, die es niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, auch zu Tagesrandzeiten und am Wochenende offen zu halten; dafür müssen die Honorarsätze deutlich angehoben werden, um so die Überstunden, Nachtstunden und zusätzlichen administrativen Aufwände bezahlen zu können.

Auch die Etablierung einer eigenen Ärztefunkdienstambulanz in Nähe des neu zu errichtenden Krankenhauses Nord wäre eine sinnvolle Option. Denn gerade dort ist ein besonders hoher zukünftiger Zustrom Richtung Spitalsambulanzen zu erwarten. Im Gegenzug dazu könnten dann auch die Rettungseinsätze drastisch reduziert werden.

Szekeres: "Unser Alternativmodell ist ein Beispiel dafür, wie man unter Nutzung der vorhandenen Kapazitäten und Gelder ein optimales System herstellen kann. Wir sind überzeugt, dass wir mit einer Aufwertung des extramuralen Bereichs entsprechend der Bedarfserhebung die Spitalsambulanzen in Wien effektiv entlasten könnten."

Evaluation als Basis für einen konkreten Versorgungsplan

Voraussetzung für die Umsetzung des neuen Modells ist jedenfalls auch eine exakte Analyse, welche Leistungen wo medizinisch und ökonomisch sinnvoll erbracht werden können. Szekeres: "In sehr vielen Fällen kennen wir den 'Best point of service' gar nicht oder haben bestenfalls Vermutungen darüber. Das aber ist zu wenig."

Bei der Evaluierung geht es aber auch um die Erhebung einer exakten Patientenstromanalyse sowie um eine soziografische Bedarfserhebung. Die Ergebnisse sollten dann in einen konkreten Versorgungsplan für die Bundeshauptstadt münden, der klare und transparente Finanzierungsströme aufweist. (ssch)

(Forts.)

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